Derby in Kneipen: Nur wenig Platz für Fans von S04 und BVB in Lünen

mlzSamstagnachmittag

Borussia Dortmund empfängt am Samstag den FC Schalke 04 zum Revierderby. Theoretisch können Fans das Spiel in der Kneipe verfolgen. Praktisch gibt es eine ganze Reihe von Problemen.

Lünen

, 15.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn die Profifußballer am Samstag nach der Zwangspause durch die Corona-Krise wieder gegeneinander antreten dürfen, wird das im Free-TV zu sehen sein. Passend zum sogenannten Re-Start gibt es mit dem Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 gleich einen Kracher.

Für Kneipenbesitzer hätte eine Live-Übertragung vor der Krise das Geschäft der Woche bedeutet. Daraus wird nun nichts - obwohl die Übertragung unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen erlaubt wäre. „Das traditionelle Rudelgucken wird es nicht geben“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt.

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Auch wenn die Kneipen die Spiele wieder übertragen dürfen, müssen nämlich die Hygienemaßnahmen eingehalten werden. „Ein Verstoß würde von dem Ordnungsamt mit einem hohen Bußgeld bestraft“, so Spangardt.

Sieben Plätze für Fußballfans

Inhaber Frank Teschler möchte seinen Gästen im Brauhaus Drei Linden trotz der Auflagen weiterhin Live-Fußball bieten. Allerdings hat der 58-Jährige zurzeit gerade Mal sieben Plätze für Fußballgäste frei – die für Samstag auch schon ausgebucht seien.

Zum Vergleich: Vor der Corona-Krise hätte laut ihm die dreifache Menge an Zuschauern Platz gefunden. Er stehe im Kontakt zum Ordnungsamt, um die Hygienemaßnahmen rechtmäßig einzuhalten. Am Mittwoch - dem zweiten Öffnungstag nach dem Lockdown - sei das Ordnungsamt sogar noch vor Ort gewesen. „Ich wurde für die Einhaltung der Maßnahmen gelobt.“

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Leider bringe dem Inhaber das Lob finanziell nichts. Bisher seien noch deutlich weniger Gäste in sein Lokal gekommen als erwartet, so Teschler. In Zukunft rechnet der Gastronom noch mit weiteren Einbußen: „Bis wir wieder bei unserem Standard vor der Krise sind, dauert es sicherlich Jahre“.

Trotzdem gibt Frank Teschler nicht auf. Seinen Fußballstammkunden möchte er weiterhin das bieten, was sie sich wünschen: Die Bundesliga. Wenn auch auf Abstand.

Sportsbar hat wieder geschlossen

Die Manhattan Sportsbar an der Moltkestraße 16 war eine der ersten Kneipen, die ihre Türen am Dienstag öffneten - aber auch die erste, die sie wieder schloss. Trotz Bundesliga lässt die Besitzerin Steffi Haack ihre Türen auch am Samstag-Nachmittag zu. Die Eröffnung habe sich finanziell noch weniger gelohnt als erwartet, so Haack.

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Auf Dauer würden die Umsatzeinbußen aufgrund der hohen Betriebskosten die Existenz stark bedrohen. Deshalb habe sie eine schwere Entscheidung entgegen der Hoffnung von den Stammkunden getroffen: Die Sportsbar bleibt unter den momentanen Bedingungen geschlossen - obwohl die Inhaberin zur Eröffnung teure Hygienemaßnahmen getroffen hat. Unter anderem ist eine Trennwand eingebaut worden um den Abstand sicherzustellen. Drei Tage lang umräumen, für einen Tag Öffnung. Damit hat sie nicht gerechnet: „Ich wollte Gas geben, aber konnte es nicht“, sagt sie. Die Bierfässer habe sie umsonst angebrochen. Aus Angst wären sehr wenige Gäste in ihr Lokal gekommen.

Furcht vor hohen Bußgeldern

Der fehlende Umsatz war allerdings nicht der einzige Grund der schnellen Schließung: Ein Gespräch mit dem Ordnungsamt habe ihr gezeigt, dass jeder kleine Verstoß gegen die Hygienemaßnahmen mit hohen Bußgeldern bestraft werde. Auch wenn sie die 1,50 Meter Abstand zwischen den Tischen einhalte, würde dieser unter anderem auf dem Weg zur Toilette zwischen den Gästen nur schwer berücksichtigt werden können.

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Da Steffi Haack zurzeit alleine für ihre Sportsbar zuständig ist, könne sie zu wenig kontrollieren, ob die Gäste sich an die Regeln halten. Gerade bei der Übertragung der Fußballspiele sei es schwierig, die Maßnahmen einzuhalten. „Ich kenne meine Fußballgäste, und die kommen meistens alleine“, sagt Haack. Da zwei Haushalte an einem Tisch sitzen dürfen, wären so auch nur pro Tisch zwei Plätze frei.

Nun warte die Inhaberin auf eine Lockerung der Maßnahmen.

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