Erinnerung an Lüner Widerstandskämpfer: Kandidaten für Preis gesucht

Heinrich Bußmann

Heinrich Bußmann war Widerstandskämpfer gegen die Nazis. Nach ihm ist ein Preis benannt, der seit fast 30 Jahren in Lünen vergeben wird. Nun sucht die Jury wieder Kandidaten.

Lünen

, 30.01.2021, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Preisverleihung vor einem Jahr: Beim Überreichen der Blumen verneigte sich Dr. Dieter Wiefelspütz vor dem Engagement von Dr. Barbara Seibert und ihren Mitstreitern bei Do Dogs.

Preisverleihung vor einem Jahr: Beim Überreichen der Blumen verneigte sich Dr. Dieter Wiefelspütz vor dem Engagement von Dr. Barbara Seibert und ihren Mitstreitern bei Do Dogs. © Beate Rottgardt (Archiv)

1992 entschied der Lüner SPD-Stadtverband, einen Preis zu stiften, der alle zwei Jahre am 27. Januar verliehen werden sollte - an dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Zahlreiche Persönlichkeiten und Gruppen haben mittlerweile den Preis erhalten. Bisher letzte Preisträger waren Tierärztin Dr. Barbara Seibert und der Verein DoDogs. Die Preisverleihung fand am 27. Januar 2020 statt - noch vor der Corona-Pandemie und mit zahlreichen Gästen im St. Georg-Gemeindezentrum.

Erinnerung an Opfer der Nazis

Jetzt sucht die Jury einen neuen Preisträger, der am 27. Januar 2022 geehrt werden wird. Der Preis besteht aus einer Gedenkmedaille, einer Urkunde und

einem Geldbetrag in Höhe von 500 Euro. Er soll Persönlichkeiten oder Gruppen für

beispielhafte Mitwirkung bei der Gestaltung des bürgerlichen Zusammenlebens in Lünen ehren, um so an die Opfer und Widerstandskämpfer der NS-Zeit zu erinnern, heißt es in der Ausschreibung.

Mit dem Preis sollen Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die durch Aktivitäten im gesellschaftlichen, sozialen oder kulturellen Bereich ein hohes Maß an Engagement, Zivilcourage und Toleranz bewiesen haben.

SPD-Stadtverbandsvorsitzender Norbert Janßen ruft dazu auf, dem SPD-Stadtverband Lünen bis zum 31. Mai 2021 geeignete Persönlichkeiten vorzuschlagen. Die Vorschläge werden einer achtköpfigen Jury vorgelegt, die im Sommer die Entscheidung über den/die Preisträger trifft.

Widerstandskämpfer Heinrich Bußmann ist Namensgeber des Preises, für den jetzt wieder Kandidaten gesucht werden.

Widerstandskämpfer Heinrich Bußmann ist Namensgeber des Preises, für den jetzt wieder Kandidaten gesucht werden. © Stadtarchiv Lünen

Unter den bisherigen Preisträgern waren u.a. Pfarrer Ulrich Klink für den Verein „Dach über dem Kopf“, Dr. Samir Kazkaz für sein Engagement im Nahen Osten, wo er viele Jahre lang in seinem Urlaub verletzte und kranke Menschen operierte, Roswitha Limbrock für ihr Engagement für das ambulante Kinder- und Jugendhospiz und die Lüner Initiative gegen globale Armut (Liga).

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Heinrich Bußmann, geboren im Januar 1896 in Lünen, starb als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus am 18. August 1942 im KZ Dachau an den Folgen von Misshandlungen und Folter. Nach ihm ist auch die Heinrich-Bußmann-Schule an der Bebelstraße benannt.

Im Lüner Rat

Nach einer Ausbildung zum Bergmann arbeitete Bußmann auf der Zeche Victoria in Lünen, zwischenzeitlich auch auf der Zeche Waltrop. Mit 18 Jahren trat er der SPD in Lünen bei und wurde 1923 in den Rat der Stadt gewählt. Von 1930 bis 1932 war er für den Wahlkreis Lünen Abgeordneter im damaligen Provinziallandtag der Provinz Westfalen.

Nach kurzer Arbeitslosigkeit 1928 arbeitete er als Bauarbeiter, wurde Ende 1932 allerdings wieder arbeitslos. Während seiner Zeit als Stadtverordneten-Vorsteher stellte er sich gegen die Nationalsozialisten und wurde daraufhin ohne Urteil in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert.

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