Als Zeichen der Solidarität mit allen Gastronomen, Veranstaltern und Künstlern wird das Greif rot angestrahlt. © Greif
Gastronomie

Das Greif in Lünen: Frustration, Existenzangst und dennoch Kampfeswille

Das Greif in Lünen musste wie alle Kneipen und Restaurants am 1.11. schließen. Das Verständnis für die Maßnahmen lässt nach, vor allem die Regelung für Weihnachten stoßen auf Verärgerung.

Seit dem 1.11. hat das Greif in Lünen geschlossen. Der Inhaber des beliebten Veranstaltungsorts an der Bundesstraße 54 in Münster hat sich seit März immer wieder für eine stärkere Unterstützung von Kulturschaffenden und Gastronomen ausgesprochen. Bob Michaels ist kein Freund der neuen Bestimmungen: „Schmecken muss diese Kröte keinesfalls, auch wenn wir – und viele andere Kollegen und Kolleginnen – sie wohl oder übel schlucken müssen“, sagt er und ergänzt bitter: „ Ich vermute mal, Kröten schlucken wird im kommenden Jahr seitens der IHK in das Berufsbild von selbständigen Gastronomen eingepflegt.“

Besonders die Ausnahmen die für die Weihnachtstage getroffen wurden, stoßen angesichts der Einschnitte für Veranstalter auf Unverständnis. Bob Michaels: „Tatsächlich sehe ich in der Ausarbeitung dieser neuerlichen Schließungs-Maßnahmen jedoch ein gravierendes Paradoxon: Auf der einen Seite wird der Gastronomie verboten, Gäste zu empfangen – auf der Anderen werden Lockerungsmaßnahmen vom 20.12 bis 1.1. in Aussicht gestellt. Oder wie wir es verstehen: Die Regierung kündigt ab dem 20. Dezember eine „Partywoche“ für die Bevölkerung an – während die Gastronomie dabei komplett ausgeschlossen wird. Wenn es also wirklich um Infektionsschutz geht – sowas sieht irgendwie anders aus, zumal das Ganze innerhalb gastronomischer Betriebe mit entsprechenden Hygienekonzepten stattfinden würde.“

Aufgeben kommt für das Greif und sein Team nicht in Frage, auch wenn „die weiteren Perspektiven für die Winter-Saison alles andere als erfreulich aussehen“. Man werde für die nächste Zeit im Greif weitermachen wie bisher: „Durchhalten und versuchen, das Ganze ein bisschen durch Außer-Haus-Angebote zu kompensieren.“

Dank an Unterstützer

Die Rücklagen, die es vor dem ersten Lockdown noch gab, würden immer weiter dahinschmelzen. 2021 ist für den Inhaber noch mehr als unklar: „Ganz ehrlich habe ich also absolut keine Ahnung, wann, wie und ob wir mit unserem „Baby“ überhaupt wieder zu gewohnter Stärke zurückfinden können.“ Das Team hoff sein zehnjähriges Bestehen im Mai feiern zu können.

Einen großen Dank richtet das Greif an alle Unterstützer, Bob Michaels: „Wir erhielten unfassbar tolle Nachrichten, viele liebe Worte, Hilfsangebote und sogar Geschenktüten, die einfach vor unserer Tür abgestellt wurden. Mit einem solchen Zuspruch hat von uns niemand auch nur ansatzweise gerechnet. Da hat es einem teilweise die Sprache verschlagen und man musste das eine oder andere Freuden-Tränchen verdrücken. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Spender und Spenderinnen, Gäste und Freunde! Wir geben alles, dass wir irgendwann wieder weitermachen können.“

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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