20 Jahre nach Einführung gibt es in Lünen kein Schild mit dem grünen Pfeil mehr, das das Rechtsabbiegen an eigentlich roten Ampeln unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. © Arndt Brede
Grüner Pfeil

Das Schicksal des grünen Pfeils ist nach 20 Jahren in Lünen besiegelt

Die Geschichte des sogenannten grünen Pfeils in Lünen ist 20 Jahre alt. Er sollte für mehr Verkehrsfluss an bestimmten Ampelkreuzungen in Lünen sorgen. Ja, es muss „sollte“ heißen, nicht „soll“.

Das Zusatzschild mit dem grünen Pfeil erlaubt allen Fahrzeugen das Abbiegen nach rechts trotz roten Lichtzeichens an einer Ampel, wenn sie zuvor an der Haltlinie angehalten haben und wenn eine Behinderung oder Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Nach 20 Jahren, in denen der grüne Pfeil an vielen Kreuzungen in Lünen installiert worden war, hat die Stadt Lünen jetzt die letzten dieser Schilder abbauen lassen. Offenbar hat sich durchgesetzt und zum Abbau geführt, was schon seit Jahren im Zusammenhang mit diesem Zusatzverkehrsschild an Ampeln kritisiert wurde: dass so mancher Verkehrsteilnehmer nicht mit dieser speziellen Verkehrsregelung umgehen kann.

Das sagt jedenfalls Stadtsprecher Benedikt Spangardt, von der Redaktion nach dem Grund des Endes des grünen Pfeils nach 20 Jahren befragt. „Die Diskussion um den grünen Pfeil ist älter, aber abgebaut haben wir die Schilder tatsächlich sukzessive in den letzten Wochen. Angekündigt haben wir es bereits im Herbst 2020 im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung. Nun sollten also alle Schilder im Stadtgebiet abgebaut sein.“

Es gab mal 26 Schilder

Insgesamt hatte es 26 „Grüner Pfeil“-Schilder gegeben. Einige wenige waren bis vor Kurzem stehen geblieben. Warum jetzt erst die letzten Schilder verschwunden sind, darauf antwortete Spangardt so: Die verbliebenen Schilder sollten nach Abbau der anderen Schilder beobachtet werden. „Diese Beobachtung scheint negativ ausgefallen zu sein.“

Auch an der Kreuzung Park-/Viktoriastraße gibt es jetzt kein Ampel-Zusatzschild mit dem grünen Pfeil mehr.
Auch an der Kreuzung Park-/Viktoriastraße gibt es jetzt kein Ampel-Zusatzschild mit dem grünen Pfeil mehr. © Arndt Brede © Arndt Brede

Schon 2018 hatten Politik und Verwaltung das Thema „grüner Pfeil“ auf dem Schirm. Mit dem Ergebnis, dass bis auf die Knotenpunkte Kupferstraße/Osterfeld, Viktoria-/Parkstraße, Dortmunder/-Graf-Adolf-Straße und Königsheide/ Lenaustraße/ Reichsweg keine Kreuzung mehr ein solches Zusatzschild haben solle und auch keine neuen Schilder installiert werden sollten. Damals ist die Verwaltung zu folgenden Erkenntnissen gekommen: „In der Vergangenheit wurden Probleme beim Einsatz des Grünpfeils sichtbar. Mit der Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer, vor allem der Vorschrift ,vor dem Abbiegen‘ an der Haltlinie anzuhalten (§ 37 Abs. 2 Nr. 1 StVO) und auf querende Fußgänger sowie Radfahrer zu achten, konnten einige Autofahrer nicht umgehen. Und weiter hieß es damals unter anderem als Information für den Ausschuss für Sicherheit und Ordnung: „Aufgrund gefährlicher Situationen und Beinahunfällen wurden in den Folgejahren die Grünpfeile an fünf Knotenpunkten im Stadtgebiet wieder entfernt. Es handelt sich um folgende Kreuzungen: Gahmener- / Bahnstraße, Mengeder- / Waltroperstraße / Königsheide / Brechtener Straße, Königsheide / Friedhof- / Gustav-Sybrecht Straße, Borker- / Alstedder Straße und Konrad-Adenauer- / Moltkestraße.“

Auch in anderen Bereichen der Stadt Lünen - hier einst in Brambauer - sind die grünen Pfeile Geschichte.
Auch in anderen Bereichen der Stadt Lünen – hier einst in Brambauer – sind die grünen Pfeile Geschichte. © Günther Goldstein (Archiv) © Günther Goldstein (Archiv)

Allerdings seien an den verbliebenen Knotenpunkten ebenfalls Missachtungen zu beobachten, hieß es damals: „So berichten Radfahrer, sich an der Kreuzung Kupferstraße / Auf dem Osterfeld unsicher zu fühlen, da Pkw die Grünpfeile ,überfahren‘“.

Gefährliche Verkehrssituationen

Die Empfehlung der Verwaltung lautete: „Der Grünpfeil soll Wartezeiten für Autofahrer, die an lichtsignalgeregelten Knotenpunkten rechts abbiegen möchten, verkürzen. Dadurch soll der Verkehrsfluss verbessert werden. Ein Grünpfeil an einer Lichtsignalanlage stellt allerdings auch ein Unfallrisiko dar, besonders für Fußgänger und Radfahrer. Durch Missachtung der Pkw, vor dem Abbiegen anzuhalten, entstehen gefährliche Verkehrssituationen. Die Verwaltung empfiehlt keine Neuauflage der flächenhaften Installation des Grünpfeils, da der ,Anti-Stau-Effekt‘ sehr gering ist, querende Fußgänger und vor allem Radfahrer unter Umständen gefährdet werden und davon auszugehen ist, dass sich auch zukünftig vermehrt Autofahrer nicht an die ,Spielregeln‘ halten werden.“

Der grüne Pfeil

  • In der Deutschen Demokratischen Republik wurde der grüne Pfeil bereits 1978 eingeführt, allerdings ohne Anhaltepflicht. Zuvor war in der DDR das Rechtsabbiegen bei Rot generell erlaubt gewesen.
  • Ende 2000 überprüfte Marc Assmann in einer Diplomarbeit der FH Bochum die Einsatzmöglichkeiten des Grünpfeils in Lünen. Diese Diplomarbeit begutachtete dann laut Verwaltung im März 2001 das Ingenieurbüro VSC Halle vor Realisierung der vorgeschlagenen Standorte eingehend. Hier wurden vor allem auch nochmals die Grundlagen und Entscheidungskriterien für den Einsatz des Grünpfeil-Schildes dargelegt. Die Stadt Lünen hat dann nach Beschluss im September 2001 an insgesamt 26 Stellen im Stadtgebiet den grünen Pfeil installieren lassen.

Nun sind also auch die letzten Schilder mit dem grünen Pfeil auf schwarzem, Grund abgebaut worden. Nicht bei jedem kommt das gut an, wie eine Diskussion auf Facebook zeigt. So kommentiert ein User: „Früher wurde bei geänderter Verkehrsführung ein Pappkamerad aufgestellt, um darauf aufmerksam zu machen. Heute wird heimlich still und leise ein neues Schild aufgestellt.“ Eine andere Userin schreibt: „Ich frag mich, warum man dann die Bürger nicht offiziell informiert. Die wollen bestimmt noch mehr Knöllchen verteilen an die, die es noch nicht gemerkt haben.“ In dasselbe Horn stößt ein weiterer User: „Lünen braucht Geld.“

Grünen Pfeil nicht pauschal verteufeln

Was sagt eigentlich der ADAC dazu, dass die Stadt Lünen nun endgültig alle Schilder mit dem grünen Pfeil abgebaut hat? „Der grüne Pfeil ist mittlerweile ein extrem heiß diskutiertes Thema geworden“, sagt Tobias Scheffel, Leiter der Kommunikation des ADAC Westfalen auf Anfrage. „Für die Autofahrer sind wir im ersten Schritt dafür, ihn zu erhalten. Es geht ja darum, Verkehrsfluss herzustellen. Je weniger man steht, umso weniger Abgase werden sinnlos verpufft. Wenn es allerdings so ist, dass die Autofahrer es einfach nicht hinkriegen und dass die Unfallgefahr steigt für die Fußgänger oder die Radfahrer, dann ist es natürlich ein Problem.“ Man sollte den grünen Pfeil nicht pauschal verteufeln, sondern die Stellen genau anschauen, wo er gar nicht funktioniert. Und zwar vor Ort von Fall zu Fall.

Über den Autor
Redaktion Selm
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Arndt Brede

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