Dietmar Lindenbaum würde seine Boutique derzeit am liebsten schließen. Denn es kommen kaum Kunden. © Goldstein
Covid-Maßnahmen

Dietmar Lindenbaum würde seine Lüner Boutique derzeit lieber schließen

Einen entspannten Einkaufsbummel durch die Innenstadt unternimmt derzeit kaum jemand. Unter diesen Umständen wäre einem Lüner Geschäftsinhaber ein konsequenter Lockdown lieber.

„Man lässt die Läden offen und fordert die Leute aber gleichzeitig auf, zu Hause zu bleiben, das ist widersprüchlich“, bemängelt der Lüner Geschäftsmann Dietmar Lindenbaum die aktuelle Lage. „Da hätte ich wahrscheinlich weniger Kosten, wenn einfach geschlossen würde.“ Unterm Strich komme wahrscheinlich mehr dabei heraus, wenn er Hilfen beantragen könnte, so die Überlegung des Geschäftsinhabers. Allein das Personal koste bei aktueller Kundenfrequenz wahrscheinlich mehr, als Umsätze reinkämen.

Entschleunigtes Shopping

Fashion & Bistro udi heißt das Geschäft, das Dietmar Lindenbaum im Mai 2018 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Ute Weiss am Roggenmarkt eröffnete. „Entschleunigtes Einkaufen“ ist das Konzept der beiden. Während sich Ute Weiss um die Boutique kümmert, ist Dietmar Lindenbaums Metier das Bistro. Als ehemaliger Kriminalbeamter hat er im Ruhestand sein Hobby zur Profession gemacht und bekocht die Einkaufenden mit kleinen Gerichten. „Letztendlich ist das Konzept entstanden, weil die Männer immer dumm rumstehen müssen, während die Frauen shoppen“, sagt der 65-Jährige.



Kunden bleiben fern

„Seit Corona da ist, hat sich das so eingependelt, dass das Bistro gar nicht mehr lief und die Boutique sehr schleppend“, berichtet Lindenbaum. Mit Maske einkaufen zu gehen, hindere die Kunden und viele gingen auch abends kaum noch aus, so dass Mode einzukaufen schon mehrere Monate lang keine Priorität mehr hatte, vermutet der Geschäftsinhaber. Anfang Oktober habe es für etwa zwei Wochen mal einen Aufschwung für die Boutique gegeben, die Umsatzzahlen waren gut, „bis die Kanzlerin gesagt hat, wenn es irgendwie möglich ist, solle man zu Hause bleiben“, sagt Lindenbaum. „Und die Leute haben sich brav daran gehalten.“

Als jetzt im Zuge des „Lockdown light“ das Bistro schließen musste – einen Außer-Haus-Verkauf einzurichten hätte sich laut Lindenbaum nicht gelohnt – hätte er sich gewünscht, dass auch die Boutique von den Schutz-Maßnahmen betroffen wäre.


Rumstehen und frustriert sein

„Wenn die Leute artig sind, dann wird das für uns recht mau werden. Und wenn ich sehe, dass die Leute sich konform verhalten, dann kann ich eigentlich zumachen. Rumstehen und frustriert sein, weil keiner kommt, macht doch keinen Sinn.“

Alles zuzumachen wäre eine klare Linie der Politik gewesen, meint er. Dann hätte er wenigstens die 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 beantragen können, die die Bundesregierung für den Lockdown in Aussicht gestellt hat. „Wenn es so weiter geht, wie es jetzt geht, dann hört es auch irgendwann ganz auf mit dem Fashionbistro“, befürchtet er. „Aber wir müssen einfach abwarten und gucken“, sagt er optimistisch, „vielleicht kommen die Leute doch.“

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
Zur Autorenseite
Kristina Gerstenmaier

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.