Der landesweite Impfstopp in Kliniken trifft auch die Mitarbeiter des St.-Marien-Hospitals völlig unvorbereitet. Am Montag (18.01.) erst waren dort die ersten Impfdosen angekommen. © Goldstein
Coronavirus

Enttäuschung nach Impfstopp: Hunderte Klinikbeschäftige müssen warten

Das Land verhängt einen Impfstopp in Krankenhäusern. Dr. Berthold Lenfers vom Klinikum Lünen/Werne reagiert frustriert. Auch über die Planung und Kommunikation des Gesundheitsministeriums.

Die ersten Impfdosen im Katholischen Klinikum Lünen/Werne (KKWL) waren angekommen. Am Montag wurden 83 Mitarbeiter im St.-Marien-Hospital in Lünen geimpft, am Dienstag 42 weitere im St. Christophorus-Krankenhaus in Werne. Für Mittwoch (20.01.) waren die nächsten 120 Dosen geordert, für Werne 60. Doch die sind bereits nicht mehr geliefert worden. Auch weitere Bestellungen für die letzte Januar-Woche sind seitens des Gesundheitsministeriums storniert worden.

„Jetzt haben wir 400 Leute hier, die sauer sind weil sie geimpft werden wollen aber nicht können“, sagt Dr. Berthold Lenfers, stellvertretender ärztlicher Direktor und Leiter des Covid-Koordinationsstabes des Klinikums Lünen/Werne, zur Stimmung im Lüner St.-Marien-Hospital.

„Die von BioNTech aktuell mitgeteilten geänderten Liefermengen machen zwingend eine Änderung der Impfplanung erforderlich“, heißt es in dem Schreiben des Ministeriums an die Koordinierungsstellen der Impfzentren in den Kreisen und Kommunen, das dort am Dienstagabend einging. Es liegt auch unserer Redaktion vor. Die für Mittwoch und Donnerstag bestellten Impfstoffe für Krankenhäuser könnten bereits „nicht mehr ausgeliefert werden“, heißt es weiter.

Wegen der Lieferverzögerung verschiebt NRW auch den Impf-Start für die zu Hause lebenden über 80-Jährigen auf den 8. Februar.

Dass die Impfungen im Klinikum Lünen/Werne erst Ende Januar starten sollten, hatte Klinik-Chef Axel Weinand schon zuvor kritisiert und als „Schlag ins Kontor.“ bezeichnet.

Langes Planen und Warten bis zur Impfstart

Der kurzfristige Impfstopp sorgt jetzt erneut für Frust. „Wenn man sich das historisch anschaut, sind wir Mitte Dezember dazu aufgefordert worden, am 27. Dezember startklar zu sein“, erklärt Lenfers. Nach langem Warten schließlich die Meldung von Gesundheitsminister Laumann: Impfstart ab 18. Januar.

Ann-Christin Michallik war die erste Mitarbeiterin, die am Montag im St.-Marien-Hospital in Lünen von Dr. Timo Baumeister, Leitender Arzt der Zentralen Aufnahme, geimpft wurde.
Ann-Christin Michallik war die erste Mitarbeiterin, die am Montag im St.-Marien-Hospital in Lünen von Dr. Timo Baumeister, Leitender Arzt der Zentralen Aufnahme, geimpft wurde. © Berthold Lenfers © Berthold Lenfers

Das Klinikum Lünen/Werne meldete, wie viele Mitarbeiter in der Kategorie I, also der Personen mit höchster Priorität, geimpft werden wollen. „Die Impfbereitschaft ist bei uns sehr hoch, liegt in beiden Krankenhäusern jenseits von 90 Prozent“, so Lenfers weiter. Zwischen Bestellung und erster Auslieferung seien dann noch weitere Gruppen von Krankenhaus-Beschäftigten von Seiten des Gesundheitsministeriums in die Kategorie I hochgestuft worden. „Wir hatten von vorneherein einen Puffer einkalkuliert, der gerade noch so gepasst hätte.“

Zweite Lieferung am Mittwoch bleibt aus

Doch der Anruf des Logistikers am Dienstagabend, der die nächste Lieferung Impfstoff für Mittwoch hätte bestätigen sollen, bliebt aus. Von der Amtsapothekerin des Kreises Unna hieß es dann, es werde keine Lieferung geben. „Die waren dort genauso überrascht wie wir“, sagt Lenfers.

Klinikum am Park wartet weiter auf erste Impfdosen

Die ersten Impfungen waren in der Klinik am Park in Brambauer im Laufe der Woche geplant. Die sind mit der neuen Mitteilung alle storniert worden, wie Sprecher Klaus-Peter Wolter bestätigt. „Natürlich ist es so, dass auch wir uns seit Wochen darauf vorbereitet haben.“ Der Aufwand der vergangenen Tage sei jetzt möglicherweise umsonst betrieben worden. Man kenne die Ursache jedoch nicht im Einzelnen. Das Versuche man auch im Haus zu kommunizieren. „Unsere Mitarbeiter wüssten mit Sicherheit gerne mehr“, so Wolter.

Einladung zu digitalen Impfdialogen

Gelegenheit zur Kommunikation hat das Klinik-Personal übrigens am Donnerstag (21.01.) und Montag (25.01.). Dann finden „Impfdialoge mit den Beschäftigten im Gesundheitswesen“ statt. Sie sollen „offene Fragen zum Thema Coronaschutzimpfung“ stellen können. Die Einladung vom Gesundheitsministerium ging Anfang der Woche auch beim Klinikum Lünen/ Werne ein. Kurz danach kam die Info zum Impfstopp.

Nachtrag 21.01.:

In einem Schreiben an die Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter vom Mittwoch, 20.01. drückt Minister Laumann seine Enttäuschung über den Impfstopp aus. Die Mitteilung liegt unserer Redaktion vor. „Am späten Montagabend erhielten wir die unerfreuliche Nachricht, dass wir in NRW über 100.000 Impfdosen weniger erhalten als uns zugesagt worden war“, heißt es darin. Das betreffe alle Länder in Europa gleichermaßen.

Ab 1. Februar soll sich das wieder ändern. Jede Woche sollen dann 80.000 Erstimpfungen möglich sein. Krankenhäuser in Pflegeheime stehe der Impfstoff dann vorrangig zur Verfügung.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
Zur Autorenseite
Matthias Stachelhaus

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.