Dr. Katja Stromberg ist Leiterin des Museums in Lünen. Zusammen mit ihrem Team bereitet sie sich bereits auf den Umzug vor - 20.000 Exponate müssen nach und nach verpackt werden. © Marie Rademacher
Schloss Schwansbell

Ein Museum packt ein: Stadtmuseum bereitet sich auf Umzug vor

Noch ist das Stadtmuseum im Gesindehaus des Schlosses Schwansbell untergebracht. Schon bald aber steht der Umzug an - in die Villa Urbahn. 20.000 Exponate müssen umziehen.

Ein Blick in die oberste Etage des Stadtmuseums zeigt derzeit genau das, was Dr. Katja Stromberg und ihre Mitarbeiter seit mehren Monaten und Wochen bewegt und wohl auch noch die nächsten Jahre bestimmen wird: Umzug, Bewegung, Neuanfang – aber gleichzeitig ganz viel Geschichte.

Ein antikes Schaukelpferd steht da mitten in dem großen Raum – umringt von Dutzenden schon in Archivkisten verstauten Ausstellungsstücken, mit Stoff umwickelten alten Schulkarten, historischen Werkzeugen, antiken Nähmaschinen, Waschmittelkisten, Milchkannen, einem Rettungsring der Lüner Marinekameradschaft… Die Liste ließe sich unschwer noch verlängern.

Rund 20.000 Exponate gibt es im Lüner Stadtmuseum. In der Größe von „Briefmarke bis Klavier“, wie Dr. Katja Stromberg mit einem Lächeln sagt. 20.000 Exponate, die ab 2023 ein neues Zuhause haben werden. Dann nämlich zieht das Stadtmuseum vom ehemaligen Gesindehaus des Schlosses Schwansbell in die Villa Urbahn, die gerade noch zu diesem Zweck umgebaut wird.

Vorfreude auf den Umzug

Auf dem Schlossgelände in Lünen ist das Museum seit 1983 untergebracht. Der ehemalige Gesindetrakt sieht hübsch aus von außen und von innen – ein langgezogener Bau, der vor allem im Erdgeschoss aus mehrere großen Räumen hintereinander besteht. In den Räumlichkeiten ist auch ein Trauzimmer der Stadt Lünen. Früher, so erzählt es Katja Stromberg, lebten im Erdgeschoss Tiere, im Obergeschoss dann die Menschen.

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Umzug des Museums: Die Vorbereitungen laufen

Dass das Museum von Schloss in die Villa Urban zieht, macht die Museumsleiterin nicht wehmütig. „Überhaupt nicht“, sagt sie sogar auf ihre freundliche Art. „Das ist ein absoluter Gewinn für das Museum.“ Eine Kollegin von ihr habe mal gesagt, die jetzigen Ausstellungsräume seinen „ein trauriger Ort“ für ein Museum.

Nach einem „traurigen Ort“ sieht es für den Besucher allerdings nicht aus in dem ja noch ganz normal laufenden Betrieb des Museums. Gerade im letzten Monat ist eine Ausstellung zum Thema Märchen zu Ende gegangen – mit vielen interessanten Details und sehenswerten Stücken.

Jetzt läuft seit dem 3. Juli die Sonderausstellung zur Familie Waldschmidt. Das war eine sehr einflussreiche Familie in der Stadt, aus deren Besitz vor allem viele Möbelstücke nun im Besitz des Museums sind. Das Wohnen von 1840 bis 1930 ist ein Schwerpunkt des Museums. So wie Alltagsgeschichte allgemein, sagt Katja Stromberg.

Nachteil von jetzigem Standort: die Erreichbarkeit

Es gibt zum Beispiel eine große Puppen- und Spielzeugsammlung, erklärt sie. Viele kleine Schätze. Ein Verdienst vor allem von Dr. Wingolf Lehnemann, der das Lüner Museum vor Katja Schromberg für 52 Jahre geleitet hat. Er habe die Sammlung aufgebaut, immer wieder erweitert, sagt die jetzige Leiterin. Seit 2018 ist die Textilwissenschaftlerin, Museumspädagogin und Damenschneiderin nun die Nachfolgerin von Wingolf Lehnemann. Mittlerweile hat sie die Dauerausstellung zur Geschichte der Stadt zurückgebaut – auch, um Platz zu schaffen für Workshops.

Der Nachteil des Gesindetrakts am Schloss ist vor allem die Erreichbarkeit, sagt Katja Stromberg. „Wir haben hier keinen Publikumsverkehr“, erklärt sie. Mit Bus und Bahn sei das Museum nur schwer zu erreichen. „Bald“, sagt sie freudig, „sind wir dann mitten in der Stadt, da können die Menschen dann einfach reinkommen, wenn sie das Museum sehen.“

Geldschrank aus Holz das vielleicht schwerste Exponat

Bis dahin dauert es aber noch ein bisschen: Geplant ist, dass zum Jahreswechsel 2023 die Räumlichkeiten am Schloss Schwansbell von der Stadt an den privaten Vermieter übergeben werden. Die Exponate müssen dann in der Villa Urbahn untergekommen sein, die gerade noch für das Museum renoviert und auch angebaut wird. Für den Umzug gibt es einige Herausforderungen. Das wohl schwerste Exponat ist wohl ein Geldschrank aus dem Hause Waldschmidt. Er ist aus Holz – aber etwa eineinhalb Tonnen schwer, sagt Katja Stromberg. Gerade solche schweren Stücke müssen im Vorfeld des Umzugs bedacht werden – mit Blick auf die Statik des Gebäudes. „Sonst stellt der sich selbst in den Keller“, sagt die Museumsleiterin und lacht.

Am neuen Standort soll es auch wieder eine Dauerausstellung zur allgemeinen Geschichte der Stadt Lünen geben. Und auch für die erste Sonderausstellung in der Villa Urban, die nach dem Einzug im April 2023 öffnen soll, hat Katja Stromberg schon eine Idee: die 20er-Jahre in Lünen. Das passe einfach so gut zu dem Gebäude. Das prächtige Haus ist eine Jugenstilvilla, die in unmittelbarer Nähe zum Rathaus in Lünen steht. Die Umbau- und Anbauarbeiten dort laufen seit mehreren Monaten. Und fördern immer wieder „tolle Überraschungen“ zutage, wie Katja Stromberg erzählt. Als Beispiel nennt sie die Farbgebung der Räume im Haus. Typisch bunt und pastellig – typisch Jugendstil, typisch 20er-Jahre. Passend dazu gibt es in der Lüner Sammlung sehr viele Ausstellungsstücke zu diesem Thema – nur ein paar von insgesamt 20.000.

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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