Einlass in den Saturn: Die Schlange setzt sich in Bewegung. © Sylvia vom Hofe
Corona-Krise

Einkaufen am Samstag vor dem möglichen Lockdown: Anstehen in Lünen

Schlange stehen ist der neue Volkssport. Diesen Eindruck vermittelt die Lüner City an diesem dritten Adventssamstag - vermutlich der letzte Samstag des Jahres vor dem harten Lockdown.

Nieselregen am Samstag (12.12.) gegen 12 Uhr. Dennoch stehen auch Menschen ohne Kapuze und Schirm geduldig in der Reihe auf dem Willy-Brandt-Platz. Die Schlange zieht sich vom Eingang des Elektro-Marktes Saturn mehr als 25 Meter weit in Richtung Café Extrablatt. Das Café ist Bereits seit November geschlossen – eine Folge des „Lockdowns Light“, der nur die Gastronomie und Veranstaltungen betraf, aber wenig brachte. Ab Mittwoch (16.12.) droht der harte Lockdown, der auch den Einzelhandel – mit Ausnahme der Lebensmittelgeschäfte – betreffen soll: letzte Gelegenheit für einen Samstagsbummel in diesem Jahr.

Rauchen in der Warteschlange vorm Saturn in Lünen

Obwohl: Bummeln ist das falsche Wort. Bummeln bedeutet laut Duden „schlendernd durch die Straßen gehen“. Das macht an diesem Samstag in Lünen kaum jemand. Die einen steuern gezielt auf Geschäfte zu, in denen sie bestimmte Besorgungen machen möchten, oft für Weihnachten. Die anderen stehen in den Schlangen, die es nicht nur vor Saturn, sondern auch vor vielen anderen Geschäften gibt. Die Kundinnen und Kunden im Wartestand haben die Kragen hochgekappt. Die Meisten schauen stumm auf ihre Handys. Bekannte grüßen sich, aber auf Distanz. Alle tragen Mund- und Nasenschutz – fast alle.

Die Innenstadt in Lünen am dritten Adventssamstag: voll, aber kein Gedränge.
Die Innenstadt in Lünen am dritten Adventssamstag: voll, aber kein Gedränge. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

In der Warteschlange vor dem Elektromarkt haben gleich drei Männer ihre Maske zur Seite geschoben, um zu rauchen. Warten und Rauchen, das passe doch gut zusammen, sagen sie. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes hätten sie da bestimmt eines Besseren belehren können. Aber als die drei blau Uniformierten um die Ecke biegen, sind die Kippen schon aus. Der Kontrolleur am Eingang hat die Wartenden hinein gewunken. Etwa 140 Leute dürften sich im Geschäft aufhalten, sagt er. Die Menschen würden automatisch gezählt – beim Kommen und Gehen. An diesem Samstag sei der Andrang besonders groß, bestätigt er. Ob das am bevorstehenden Lockdown liegt oder am bevorstehenden Weihnachtsfest, weiß er aber nicht.

„Dieser dritte Adventssamstag ist wie ein vierter Adventssamstag“

Besonders beliebte Weihnachtsgeschenke sind nach wie vor Bücher. Vor der Thalia-Buchhandlung an der Langen Straße stehen die Menschen ebenfalls in einer langen Reihe. Die Schlange hört da auf, wo die für den Imbissstand schräg gegenüber anfängt. Ein Mitarbeiter sorgt dafür, dass immer nur so viele hinein gehen wie gerade herausgekommen sind. 50 dürfen gleichzeitig im Laden sein. Der Andrang sei groß, bestätigt Filialleiter Dirk Bluhm: „So wie an einem vierten Adventssamstag“ – die letzte Gelegenheit, vor der Bescherung einkaufen zu gehen.

Klar, habe das mit der Ankündigung des möglichen harten Lockdowns zu tun, sagt Bluhm. Dass die Menschen die aktuelle Nachrichtenlage genau verfolgten, habe er bereits am Freitag (11.12.) gemerkt. Da seien 60 Prozent mehr Kundinnen und Kunden da gewesen als an einem anderen Freitag.

Anstehen, bis man an die Reihe kommt und andere den Laden verlassen haben: So ist es auch bei Thalia. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Bluhm beobachtet bereits seit Wochen ein verändertes Kundenverhalten. „Die Menschen sind sonst vorzugsweise zum Abend gekommen.“ Jetzt seien viele lieber morgens unterwegs. Er hat längst für morgens sein Team verstärkt. Und für diesen Samstag noch einmal besonders. „Bei uns sind heute alle drei Kassen durchgängig besetzt.“ Drinnen sollen sich erst gar keine langen Schlangen bilden.

Harter Lockdown: Aus medizinischer Sicht verständlich

Der Filialleiter der Buchhandlung findet den bevorstehenden harten Lockdown – also die von oben verordnete Ladenschließung – „aus medizinischer Sicht nur verständlich“. Als Einzelhändler sieht er aber auch eine andere Seite: Die Ostersaison sei schon komplett ausgefallen. Jetzt drohen seine Buchhandlung und die anderen Geschäfte ebenso auch auf ihren Weihnachts-Artikeln sitzen zu bleiben – und das in der umsatzstärksten Saison des Jahres.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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