Erkerfenster: Schulleiter hatte aus Direktorenvilla die Schüler im Blick

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Im Dornröschenschlaf liegt die Direktorenvilla am Stein-Gymnasium. Die Zukunft der denkmalgeschützten Immobilie ist ein Politikum. Doch auch ihre Vergangenheit ist spannend.

Lünen

, 08.11.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Bau des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums und dem dazugehörigen Direktorenhaus in der Friedenstraße haben die Architekten Dietrich und Karl Schulze 1931 einen städtebauliches Akzent in Lünen gesetzt. Die vor- und zurückspringenden Klinker, Rundungen und die besondere Dachform finden sich auch an Häusern in der Nachbarschaft wieder. Es ist ein prägendes Ensemble. Während das Gymnasium schon 1985 unter Denkmalschutz gestellt wurde, folgte die Direktorenvilla erst in diesem Jahr.

Oberstudiendirektor Theodor Voigt war der erste Bewohner der imposanten Immobilie mit elf Zimmern auf 310 Quadratmetern. Er war bis 1934 Schulleiter. Dass die Direktoren eine derart herrschaftliche Dienstwohnung hatten, zeigt ihre soziale Stellung.

Bücher bis zur Decke

Die Villa sah für den Schulleiter ein eigenes Büro vor, abgeteilt vom Wohnbereich. Hier hatte Theodor Voigt den perfekten Blick auf die Schule. Aus den Fenstern, mit kleinen Erkern versehen, konnte er das Kommen und Gehen seiner Schüler beobachten. Und vermutlich noch einiges mehr. Ein altes Fotos zeigt den Direktor an seinem Schreibtisch, vor einer bis zur Decke reichenden Bücherwand. Von seinem Büro aus gibt es eine Tür ins Wohnzimmer.


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In die Schlagzeilen war die Direktorenvilla Anfang Oktober geraten, nachdem die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Lünen (GFL) per Eilantrag ihren Verkauf verhindern wollte. Die städtische Immobilie war bereits über die Sparkasse in einem Online-Portal für 417.000 Euro Mindestgebot platziert worden. Die Initiative dazu kam von der Zentralen Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL). Sie hätte aber, so hieß es aus der Pressestelle, den Bürgermeister rechtzeitig unterrichten müssen. Auch der Rat hätte bei dem Umfang zustimmen müssen. Der Bürgermeister stoppte den Verkauf, um rechtskonformes Verwaltungshandeln zu gewährleisten. Jetzt wird die Politik über die Zukunft des Gebäudes entscheiden.

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Raumaufteilung geschützt

Der Denkmalschutz der Direktorenvilla bezieht sich nicht nur auf äußere architektonische Besonderheiten, sondern auch auf Komponenten im Inneren, wie Denkmalschützerin Fiona Wittwer erklärt. So dürfen beispielsweise nicht einfach Wände versetzt werden. Das Fischgräten-Parkett im Wohnzimmer wie auch die Solnhofer Platten im Eingangsbereich sind ebenso geschützt wie bauzeitliche Türzargen, Fenster, das Treppenhaus und Einbauschränke im Schlafzimmer.

Oberstudiendirektor Theodor Voigt hatte als erster Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums seine Dienstwohnung in der Direktorenvilla. Das Foto zeigt ihn am Schreibtisch vor einer Bücherwand.

Oberstudiendirektor Theodor Voigt hatte als erster Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums seine Dienstwohnung in der Direktorenvilla. Das Foto zeigt ihn am Schreibtisch vor einer Bücherwand. © Nachlass Korn

Zuletzt hatte bis 2010 der Erste Beigeordnete Walter Stemann mit seiner Familie das Objekt mit 800 Quadratmetern Garten gemietet. Einige Jahre später nutzte die Stadt das Gebäude als Unterkunft für geflüchtete Frauen. Sie lebten von 2015 bis 2019 teilweise mit ihren Kindern dort.

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