Ärztin Anika Biel hat ein Fotobuch veröffentlicht. Darin verewigt sie die Erfahrungen von Senioren mit der Liebe. © Biel
Valentinstag

„Erkläre mir, was Liebe ist“ – Rührendes Fotoprojekt mit Lüner Senioren

Valentinstag ist der Tag der Liebenden - dass Liebe nicht nur die zwischen einem Paar sein muss, zeigt das Fotobuchprojekt von Anika Biel. Nach der Liebe gefragt hat sie auch Lüner Senioren.

Als ihr sechsjähriger Sohn Anika Biel aufforderte: „Mama, erkläre mir, was Liebe ist“, wusste die Fachärztin für Urologie, dass sie die Frage nicht einfach so beantworten konnte. „Natürlich kann man eine einfache Lösung anbieten wie: ein tiefes Gefühl. Aber das reichte mir nicht. Und meinem Sohn auch nicht.“

Und so begab sich Biel auf die Suche nach einer Antwort – und fand diese bei Menschen mit viel Lebenserfahrung. In Zusammenarbeit mit der AWO Westfalen-West besuchte Biel Seniorinnen und Senioren in den Pflegeheimen, auch in Lünen. „Dort befragte ich die Bewohner und porträtierte sie.“ Das Projekt fand im Herbst statt, als die Corona-Zahlen noch nicht hoch waren. Zum Gespräch traf sich Biel mit den Seniorinnen und Senioren im Freien, um das Infektionsrisiko zu senken.

Spannende Zeitreise, einladende Atmosphäre

„Es war eine tolle und einladende Atmosphäre“, berichtet Biel. „Eine unglaublich spannende Zeitreise, die ich mit den Menschen durchleben durfte. Viele Erinnerungen, manche Tränen und sehr viel Lächeln habe ich gefunden.“ Es seien jedoch keine bitteren Tränen gewesen, sondern wehmütige schöne Tränen für das Leben und die Liebe, die die Menschen empfinden, sagt Biel.

Für viele der Seniorinnen und Senioren war es nicht einfach, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Einige haben ihre Partner bereits verloren, vieles kam im Gespräch mit Biel wieder hoch. „Ich habe nicht nach intimen Sachen gefragt, sondern einfach nur, was die Menschen für Liebe halten.“ In vielen gemeinsamen Stunden hat Biel für jeden Menschen in einem Satz auf den Punkt gebracht, was der Begriff Liebe für die jeweilige Person bedeutet.

„Da war nicht nur die Liebe für den Partner dabei, sondern auch die Liebe zu den Kindern, zu Gott, Nächsten- und Tierliebe.“ Besonders viel Mühe gaben sich laut Biel die Männer – sie seien eher unterrepräsentiert gewesen und es sei ihnen wesentlich schwerer gefallen, über ihre Gefühle zu sprechen. „Das ist eben nicht die Generation, die darüber spricht. Sie haben sich mir dann aber doch geöffnet. Viele haben mir aber von der ersten Liebe erzählt.“

Eine Antwort gefunden für den Sohn

Nach ihren Erfahrungen konnte Biel ihrem Sohn schließlich auch eine Antwort geben: „Liebe ist der Motor für alles und ist es wert, dass man sich immer wieder neu öffnet – auch, wenn man mal verletzt wird. Und mein Sohn kann sich sicher sein, dass er immer geliebt wird, ganz egal, was passiert.“ Und jemand, der geliebt werde, könne dieses Glück auch anderen gönnen und es an sie weiterreichen, fasst Biel zusammen.

Und nicht nur die Erkenntnis für ihren Sohn nimmt die Fachärztin aus ihren Gesprächen mit: „Ich habe Menschen das Gefühl gegeben, dass ihre Erfahrungen, Erinnerungen und ihr Wissen über das schönste Gefühl der Welt, auch heute noch bei jüngeren Menschen Anklang finden und Interesse wecken.“ Sie selbst erinnere sich, dass sie mit ihren Großeltern nie über so etwas habe sprechen können. Dadurch seien viele Erinnerungen verloren gegangen.

„Die soziale Gesellschaft ist ein wichtiges Gut für uns Menschen“, sagt Biel. Für sie ist das ein Grund, das Projekt weiterzuentwickeln. Sie will in der Zukunft Wohnungslose dazu befragen, was Liebe ist – mit der Intention, sagen zu können: Liebe ist für alle gleich. „Das Projekt ist derzeit noch in den Startlöchern, ich habe bereits Anfragen gestellt. Aber es ist ein verletzliches Clienté und die aktuelle Lage ist sehr schwierig.“

Über die Autorin
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Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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