Ditib-Gemeinde zu Charlie-Hebdo-Karikatur: „Greift unsere Religion an“

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Eine Karikatur des türkischen Präsidenten Erdogan sorgt für Spannungen zwischen der Türkei und Europa. Auch die Ditib-Gemeinde Lünen fühlt sich durch die „Charlie Hebdo“-Zeichnungen beleidigt.

Lünen

, 11.11.2020, 19:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, in Unterwäsche auf einem Sessel sitzend, lüftet das Gewand einer verschleierten Frau, so dass ihr nacktes Hinterteil zu sehen ist: Diese Karikatur erschien am 28. Oktober in der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“.

Dass Kritik - gerade in Form von Satire - am türkischen Staatsoberhaupt schnell zu einer Staatsaffäre werden kann, ist spätestens seit dem „Schmähgedicht“ des Satirikers Jan Böhmermann bekannt. Die „Charlie Hebdo“-Karikatur sorgte jedoch nicht nur für eine erneute Anspannung der Beziehungen zwischen der Türkei und Europa; auch die Terroranschläge von Nizza und Wien, die insgesamt sieben Tote gefordert haben, sollen im Zusammenhang mit dem Karikaturenstreit stehen.

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In türkischen Regierungsmedien war nach der Veröffentlichung der Karikatur von einem „widerlichen Angriff auf Erdogan“ die Rede, die Zeichnung sei „niederträchtig“ und „skandalös“. Die Selimiye-Moschee an der Roonstraße gehört zu Ditib, dem größten muslimischen Verband in Deutschland. Die Lüner Gemeinde fühlt sich die die Karikatur ebenfalls beleidigt: „Dies greift nicht nur den Herrn Erdogan, sondern auch unsere Religion an“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. „Das ist natürlich nicht akzeptabel. Wir als Muslime greifen ja auch nicht christliche Symbole an. Unsere Ansicht ist, Meinungsfreiheit muss auch seine Grenzen haben und sollte dann aufhören, wenn Religion, Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht eine Rolle spielen und angegriffen werden.“

Die Gemeinde sieht sich darüber hinaus nicht als richtigen Ansprechpartner für die Frage: „Wir sind eine Religionsgemeinde und distanzieren uns daher von der Politik.“ Das ist insofern bemerkenswert, dass dem Ditib-Verband eine Nähe zum türkischen Präsidenten nachgesagt wird - und die Imame vom türkischen Staat bezahlt werden.

Fragen zur Bewertung der Terroranschläge vor dem Hintergrund dieser Diskussion beantwortete die Gemeinde nicht. Der Zentralrat der Muslime hatte die Anschläge verurteilt, eine Distanzierung jedoch vermieden: „Ich kann mich nicht distanzieren, wenn ich keine Nähe habe“, lautet dazu die Aussage von Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime.

Generell seien Islam und Extremismus nicht gleichzusetzen: „Die Forderung nach einer Distanzierung würde voraussetzen, dass bereits eine Nähe muslimischer Gemeinden zum Extremismus, der den Islam missbraucht, da ist“, sagte Murat Gümüş, Generalsekretär des Islamrats, jüngst dem „Tagesspiegel“. „Aber verurteilen tun wir ihn entschieden.“

Als Gemeinde in Deutschland richte man sich nach deutschen Richtlinien. „Wir sind zwar eine türkische Gemeinde aber unsere Kanzlerin ist Angela Merkel.“

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