Wie ein Bergmann den Grundstein für einen der größten Getränkehändler Deutschlands legte

mlzGefromm wird 100

Als Johann Gefromm 1919 auf den Bock einer Brauereikutsche kletterte, ahnte er nicht, dass sein Urenkel 100 Jahre später einen der erfolgreichsten deutschen Getränkehändler leiten würde.

Lünen-Süd

, 08.09.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon als kleiner Junge liebte Jochen Gefromm die Lastwagen, die die Getränke vom Hof des Familienunternehmens transportierten. „Wenn ich da auf dem Fahrersitz Platz nahm, war ich glücklich“, erzählt der heute 52-Jährige.

Und erinnert sich schmunzelnd daran, dass er als Neunjähriger schon mal einen LKW auf dem Hof lenkte und damit die Polizei auf den Plan rief: „Man sah gar nicht, dass da jemand hinter dem Steuer saß, und ich hatte eine Bierkiste im Rücken.“

Vater Jürgen (76) leitete damals schon elf Jahre das Familienunternehmen, das sich bis heute die Unabhängigkeit von der Industrie bewahrt hat. In diesen Wochen feiern Gefromm Senior und Junior mit ihren Familien und Mitarbeitern das 100-jährige Bestehen. Und freuen sich, dass Getränke Gefromm mittlerweile zu den 50 größten Bierverlegern in Deutschland gehören.

Ruhestand ist für Jürgen Gefromm ein Fremdwort

Wobei der Senior vor knapp sechs Jahren das Geschäft komplett an seinen Sohn übergeben hat, der seit 2013 alleiniger Gesellschafter ist. Auch wenn Jürgen Gefromm noch immer gerne mitarbeitet. „Wir haben das mit dem Ruhestand mal geübt, aber das hat nicht geklappt“, meint Jochen Gefromm.

Und sein Vater ergänzt: „Soll ich denn den ganzen Tag zuhause sitzen?“ Und so bringt er seine große Erfahrung noch mit ein.

Genauso wie seine Frau Hannelore, die sich um die Buchhaltung im Großhandel kümmert. Im Einzelhandel ist Jochens Frau Alexandra für die Buchhaltung zuständig.

Auch die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. Ramon Gefromm (24), Sohn von Jochen und Alexandra, hat zwar zunächst eine Ausbildung als Mechatroniker absolviert, kehrte dann aber zurück ins Familienunternehmen.

„Er arbeitet in der Logistik und besucht gerade die Meisterschule, um seinen Logistikmeister zu machen“, so Jochen Gefromm.

Erst Bierkutsche, dann Mineralwasserfabrik

Alles begann 1919 - ein Jahr nach dem Ersten Weltkrieg. Johann Gefromm, der Opa von Jürgen und Ur-Großvater von Jochen, war Bergmann. Um sich etwas dazu zu verdienen, stieg er auf den Kutschbock einer Kutsche der Dortmunder Ritter-Brauerei und fuhr Bier aus.

So legte er mit seiner Frau Elfriede den Grundstein für das traditionsreiche Familienunternehmen in der Sedanstraße in Lünen-Süd. Neun Jahre später erweiterten die Gefromms ihre Firma durch eine Mineralwasserfabrik, die an der Weißenburger Straße gebaut wurde.

Wie ein Bergmann den Grundstein für einen der größten Getränkehändler Deutschlands legte

Diese Collage stammt aus dem Prospekt zum 100-Jährigen der Firma Gefromm. Hier sieht man rechts oben auch den Gründer Johann Gefromm auf dem Kutschbock der Bierkutsche und Flaschen der Limonade, die in der eigenen Mineralwasserfabrik abgefüllt wurde. © Getränke Gefromm

„Dort wurden das Tafelwasser Nawinta und die Limonade Krystalla abgefüllt, die basierte auf hohem Fruchtsaftanteil“, erzählt Jürgen Gefromm. Er kennt das Ganze noch genau, schließlich wurde die Fabrik noch bis in die 60er-Jahre hinein betrieben. „Wir hatten eine Tagesproduktion von ungefähr 80 Kisten, da hat die ganze Familie mitgeholfen.“

Von Dresden nach Lünen-Süd

Als Jürgen Gefromm zwölf Jahre alt war, starb sein Großvater. Vater Hans übernahm 1955 den Betrieb. „Mein Vater war eigentlich Versicherungsmathematiker. Als er mit meiner Mutter in Dresden evakuiert war, bin ich 1943 dort geboren.“ Zurück in Lünen-Süd musste Hans Gefromm mit in der väterlichen Firma arbeiten.

1959 stieg dann Sohn Jürgen mit ein. Ihm machte die Arbeit mehr Spaß als dem Vater. Als Hans Gefromm mit nur 55 Jahren starb, war es für Jürgen Gefromm selbstverständlich, zusammen mit seiner Frau Hannelore das Geschäft zu übernehmen. Eins war ihm aber trotz der Arbeit und der Verantwortung wichtig: „Urlaub hab ich immer gemacht, mit der Familie.“ Heute reisen er und seine Frau gerne nach Berlin, zur Familie seiner Tochter.

Wie ein Bergmann den Grundstein für einen der größten Getränkehändler Deutschlands legte

Jochen (l.) und Jürgen Gefromm an der Wand, an der Bilder der bislang vier Chefs der Lüner Firma zu sehen sind. (v.l.) Gründer Johann Gefromm, dessen Sohn Hans Gefromm, dann Jürgen Gefromm und der heutige Chef Jochen Gefromm. © Beate Rottgardt

Seinem eigenen Sohn ließ er freie Hand bei dessen Berufswahl. „Ich hab das Ganze nicht gemacht, damit meine Kinder die Firma übernehmen“, so der 76-Jährige. Seine Tochter studierte Japanologie. Sohn Jochen studierte zunächst Betriebswirtschaft und bewarb sich dann als Vorstandsassistent auf Zeit bei der Paulaner-Brauerei in München.

Als die Zeit dann fast vorbei war, wechselte der Vorstand der Holsten-Brauerei zu Paulaner. „Und der ist in Lünen zur Schule gegangen. Als er hörte, dass ich aus Lünen komme, fragte er, ob ich nicht noch länger da bleiben will.“ Jochen Gefromm wollte - und verlängerte um zwei weitere Jahre. Dann kehrte der Diplom-Kaufmann jedoch in die Familienfirma zurück und stieg 1996 in die Geschäftsführung ein.

Trend geht zu Mineralwasser und weniger Süße

Heute hat Getränke Gefromm etwa 300 Beschäftigte - in Voll- und Teilzeit. 17 eigene Getränkemärkte gehören zum Unternehmen. Das erste Getränke-Paradies wurde 1975 in Lünen eröffnet.

Zahlreiche namhafte Restaurants und Lokale in einer großen Region rund um Lünen werden von Getränke Gefromm beliefert.

In früheren Jahren gab es in Lünen noch zehn Bierverleger. Jürgen Gefromm: „Jeder hatte seinen Bereich, für uns war damals am Kanal Schluss.“

Mittlerweile hat sich der Markt in Sachen Getränke sehr gewandelt. „Der Trend geht heute zu nicht mehr so süßen Getränken. Früher hat kein Mensch Mineralwasser getrunken, das ist heute sehr gefragt“, so der Senior.

Mit Blick auf den Umweltschutz seien, so Jochen Gefromm, Plastik-Einwegflaschen mehr und mehr verpönt. Mehrweg und Glas seien die Alternativen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt