Eine Pille, die Fotos macht

LÜNEN Die Reise ins Innere ist längst Realität. Möglich macht sie eine Fotopille mit integrierter Kamera und Lichtquelle. Die kleine Kapsel sendet zu medizinischen Zwecken 50 000 Aufnahmen aus dem Bauch.

von Von Magdalene Quiring-Lategahn

, 07.09.2007, 19:16 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das St.-Marien-Hospital bietet neuerdings diese Videokapselendoskopie an. Bernhard Schlüsener ist der erste Patient der Klinik, der damit quasi von Innen fotografiert wurde. Dazu musste er lediglich die bonbongroße, blinkende Fotozelle schlucken. Alles lief gut, sagte anschließend der an einer schweren Dünndarmerkrankung leidende Patient.

Bisher war dieser Bereich für die Diagnostiker ein "schwarzes Loch". Magen- oder Darmspieglungen zeigen nur Anfang und Ende des sechs Meter langen Dünndarms. Dank der Kapselkamera können sich Ärzte nun ein genaues Bild machen.

8 Stunden auf Sendung

Während der Reise durch den Körper zeichnet das Minigerät sechs bis acht Stunden lang Bilder auf. Sie werden auf einen Datenrekorder übertragen, den der Patient mit einem Gürtel umgeschnallt hat. "Für ihn ist die Untersuchung ähnlich wie ein Langzeit-EKG", erläutert Annemarie Wahl, Oberärztin der Inneren Medizin. Denn dem Patienten werden verschiedene Elektroden aufgeklebt, die Kapsel sendet über UKW. Nach getaner Tat verlässt sie auf natürlichem Wege den Körper.

Die Untersuchung nützt Patienten mit ungeklärten Bauchbeschwerden oder unklaren Blutungsquellen, deren Ursachen im Dünndarm, vermutet werden. Sie wird aber auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn) oder Gefäßmissbildungen eingesetzt, erläutert Annemarie Wahl. "Es ist eine Nischenuntersuchung, aber hocheffektiv und super komfortabel", erklärt Dr. Berthold Lenfers, Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie des St.-Marien-Hospitals. Er rechnet mit etwa 20 Patienten jährlich, bei denen die Fotopille zum Einsatz kommt. Die Klinik kooperiert auch in diesem Bereich mit dem St.Christophorus-Krankenhaus Werne. Die Untersuchung ist mit 560 Euro pro Kapsel ohne Mehrwertsteuer ein teureres Verfahren, erspart aber unter Umständen Operationen. Einziges Risiko: Die Kapsel bleibt drin.

Viel trinken

Annemarie Wahl, Assistenzarzt Thomas Lochthowe und der fachverantwortliche Krankenpfleger Endoskopie, Matthias Schnettger, werten schließlich die Fotos aus.

Eines bleibt dem Patienten allerdings nicht erspart: das Trinken. Es muss sogar noch mehr sein als bei einer Spiegelung. Denn "Unter-Wasser-Fotos" sind die besten.

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