Rolf Claussen und Gilla Cremer vermittelten in einem eindrucksvollen Spiel ein Stück vom "wirklichen Leben“ in einem Dorf. © Foto Textoris
Hilpert-Theater

Erste Aufführung nach dem Lockdown im Hilpert-Theater: „Was man von hier aus sehen kann“

Es gab noch Einschränkungen und es waren auch weniger Zuschauer da als sonst. Aber: Nach dem Lockdown hat es zum ersten Mal wieder eine Aufführung mit Publikum im Hilpert-Theater gegeben.

Nach langer coronabedingter Pause strahlte an Freitagabend (11. Juni) das Heinz-Hilpert-Theater schon aus der Entfernung gesehen ein Stück Normalität aus. Geöffnete Türen und Zuschauer, die Einlass begehrten. Einiges war aber noch anders als in früheren Zeiten. Einlasskontrolle durch Mitarbeiterinnen des Kulturbüros, freundlich aber bestimmt verlangten sie den Impfnachweis oder einen aktuelle Testbescheinigung. Wenige Schritte weiter Registrierung und erneute Kontrolle, Maskenpflicht im gesamten Haus. Kein Getränkeangebot im Foyer. Insgesamt aber eine entspannte und freudige Atmosphäre der Erleichterung.

Gilla Cremer und Rolf Claussen in der Romanadaption
Gilla Cremer und Rolf Claussen in der Romanadaption “Was man von hieraus sehen kann” von Mariana Leky. © Diethelm Textoris © Diethelm Textoris

Renate Jäckel und Peter Herrhof aus Dortmund-Nette, die seit Jahren nach Lünen ins Theater kommen: „Wir freuen uns, dass es endlich wieder losgeht und blicken gespannt auf den Abend.“ Stammgast Horst Häger freut sich darauf, bald wie in früheren Jahren wieder jede Vorstellung aus dem Programmangebot besuchen zu können. Die neue Kulturbüroleiterin Barbara Kastner stellte fest: „Das ist heute meine erste Vorstellung im Hilpert Theater. Und dann wird noch ein Stück geboten, das auf einem Roman meiner Lieblingsautorin Mariana Leky basiert.“

Berührt und angesprochen

Es war keine oberflächlich leichte Kost, es waren auch kein spannender Reißer wie Bühnentransformation von Fitzek- oder Schirachromanen, die das Theater Unikate der Hamburger Kammerspiele dem Publikum präsentierte. Und doch wurden die Zuschauer auf wunderbare Weise berührt und angesprochen. Das war der Verdienst der beiden Akteure Gilla Cremer und Rolf Claussen, die es durch ihre einfühlsame Spielweise schafften, den Geist des Bestseller-Romans „Was man von hier aus sehen kann“ auf die Bühne zu transportieren.

Sie machten die weitgehend erzählenden Passagen lebendig, spielten Dialoge und Monologe voll aus und schufen so facettenreiche Charakterbilder der handelnden Personen: Von Selma, die über seherische Fähigkeiten verfügt und den Tod voraussagen kann, wenn sie von einem Okapi träumt. Von ihrer Enkelin Luise, die durch einen tragischen Unfall ihren Jugendfreund Martin verliert und die sich Jahre später in den buddhistischen Mönch Frederik verliebt, in einer intensiven Liebe über die Entfernung von tausenden von Kilometern hinweg. Vom Optiker, der hilfsbereit und empathisch für alle da ist, dem es aber erst bei Selmas Tod gelingt, ihr seine Liebe zu gestehen.

„Es war uns eine große Freude“

Auch die anderen Verwandten und Dorfbewohner werden nachvollziehbar portraitiert. Auch die Atmosphäre des kleinen Dorfes, in der sich nichts so schnell verbreitet wie ein diskret anvertrautes Geheimnis, wird treffend wiedergegeben. Deutlich wird die im Roman liegende Botschaft: Das wirkliche Leben ist vielschichtig, es gibt nicht nur gerade Wege. Enttäuschungen und Tragik müssen durchlebt werden. Vor allen: Nicht im Perfekten liegt die Menschlichkeit, sie liegt eher im Skurrilen und Unvollkommenen.

Das Publikum belohnte die beiden Darsteller mit anerkennendem Applaus. Der stets kritische Horst Häger urteilte: „Die Schauspieler sind sehr sympathisch rübergekommen. Sie haben das Publikum erreicht, was immer wichtig ist.“ Diese wandten direkt an ihre Zuschauer: „Es war für uns eine große Freude, vor momentan noch wenigen Zuschauern zu spielen. Kommen Sie schon bald in großer Zahl wieder. Wir Künstler brauchen Sie.“

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