Ein Leben für den Strom: Wie Elektrotechnik die Bellwons elektrisiert

mlzSerie Familiensache

In die beruflichen Fußstapfen der Eltern treten - das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Doch in Lünen gibt es erfolgreiche Beispiele. Wie Dr. Silke und Dirk Bellwon.

Lünen

, 24.07.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

E-Autos, die in Phasen überschüssiger Energie automatisch mit Strom vom Dach geladen werden oder die Spülmaschine, die genau dann anspringt: Die intelligente Nutzung regenerativer Ressourcen ist für Elektroingenieur Dirk Bellwon (53) auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Das Thema ist bei der K. Bellwon Elektrotechnik GmbH längst präsent: Die beiden E-Firmenautos „tanken“ Strom aus Photovoltaik über die selbst entwickelte Ladetechnik auf dem Firmengelände.

Anfangs auch Verkauf von weißer Ware

Die Elektrowelt war noch eine andere, als sein Vater, Elektromeister Klauslothar Bellwon (86) 1958 mit 25 Jahren das Unternehmen an der Bebelstraße in Lünen-Süd gründete. Ein Laden mit „weißer Ware“, also Waschmaschinen und Kühlschränken, gehörte dazu. Mutter Ingrid (82), damals 21, arbeitete im Büro und fuhr oft die Monteure zu Baustellen. Ein klassischer Familienbetrieb im Aufbau.

Als sieben Jahre später an der Altstadtstraße neu gebaut wurde, konnten die Bellwons vom Esstisch aus in den Laden schauen. „Man wächst mit hinein“, sagt Sohn Dirk, der als Betriebsleiter heute das Unternehmen weiterführt.

Mit dem Moped Ware abgeholt

Mit 12 besserte er sich in den Ferien sein Taschengeld auf Baustellen auf, mit 16 holte er nach der Schule Material mit dem Moped ab. Die Firma war Teil seines Lebens. Doch auch ein Elektrobaukasten zu Weihnachten hat bei ihm nicht so gezündet, dass er direkt die Tradition von Vater und Großvater, der auch Elektromeister war, fortsetzen wollte. Erst nach dem Abitur am Gymnasium Altlünen kam der Wunsch auf, Elektrotechnik zu studieren: „Da steht einem vieles offen.“Grundsätze der speicherprogrammierbaren Steuerung, was heute als Smart-Home bekannt ist, keimten damals auf. Während eines Praktikums bei Siemens in Erlangen lernte Dirk Bellwon sie kennen. Seine Diplom-Arbeit schrieb er am Lehrstuhl für Energietechnik. Die ersten Windräder wurden gebaut. Relais-, Steuer- und Netzwerktechnik waren Thema.

Schwerpunkt Gewerbe- und Industrieanlagen

Zu der Zeit hatte der Handwerksbetrieb Bellwon acht Mitarbeiter, die schwerpunktmäßig in Gewerbe- und Industrieanlagen tätig waren. Auftraggeber waren Stadt und Stadthafen. Die regenerative Anlage in der Stadtwerke-Fassade war die erste, die Bellwon anschloss. Auch die Elektrik im damals neuen B-Bau des St.-Marien-Hospitals führte die Firma aus.

Für Sohn Dirk war nach dem Studium 1992 klar, in den elterlichen Betrieb zu gehen. Seine Frau Silke (45) richtete ihre Berufspläne ebenfalls auf die Firma aus: Sie studierte Betriebswirtschaft und promovierte. Anfangs arbeiteten Vater und Sohn parallel. „Man konnte sich immer Rat holen.“ 1996 bekam die Firma Bellwon den Auftrag für die Elektrik der Landesgartenschau und die Stromversorgung für Veranstaltungen. Der Juniorchef verhandelte und plante. Der Vater konnte sich zurückziehen.

Umzug an den Römerweg

2002 entstand die K. Bellwon Elektrotechnik GmbH, in der Dr. Silke Bellwon Geschäftsführerin und Dirk Bellwon Betriebsleiter ist. Vier Jahre später zog das Unternehmen an den Römerweg in Alstedde, 2008 wurde mit einem Ingenieurbüro die Dr. Bellwon GmbH gegründet, „um den Kunden von der Planung bis zur Ausführung alles aus einer Hand anbieten zu können.“Inzwischen zählt das Unternehmen 35 Mitarbeiter. Es arbeitet überwiegend für Industrie- und Gewerbekunden.

Seit zehn Jahren ist der Betrieb auf Pumpentechnik spezialisiert und zertifiziert im Bereich Sicherheitstechnik, speziell Brandmeldeanlagen und Sprachalarmierung. Smart-Home sei zwar ein Thema bei den Kunden, aber noch nicht durchgängig.

Was macht Dirk Bellwon anders als sein Vater? „So sehr viel ist es gar nicht“, sagt er. Seine Eltern waren sehr engagiert. Klauslothar Bellwon war als öffentlich bestellter Sachverständiger unterwegs und im Meisterprüfungsausschuss. Seine Mutter leitete lange Zeit den Unternehmerkreis Frauen im Handwerk. Dirk Bellwon ist im Gesellenausschuss und als VDS-Elektrosachverständiger für Versicherungen tätig.

Zehn Auszubildende im Unternehmen

Das Thema Ausbildung liegt ihm sehr am Herzen. Zehn junge Leute lernen bei ihm Energie- und Gebäudetechnik, Automatisierungstechnik und Büromanagement. 2017 erhielt das Unternehmen im Rahmen des interkulturellen Wirtschaftspreises des Multikulturellen Forums eine Anerkennung: Zahlreiche Beschäftigte haben ausländische Wurzeln, zwei afghanische Flüchtlinge gehen zurzeit in die Lehre.

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