„Die haut ab“: Ist eine 67-Jährige nach Unfall mit Radfahrer geflohen?

mlzProzess gestartet

Auf der Kurt-Schumacher-Straße direkt vor der Polizeiwache kam es im März zu einem Unfall, ein junger Radfahrer wurde schwer verletzt. Eine Beteiligte soll einfach weggefahren sein.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 04.08.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Abbiegen übersah eine Lünerin einen Radfahrer, der bei der folgenden Kollision verletzt wurde. Nach einiger Zeit verließ die 67-Jährige den Unfallort. Nun begann ihr Prozess. Der Vorwurf: fahrlässige Körperverletzung und Unfallflucht.

Der Zusammenstoß ereignete sich am Mittag des 12. März direkt vor der Polizeiwache. Die Rentnerin befuhr die Kurt-Schumacher-Straße und wollte in Richtung Kaufland abbiegen. Den Jugendlichen auf dem Fahrrad, für den die Ampel ebenfalls auf Grün stand, bemerkte sie zu spät. Zwar bremste sie noch, doch der 15-Jährige, so schildern es Zeugen, flog trotzdem über ihre Motorhaube.

Er brach sich den Arm und wurde am Bein verletzt. Auch entstand an seinem Rad ein Schaden von etwa 100 Euro. Die 67-Jährige stieg aus, sprach den Jungen an, setzte sich später wieder in ihren Wagen und fuhr davon. Zeugen folgten ihr und sorgten dafür, dass sie zum Ort des Geschehens zurückkehrte.

„Fahr hinterher, die haut ab“

In ihrer Verhandlung vor dem Amtsgericht erinnerte sich die Seniorin nun mit Schrecken an den Moment der Kollision: „Ganz plötzlich kam da ein Junge mit einem Fahrrad.“ Natürlich sei sie sofort ausgestiegen, habe ihn an der Hand gefasst und gefragt, ob alles in Ordnung sei. Das habe der bejaht. Zeugen und Polizisten seien erschienen. Ein Beamter habe ihre Personalien aufgenommen, sei dann weggegangen.

„Ich wartete, wusste nicht, ob ich warten oder fahren sollte.“ Letztlich sei sie eingestiegen und in Richtung Kaufland gefahren. Ein Zeuge sei ihr gefolgt und habe ihr gesagt, sie solle zurückfahren. Dem sei sie gefolgt.

Besagter Zeuge erinnerte sich an den Augenblick, als sich die Angeklagte entfernte und seine Freundin auf dem Beifahrersitz erklärte: „Fahr hinterher. Die haut ab.“ Das habe er getan, habe sie dann zurückgebracht. Ob die 67-Jährige vor der Weiterfahrt bereits mit einem Polizisten sprach, daran konnte er sich nicht erinnern.

Gericht sieht zusätzlichen Aufklärungsbedarf

Zweifel hatte er andererseits nicht: „Das war für mich eine klare Sache, dass sie jetzt abhaut. Und das kann ja nicht sein.“ Ähnlich verhielt es sich mit einem anderen Augenzeugen. Er bekundete, nicht zu wissen, ob Polizeibeamte bereits vorher vor Ort waren. Er habe sich auf den Jungen konzentriert.

Eine dritte Zeugin erklärte, Beamte ohne Uniform seien vor der Weiterfahrt am Unfallort erschienen. Ob die mit der Lünerin geredet hätten, wisse sie nicht. Wohl aber habe sie nach der Rückkehr der Frau gehört, wie die gesagt habe, sie habe keine Schuld, es sei ja auch nicht viel passiert und sie alle seien doch da, um dem Jungen zu helfen.

Unter den Umständen sah das Gericht zusätzlichen Aufklärungsbedarf. Mitte August wird das Verfahren mit der Befragung einiger Beamter fortgesetzt.

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