Der Angeklagte wird von Rechtsanwalt Jens Gunnar Cordes verteidigt. © Martin von Braunschweig
Prozessauftakt in Dortmund

Drogentod: Lüner (18) starb an Überdosis: Dealer ist „sehr mitgenommen“

Im Februar 2019 starb ein 18-jähriger Jugendlicher aus Brambauer an einer Drogenvergiftung. Jetzt steht in Dortmund der Mann vor Gericht, der ihm das Rauschgift verkauft haben soll.

Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel wirft dem 45-jährigen Angeklagten vor, den Tod des Teenagers aus Lünen leichtfertig in Kauf genommen zu haben. Schon in den Monaten zuvor soll der Mann regelmäßig Marihuana und Ecstasypillen sogar an minderjährige Kunden verkauft haben.

Geständnis über Verteidiger

Über seinen Verteidiger Jens Gunnar Cordes räumte der Angeklagte am Dienstag, 14. September, zahlreiche Drogenverkäufe ein. In mindestens 150 Fällen hätten Kunden vor seiner Tür in Brambauer gestanden und nach Rauschgift gefragt.

„Darunter waren auch Käufer, bei denen es auf der Hand lag, dass sie noch keine 18 Jahre alt waren“, so Cordes. „Mein Mandant kannte deren Alter zwar nicht genau, aber es drängte sich auf, dass sie noch nicht erwachsenen waren.“ Und ja, er könne auch bestätigen, dass der später verstorbene Jugendliche zu seinen Kunden zählte.

Junge war angeblich wie immer

Am Tag vor dessen Tod soll aber alles so wie immer gewesen sein, erklärte der Verteidiger weiter. „Der Kunde hat sich überhaupt nicht auffällig verhalten.“ Mit anderen Worten: Wie sollte der Angeklagte ahnen, dass der Jugendliche große Teile der von ihm gekauften 14 Ecstasypillen selbst einnehmen und sich damit vergiften würde?

Der 18-Jährige war am nächsten Tag in den frühen Morgenstunden als akuter Notfall ins Marienhospital eingeliefert worden. Trotz aller Bemühungen mussten die Ärzte Stunden später mit ansehen, wie der Jugendliche verstarb. Im Blut des Opfers sollen neben Cannabis und Ecstasy auch größere Mengen Alkohol festgestellt worden sein.

Drogen- und Alkoholvergiftung

„Der Tod des jungen Mannes hat meinem Mandanten schwer zugesetzt“, sagte Verteidiger Cordes den Richtern. „Er ist seitdem sehr mitgenommen.“

Der Angeklagte ist bereits vor einigen Monaten wegen anderer Drogenverkäufe zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden. Zurzeit verbüßt er diese im Rahmen einer Entziehungstherapie in der LWL-Klinik Herten.

Die jetzt angeklagten Taten müssten in die alte Strafe einbezogen werden. Wie das gehen soll und ob der 45-Jährige dann nach einer möglicherweise erfolgreichen Therapie noch einmal in ein normales Gefängnis muss, bereitet den Richtern einige Kopfschmerzen.

Angeklagter macht Therapie

„So, wie sie ist, ist die Situation sehr unschön“, erklärte der Vorsitzende Thomas Kelm am Dienstag.

Das Gericht wird nun an den folgenden Verhandlungstagen zahlreiche Zeugen vernehmen. Mit Spannung wird darüber hinaus die Befragung von Rechtsmediziner Ralf Zweihoff erwartet. Der Arzt wird den Richtern alle Details zur Todesursache nennen.

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