Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns lehnt Bewaffnung von Kommunalpolitikern ab

mlzWaffenschein für Bürgermeister?

Der Bürgermeister von Kamp-Lintfort zieht vor Gericht, um einen Waffenschein zu erstreiten. Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns hält nichts von Bewaffnung, zeigt aber auch Verständnis.

Lünen

, 15.01.2020, 16:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus Angst vor Rechtsradikalen klagt der Bürgermeister von Kamp-Lintfort, Christoph Landscheidt, vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht auf Erteilung eines großen Waffenscheins.

Der ehemalige Richter wird massiv aus der rechten Szene bedroht, seitdem er im Europa-Wahlkampf 2019 Plakate mit volksverhetzendem Inhalt abhängen ließ. Er habe nicht vor, „in Texas-Manier bewaffnet durch die Straßen zu ziehen“, erklärte er am Freitag (10.1.) öffentlich.

Aber den Waffenschein habe er beantragt, um Angriffen gegen sich und seine Familie nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Solche konkreten Situationen habe es in seinem privaten und beruflichen Umfeld bereits gegeben. Das Recht auf eine Waffe sei für Hoheitsträger im Gesetz vorgesehen, sagte Landscheidt weiter.

Über die Bewaffung von Politikern und den Wunsch nach einer Waffe seines Amtskollegen hat die Redaktion mit Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns gesprochen:

Herr Bürgermeister, sollten sich Bürgermeister beziehungsweise Kommunalpolitiker bewaffnen dürfen?

Ich persönlich würde mich nicht bewaffnen und halte auch nichts davon, dass sich Bürgermeister und Kommunalpolitiker bewaffnen. Aber ich finde der Wunsch des Kollegen aus Kamp-Lintfort nach Bewaffnung ist ein Zeichen für die Gesellschaft.

Was meinen Sie damit?

Wir müssen uns ernsthaft fragen, warum der Kollege diesen Wunsch hat. Ich glaube, wir dürfen die Tatsache, dass er offenbar Angst hat, als Gesellschaft nicht ausblenden und wir müssen uns letztendlich fragen, wie wir miteinander umgehen wollen. Die Bedrohungen nehmen zu und die Ängste von Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, sollte man ernst nehmen. Dazu gehört auch, dass sich bedrohte Amtsträger wirksam wehren können: Hassmails, Drohbriefe und auch hasserfüllte und drohende Posts in Sozialen Medien müssen konsequent verfolgt und auch geahndet werden. Wir müssen unbedingt vermeiden, dass ein Klima der Angst entsteht und sich am Ende niemand mehr traut, ein öffentliches Amt zu übernehmen.

Wurden Sie auch schon bedroht oder fühlten Sie sich schon einmal bedroht?

Ich selbst habe mich bisher als Bürgermeister noch keiner Bedrohung gegenüber gesehen. Aber mir ist sehr bewusst, dass das mittlerweile für einen Bürgermeister eher die Ausnahme als die Regel ist. Und man darf nicht nur die Mandatsträger und Politiker betrachten: Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sehen sich immer wieder Bedrohungen ausgesetzt, die wir sehr ernst nehmen müssen.

Wie stehen Sie generell zu Waffen, Sie sind doch Mitglied im Schützenverein?

Ja, ich bin Mitglied im Schützen-Verein Wethmar von 1900 und im Lüner Schützen-Verein von 1332. Ich habe keinen Waffenschein und würde auch keine Waffe tragen. Ich finde den Umgang mit Waffen im sportlichen Kontext und im Schützenverein in Ordnung: Man hat im Schießsport- oder Schützenverein einen kontrollierten und bewussten Umgang mit Waffen und vor allem geht es da um den Wettkampf und niemals darum, anderen Menschen zu drohen oder ihnen sogar zu schaden.

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