Deutschland durch die Brille eines Einwanderers

Film "Almanya"

Der Film „Almanya“ hätte 20 Jahre eher gedreht werden sollen, meinte ein Zuschauer nach der Vorstellung. Stimmt. Das hätte wohl so manche verkniffene Integrationsdebatte überflüssig gemacht. Am Freitag lief der Film zweier Dortmunder Schwestern im Cineworld.

LÜNEN

von Von Dieter Hirsch

, 20.03.2011, 13:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Drehbuchautorin Nesrin Samdereli (l.) und Regisseurin Yasemin Samdereli stellten sich nach dem Film den Fragen des Publikums. Foto Hirsch

Drehbuchautorin Nesrin Samdereli (l.) und Regisseurin Yasemin Samdereli stellten sich nach dem Film den Fragen des Publikums. Foto Hirsch

Der Film „Almanya“ der Dortmunder Samdereli-Schwestern Nasrin (Drehbuch) und Yasemin (Regie) ist ein herzerfrischender Film, der die Geschichte einer türkischen Familie über drei Generationen erzählt. Von den Hoffnungen und den Träumen, die die Menschen mit dem Umzug nach Deutschland verbunden haben. Aber auch von den Ängsten vor und Vorurteilen gegenüber dem deutschen Alltag. Das tut er mit viel Humor und manchmal mit Melancholie, immer augenzwinkernd und nie mit dem moralischen Zeigefinger.

Für uns „Ureinwohner“ eine gute Chance, unser Land durch die Brille des Einwanderers zu sehen. Ein Spiegel und zugleich die Erkenntnis, dass uns das „Fremde“ eigentlich ganz nahe ist. „Wir riefen Gastarbeiter und es kamen Menschen“ zitiert das Multikultiurelle Forum, das die Veranstaltung organisiert hat, in seiner Einladung den Autor Max Frisch. Menschen mit Hoffnungen und Träumen von einem glücklichen Leben. Menschen mit Ängsten und Vorurteilen - eben Menschen wie wir.

Nach dem Film standen Nasrin (Drehbuch) und Yasemin Samdereli (Regie) den Fragen der Zuschauern im ausverkauften Kino 5 Rede und Antwort. Mit ihnen im Podium saßen der SPD-Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz, der ehemalige Betriebsrat Horst Krischer und mit Veli Sargin ein „Gastarbeiter“ der ersten Stunde. Viele Zuschauer, die sich zu Wort meldeten, beglückwünschten die Samdereli-Schwestern zu diesem Film „Wir haben uns in ganz vielen Dingen wieder erkannt.“ Ein schönes Kompliment.

Lesen Sie jetzt