Europa: In der Corona-Krise sieht jeder nur seine eigenen Probleme

mlzMeinung am Mittwoch

Was passiert mit Europa? In der Corona-Krise werden Grenzen ohne Absprache geschlossen, jeder sieht nur die eigenen Probleme. Es ist Zeit für echte Solidarität, findet Heinz Werner Kleine.

von Heinz Werner Kleine

Lünen

, 15.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich bin ein begeisterter Europäer, oder sollte ich besser schreiben...war? Als Jugendlicher habe ich in den 60er und 70er Jahren, dank staatlicher Förderprogramme, viele Reisen mit unseren europäischen Nachbarn oder in europäische Nachbarländer unternehmen dürfen. Dazu gehörten auch Reisen in osteuropäische Länder wie Ungarn und Polen. Als wir im Herbst 1974 auf unsere französische Reisetruppe trafen, hatten alle Jungs selbstbemalte T-Shirts an mit den deutschen Nationalfarben und dem Schriftzug „Fußballweltmeister 1974 – Deutschland“. In diesen Wochen entstand meine Liebe zu Frankreich und zahlreiche Reisen in dieses wunderbare Land mit seinen sympathischen Menschen folgten.

Heinz Werner Kleine.

Heinz Werner Kleine. © Quiring-Lategahn

Gastautor Heinz Werner Kleine ist Chemielaborant und Kunstsammler.

Der Aufbau einer europäischen Union stand für mich in den all den Jahren als politisches Ziel ganz oben. Auch die Osterweiterung habe ich mit großen Hoffnungen begleitet.

Doch was passiert in den letzten Jahren mit Europa? Skrupellose und demokratiefeindliche Politiker in Polen, Ungarn oder Tschechien versuchen den Rechtsstaat abzuschaffen. Die Aufnahme von Flüchtlingen wird einfach verweigert.

Rechtspopulisten führten Italien noch tiefer in eine Krise. Gewissenlose Spinner wie Johnson und Farage führten die britische Bevölkerung mit Lügen hinters Licht und erwirkten so den Brexit.

Und wir hier bekommen vor den EU-Wahlen Kandidaten vorgesetzt, die nach den Wahlen fallen gelassen werden. Ein Postengeschacher vom Übelsten begann. Unsere Spitzenpolitiker sollten sich dafür schämen, was sie sich da geleistet haben.

Die Corona Krise zeigt nun sehr deutlich, wie es um das europäische Haus bestellt ist. Grenzschließungen ohne Absprache, kein gemeinsamer Kampf gegen diese Pandemie. Jeder guckt nur auf seine eigenen Probleme. Wenn nicht jetzt, wann sonst ist der Zeitpunkt gekommen, besonders den ärmeren Ländern zu helfen. Auch mit gemeinsamen Schulden! Wir in Deutschland oder in den Niederlanden haben jahrzehntelang vom weichen Euro profitiert. Jetzt ist es an der Zeit für echte Solidarität.

Was mich auch erstaunt, sind die Summen, die unser Finanzminister plötzlich aus dem Hut zaubert. Ein Finanzminister, der vorher die schwarze Null wie den heiligen Gral vor sich hergetragen hat. Natürlich, Geld muss in die Hand genommen werden, damit die Wirtschaft überlebt und möglichst viele Menschen ihre Arbeit behalten.

Doch es gibt noch ein Problem, welches momentan völlig aus dem Focus ist, der Klimawandel. Vielleicht kann man gleichzeitig einen Teil des Geldes auch für den ökologischen Umbau unserer Gesellschaft nutzen. Frau von der Leyen spricht doch vom Big Green Deal.... vielleicht geht ja beides?!

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann,Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
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