Der Blick in den künftigen Innenhof auf die Namen gebende Wasserfläche. Die sei, sagt Bauvereins-Vorstandschef Andreas Zaremba, festes Gestaltungsmerkmal des Projekts. © Bauverein zu Lünen
Informationsveranstaltung

Ex-Mercedes-Fläche in Lünen: So soll „Wohnen am Wasser“ aussehen

Es ist das meistdiskutierte Neubauprojekt der Stadt Lünen an der meistbefahrenen Kreuzung der Stadt: das Bauvorhaben „Wohnen am Wasser“. Jetzt geht der Bauverein zu Lünen in die Offensive.

Wenn in Lünen das Wort „Filet-Grundstück“ fällt, ist die 10.000 Quadratmeter große ehemalige Mercedes-Fläche auf der Ecke Kurt-Schumacher-Straße/Lange Straße gemeint: inzwischen die meistdiskutierte Brache der Stadt – zumindest in der Politik. Denn Bürgerinnen und Bürger blieben bislang eher außen vor, wenn von dem künftigen „Wohnen am Wasser“ die Rede war. Das will der Eigentümer und Investor, der Bauverein zu Lünen, jetzt ändern – mit einer Online-Veranstaltung am 17. Juni, 18 Uhr. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten dazu zusammengestellt.

Wieweit sind die Planungen für die Fläche?

Mit 13 zu 6 Stimmen hatte der Haupt- und Finanzausschuss Anfang Mai den Weg frei gemacht für das Bebauungsplanverfahren. Der mit großer Mehrheit gefasste Ratsbeschluss, die Fläche an den Bauverein zu verkaufen, war bereits 2019 gefallen. Die Verantwortlichen der Stadt hatten dem ältesten Wohnungsunternehmen Lünens den Zuschlag gegeben, nachdem es seine Pläne vorgestellt hatte für das Projekt „Wohnen am Wasser“.

Einen Architektenwettbewerb hatte es nicht gegeben. „Wir haben an unserer Idee seitdem auch festgehalten, wie schon damals mit der Politik verabredet“, sagt Andreas Zaremba, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft. Spätestens im Herbst 2022 sollen die Bauarbeiten beginnen für 60 barrierefreie Wohnungen und ein Wohn- und Geschäftshaus mit Büros, einer Wohngemeinschaft, Gastronomie im Erdgeschoss und Tiefgarage.

Warum ist überhaupt die Rede von „Wohnen am Wasser“?

Das hat nichts damit zu tun, dass sich das Grundstück im alten Flussbett der Seseke befindet. Das ist zwar so, beeinflusst aber nur die Gestaltung der Baustelle. Vermutlich bedarf es einer Pfahlgründung auf dem Gelände oder einer anderen Vorbereitung des schwierigen Baugrunds, wie Zaremba sagt. Der Name „Wohnen am Wasser“ hat etwas mit der vom Lüner Architektur-Büro SFW maßgeblich geprägten Gestaltung des neuen Quartiers zu tun. Im Innenhof – auf der Seite, die der viel befahrenen Kreuzung abgewandt ist – wird es eine beruhigend wirkende und kühlende Wasserfläche geben auf dem Dach der künftigen Tiefgarage. „Ein ruhiger Kontrast zu dem starken Verkehr auf der anderen Seite“, sagt Carsten Unterberg, Vorstand des Bauvereins. Die Wasserfläche wird einsehbar sein, aber kein öffentlich für jedermann zugänglicher Bereich. Nur wer in die künftige Gastronomie einkehrt, wird am Ufer sitzen können, auch ohne dort zu wohnen oder zu Besuch zu sein.

Wer wird denn dort überhaupt wohnen?

Die 60 Wohnungen werden laut Bauverein zwischen 50 und 127 Quadratmeter groß und komplett barrierefrei sein. Davon werden sich eher ältere Mieter angesprochen fühlen als junge Familien. Die Liste mit Interessenten – mehr als 100 Namen stehen schon laut Bauverein darauf, obwohl er noch gar nicht sucht oder gar vermarktet – , legt das ebenfalls nahe. Ältere Leute haben laut Unterberg Interesse daran, sich von ihrem zu groß gewordenen Eigenheimen am Stadtrand zu trennen, um künftig kleiner, aber stadtnah zu wohnen. Familien hätten aber auch etwas davon. Denn die so frei werdenden Häuser seien auf dem Markt heiß begehrt.

Wie teuer werden die Wohnungen sein?

Das lässt sich laut Bauverein zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht sagen. Allerdings steht angesichts der besonderen Lage und der derzeit rapide steigenden Baukosten fest, dass der Mietpreis deutlich über den Durchschnittspreis des Bauvereins von 5,25 Euro pro Quadratmeter liegen wird. Und auch über dem Preis der aktuellen Lüner Mietwerttabelle von 9 Euro für moderne Wohnungen, die seit 2013 entstanden sind. 10 Euro werden wohl mindestens aufgerufen werden.

Warum sind keine Sozialwohnungen vorgesehen in dem Neubau?

Die aktuellen Baupreise würden das an dieser Stelle nicht zulassen, sagt Zaremba: etwas, für das der Bauverein Kritik bekommen hatte. Zu Unrecht, wie der Vorstand der Genossenschaft meint. Denn von vorne herein habe der Bauverein angekündigt, an anderer Stelle Sozialwohnungen zu schaffen beziehungsweise Wohnungen, die aus der Bindung herausfallen entsprechend zu verlängern. Statt 20 Prozent der Wohnungen, die wir auf der Mercedes-Fläche hätten schaffen sollen, werden es jetzt 30 Prozent sein.“ Sie werden vor allem im Zentrum sein, teilweise aber auf Wunsch der Stadt auch im Osterfeld.

Immer wieder ist zu hören, dass der Verkauf des Filet-Grundstück an den Bauverein ein Geschmäckle habe. War der Preis ein Schnäppchen?

Der Bauverein widerspricht. Zum Kaufpreis sagt er vereinbarungsgemäß nichts, aber zur Gesamtinvestitionssumme. Die belaufe sich für das Projekt auf 36 Millionen Euro. Zur Ermittlung des Kaufpreises habe die Stadt damals einen unabhängigen Gutachter beauftragt. Auf der Basis dieser Empfehlung habe der Rat dem Verlauf damals zugestimmt.

Wie wird die öffentliche Vorstellung des Vorhabens am 17. Juni laufen?

Jeder, der möchte, kann der digitalen Informationsveranstaltung, die um 18 Uhr beginnen wird, ohne weitere Anmeldung beiwohnen über die Homepage des Bauvereins www.bauverein.de. Fragen sind live und im Vorfeld an bauvorhaben-bauverein@dialoggestalter.de zu richten. „Das wird keine Werbe- oder Verkaufsveranstaltung“, verspricht Andreas Zaremba. „Wir wollen Rede und Antwort stehen“ – auch gegenüber Kritikern.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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