Das LÜNer Kennzeichen

WETHMAR Von insgesamt 56 665 gemeldeten Fahrzeugen in Lünen ist eins unter ihnen außergewöhnlich: Der grüne Mercedes 200 von Rudi Osterwald aus Wethmar. Er fährt den letzten „Ganz-Jahreswagen“ mit LÜN-Kennzeichen. Seit über 30 Jahren ist er damit unterwegs.

von Von Helmut Holz

, 31.01.2008, 07:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wenn alles so gut weiterläuft wie bisher, dann werde ich kein neues Auto mehr bekommen“, sagt der Besitzer und weist auf seinen gut gepflegten Wagen hin, der am 11.10.1973 auf seinen Namen zugelassen wurde. Etwas mehr als 180 000 Kilometer ist der 67-Jährige mit seinem „Schätzchen“ gefahren und betont voller Besitzerstolz: „Der Wagen hat mich nie im Stich gelassen!“

Vor fast 34 Jahren hatte Osterwald das Auto aus dem Mercedes-Werk in Sindelfingen abgeholt. Daran kann er sich noch gut erinnern, denn er hatte den Wagen nur gegen Bargeld „eintauschen“ können. „Einen Scheck haben sie damals nicht akzeptiert“, blickt er auf die einstige Zahlmethode zurück.

17 000 DM in der Tasche

So hatte er während der Bahnfahrt 17 000 DM in bar in der Tasche – eine Summe, für die man heute kaum noch einen Kleinwagen bekommt. Damals aber waren in diesem Preis sogar noch Extras wie ein Schiebedach oder getönte Scheiben enthalten.

„Große Reparaturen waren bisher nicht erforderlich“, betont der ehemalige Kraftfahrer bei den Stadtwerken Lünen, der später auch Busse der VKU fuhr, die Zuverlässigkeit seines Wagens. Bisher hatte Osterwald auch noch nie Probleme mit dem TÜV. Rund 13 Liter verbraucht der „Oldie“ im Stadtverkehr, bei den seltenen Autobahnfahrten kommt er mit rund elf Liter Super aus.

Natürlich kam Osterwald entgegen, dass er als gelernter Kfz-Schlosser vieles an seinem Auto selbst machen konnte. „Außerdem habe ich einen Freund, der mir bei eventuellen Problemen hilft“, betont Osterwald und fügt nicht ohne Stolz hinzu: „Der Wagen hat seit der 10 000-km-Inspektion keine Werkstatt mehr gesehen!“ Und die hatte er damals auch nur deshalb machen lassen, weil er die Garantie nicht gefährden wollte.

Seit mehr als 50 Jahren unfallfrei

Weite Touren waren für den ehemaligen Berufsfahrer im privaten Bereich noch nie ein echtes Thema. „Die weiteste Fahrt ging vor vielen Jahren in den Urlaub zum Wörthersee“, erzählt Osterwald. Daran hat er eine ganz besondere Erinnerung, denn: „Wir mussten den Urlaub um eine Woche verlängern, weil meine Tochter in Klagenfurt am Blinddarm operiert wurde“.

Nach wie vor ist das Auto mit der Nummer „LÜN – AZ 23 H“ in der Stadt zu sehen. „Ich benutze den Wagen allerdings nur bei Bedarf“, schränkt Osterwald ein. Seit mehr als 50 Jahren ist Osterwald mit dem Auto Unfall frei unterwegs, deshalb ist sein „Schätzchen“ auch von Beulen und Macken verschont geblieben ist.

Kein Wunder, dass der Besitzer seinen Mercedes, der erst sein viertes Auto ist, hegt und pflegt. Dass der Wagen mit dem „riesigen“ Lenkrad noch keine Servo-Lenkung hat, macht Osterwald nichts aus und auf den ganzen „Schnickschnack“ der heutigen modernen Autos kann er auch gut verzichten. „Ich bleibe bei meinem Alten, da weiß, was ich habe“, stellt er dem Wagen ein gutes Zeugnis aus.

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