Eklige Attacke auf eine unbekannte Frau: Lüner bestreitet Tat bis zuletzt

mlzAmtsgericht

Aus dem Nichts von einem Fremden mit Kot beschmiert – dieses widerliche Erlebnis hatte eine Lünerin (40) im Sommer. Der Mann stand nun vor dem Amtsrichter.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 24.02.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen der ekligen Attacke verurteilte das Amtsgericht nun einen 54-Jährigen, auch wenn der Lüner die Tat bis zum Ende bestritt. Am Mittag des 19. Juli war die 40-Jährige auf dem Weg ins Büro. Auf der Kurt-Schumacher-Straße bemerkte sie, dass ihr jemand nahe kam.

Verdächtiger gab sich arglos

Zeitgleich spürte sie, wie sich eine Flüssigkeit durch ihr Sommerkleid im unteren Rückenbereich ausbreitete. Das, was sie später als gelbe, schleimige Substanz beschrieb, brannte auf der Haut. Sie drehte sich um, stellte den Mann hinter sich zur Rede. Der gab sich arglos.

Der Zufall wollte es, dass eine zivile Polizeistreife auf das Geschehen auf dem Gehweg aufmerksam wurde. Die Beamten beobachteten, wie der Lüner der Frau immer näher kam. Die Situation wirkte so auffällig, dass sie eine Belästigung oder einen Taschendiebstahl in Betracht zogen und nach dem Rechten sehen wollten. Die Geschädigte zeigte ihnen das durchtränkte Kleid.

Angeklagter will sich selbst beschmutzt haben

Daraufhin folgten sie dem 54-Jährigen, der sich entfernte, durchsuchten ihn und stießen auf den nahezu leeren, aber bereits benutzten Beutel eines künstlichen Darmausgangs. Den Inhalt, so Verdacht, sollte der Lüner vorsätzlich auf das Kleid der ihm völlig unbekannten Frau verteilt haben. Körperverletzung, tätliche Beleidigung und Sachbeschädigung wurden dem 54-Jährigen jetzt zur Last gelegt. Er blieb bei seiner Version: „Ich habe nichts gemacht.“

Er habe an dem Mittag befürchtet, dass der Beutel voll sein könnte. Auch habe er Schmerzen gehabt. Deshalb sei er auf und ab gelaufen, habe dann schnell eine Dose Ravioli im Supermarkt kaufen und danach mit dem Rad heimfahren wollen. Sein Verteidiger betonte darüber hinaus, dass sich der Lüner beim Leeren des Beutels doch merklich selbst beschmutzt hätte.

Zwei Verhandlungstage

Dieser Einlassung folge eine Beweisaufnahme an zwei Verhandlungstagen. Die Geschädigte, die das Kleid im ersten Schock wegwarf, erinnerte sich: „Es war eine ganz bedrohliche Situation.“ Von ihrem Ekel ganz zu schweigen. Sie habe eine Berührung gespürt und dann gemerkt, wie sich die Flüssigkeit auf ihrem Rücken ausgebreitet habe. Passend dazu erklärte ein Polizist, dass sich in dem Moment keine andere Person in der Nähe befunden habe.

Während der Verteidiger einen Freispruch beantragte, hatte Richter Ulrich Oehrle am Ende keine Zweifel an der Schuld des Lüners. „Es gibt einfach keine Alternative. Ich weiß nicht, wie er es gemacht hat und ich weiß vor allem nicht, warum er es gemacht hat.“ Das Motiv bleibe also im Dunkeln. Für den bis dato unbescholtenen Lüner endete der Prozess schließlich mit 600 Euro Geldstrafe. sam

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