Viele Lüner sind zurzeit erkältet. Die Leute stecken sich schneller an, die Erkrankung dauert oft länger. Das Immunsystem ist anfälliger für die Erreger. © dpa
Hausärzte

Erkältungswelle in Lünen: In dieser Saison sind die Infekte heftiger

Die Erkältungswelle rollt. Über 50 Infekt-Patienten kamen am Montag in die Akut-Sprechstunde von Dr. Arne Krüger. Weil das Immunsystem nicht trainiert ist, verläuft die Erkrankung oft heftiger.

Knüppelhagelvoll sei es momentan in der Praxis. Dr. Arne Krüger, Vorsitzender des Lüner Ärztevereins, behandelt seit etwa zwei Wochen zunehmend Patienten mit Erkältungsinfekten. Das gehe quer durch alle Altersgruppen. Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber: Die Lüner steckten sich schneller an, die Erkrankung dauere länger. „Was sonst in drei bis fünf Tagen überstanden war, zieht sich jetzt über anderthalb bis zwei Wochen“, beobachtet er.

Krüger führt das auf die Corona-Pandemie zurück. Durch Mundschutz, Abstand und Hygienemaßnahmen seien Infekte und Grippeerkrankungen im vergangenen Jahr quasi ausgefallen. Das Immunsystem sei schlecht trainiert gegen Erkältungskrankheiten. Vielfach setzte sich momentan nach einer Woche noch eine zweite Infektion oben drauf.

Höhere Nachfrage in Apotheken

Was Hausärzte momentan erleben, bestätigt auch Dagobert Ullrich, Sprecher der Lüner Apotheker. Seit September gebe es deutlich mehr Infekte. Seien bisher die Verordnungen von Antibiotika sehr heruntergefahren gewesen, nähmen sie jetzt wieder zu. Patienten kämen auch in die Apotheke, und fragten selbständig nach Mitteln, „einfach, um den Tag zu überstehen.“

Auch Apotheker Volker Brüning, der in Lünen drei Apotheken hat, spürt im Gegensatz zum vergangenen Jahr eine deutliche Zunahme an Erkältungen. Für ihn hat das auch damit zu tun, dass inzwischen kaum noch Mundschutz getragen würde.

Bei jedem Schnupfen schwingt die Angst mit, es könnte vielleicht doch Corona sein. Arne Krüger testet seine Infekt-Patienten konsequent durch. Die Vorsicht sei hoch. Nicht-Geimpfte spricht er an, der ein oder andere ließe sich darauf ein. Bei einigen jedoch liefe er ins Leere. Krüger glaubt allerdings, dass durch Meldefehler die Corona-Impfquote höher ist als offiziell festgehalten.

Doppel-Impfung gegen Grippe und Corona

Neben den Erkältungskrankheiten ist Grippe jetzt im Herbst ein Thema. Weil sich der Körper weniger mit den Erregern auseinandergesetzt habe und die Bereitschaft für Abstand und Mundschutz in der Bevölkerung abnehme, macht sich Krüger Sorgen. In der letzten Saison ist die Grippe quasi ausgefallen, „ich erwarte, dass sich das diesmal ändern wird.“ Er rät zur Grippeimpfung.

Die Doppel-Impfung ist seit Freitag möglich: Gegen Grippe und für Senioren die dritte Corona-Impfung. Dr. Arne Krüger (Archivbild), Vorsitzender des Lüner Ärztevereins, hat den Grippeimpfstoff längst da.
Die Doppel-Impfung ist seit Freitag möglich: Gegen Grippe und für Senioren die dritte Corona-Impfung. Dr. Arne Krüger (Archivbild), Vorsitzender des Lüner Ärztevereins, hat den Grippeimpfstoff längst da. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

Apotheker Dagobert Ullrich hat den bestellten Grippeimpfstoff längst an die Arztpraxen geliefert. Seit Freitag (17.9.) gibt es eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Kombi-Impfung gegen Grippe und Corona. Für die über 80-Jährigen läuft über die Hausärzte in Lünen schon die Booster-Impfung, also der dritte Piks für den besseren Corona-Schutz. Rechter Arm Grippe, linker Arm Corona, das sei jetzt möglich. Ob das auch sinnvoll ist, sei dahingestellt. „Dann kann man möglicherweise beide Arme nicht gut bewegen“, sagt Krüger. Das sei eine persönliche Entscheidung des Patienten. Krüger nennt als Alternative, mit einem Abstand von 14 Tagen zu impfen. Für die Hausärzte bedeute das Impfthema eine Herausforderung in der logistischen Planung.

Höhere Dosierung für über 60-Jährige

Im vergangenen Jahr hatten die Ärzte aufgrund der Corona-Pandemie mehr Grippe-Impfstoff bestellt. Krüger hat diesmal eine gleich hohe Menge geordert. Die ersten Patienten haben den Grippeschutz schon bekommen. Für über 60-Jährige gibt es diesmal einen hochdosierteren Impftstoff, der einen besseren Schutz verspricht. Unter 60-Jährige würden mit dem gewohnten Vierfach-Impfstoff versorgt.

Die Praxen, auch die der Kinderärzte, seien zurzeit unter Druck. „Jetzt müssen wir auch selber schauen, dass wir gesund bleiben“, sagt Krüger. Denn das Praxisteam habe die ganze Zeit schon unter hoher Belastung gearbeitet.

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Magdalene Quiring-Lategahn

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