Holz auf einem Anhänger machte einen Land- und Forstwirt aus Lünen stutzig. © picture alliance / Holger Hollem
Amtsgericht

Dringendes Bedürfnis im Stau brachte Lüner eine Diebstahls-Anzeige ein

Auf einem fremden Grundstück soll ein Lüner Holz gestohlen haben. So lautete die Anklage. Doch vor Gericht beteuerte der 54-Jährige seine Unschuld. Erfolgreich.

Ein voll beladener Anhänger brachte einen Lüner in den Verdacht, auf einem fremden Grundstück Holz gestohlen zu haben. Vor Gericht beteuerte der 54-Jährige nun seine Unschuld. Mit Erfolg: Widerlegen ließ sich seine Version am Ende nicht.

Zufällig kam der Land- und Forstwirt am 27. Dezember an seinem Besitz an der Dortmunder Straße vorbei. Das fremde Auto samt Anhänger und der Fahrer stimmten ihn misstrauisch. Er sah sich das Ganze genauer an und stellte fest, dass besagter Anhänger fein säuberlich mit Birkenholz beladen war – ähnlich den Baumstämmen, die dort lagen. Der 55-Jährige verständigte die Polizei und der Fall endete mit einer Anzeige wegen Diebstahls.

In Waltrop kostenlos bekommen

Ein Vorwurf, den der bis dato unbescholtene Lüner nun vor dem Amtsgericht nicht auf sich sitzen lassen wollte. Das Holz habe er nicht etwa auf dem Platz eingesammelt, sondern zuvor in Waltrop kostenlos über eine Anzeige bei eBay-Kleinanzeigen ergattern können. Auf der Rückfahrt habe sich der Verkehr auf der Dortmunder Straße gestaut und er habe dringend austreten müssen. „Mir stand das Wasser schon in den Augen“, erklärte er. Deshalb sei er auf den Platz gefahren und habe nach dem Gang ins Gebüsch eine Zigarette geraucht, als der Mann plötzlich aufgetaucht sei. Wo genau er das Birkenholz erhalten habe, wisse er leider nicht mehr, könne es auch nicht mehr rausfinden. Aber keinesfalls habe er zu den Polizeibeamten gesagt, er habe gar nicht gewusst, dass so etwas Diebstahl sei.

Land- und Forstwirt ist schon leidgeprüft

Der leidgeprüfte Land- und Forstwirt, der nach eigenen Angaben täglich Anzeige wegen derartiger Delikte erstatten könnte, hatte keine Zweifel daran, an dem Tag bestohlen worden zu sein. „Er hat das ja eingeräumt, dass er das Holz da auflud. Er hielt es für ganz normal, dass er das mitnimmt. Das hat mich gestört“, erinnerte sich der 55-Jährige und attestierte dem Angeklagten kein Unrechtsbewusstsein. Allerdings beobachtete er nicht, wie der Fremde das Holz auf den Hänger packte. Nichts anderes konnten die beiden Polizeibeamten berichten. Auch sie sahen nicht, wie der 54-Jährige Ladung verstaute. Außerdem konnte sich keiner der Zeugen erinnern, vor Ort, passend zur Kettensäge im Kofferraum, verräterische Holzspäne entdeckt zu haben.

Diese beiden Punkte sorgten schließlich dafür, dass der Mann freigesprochen wurde – getreu dem juristischen Leitsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Wobei der Richter nicht verhehlte, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Aber es gebe eben diese konkreten Zweifel daran, dass der Lüner einen Diebstahl begangen habe. Also müsse ein Freispruch erfolgen. sam

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