Ex-Sekretärin zu Bewährungsstrafe verurteilt

LÜNEN Über vier Jahre konnte die ehemalige Sekretärin der Lüner Geschwister-Scholl-Gesamtschule insgesamt 53 000 Euro auf die Seite schaffen, bis die Unterschlagungen endlich auffielen.

von Von Peter Fiedler

, 28.09.2007, 14:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Amtsgericht Lünen begründete das hohe Strafmaß mit der langen Liste an Vorstrafen.

Das Amtsgericht Lünen begründete das hohe Strafmaß mit der langen Liste an Vorstrafen.

Am Freitagnachmittag verurteilte das Erweiterte Lüner Schöffengericht die 58-jährige Frau wegen gewerbsmäßiger Untreue zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, ausgesetzt für zwei Jahre zur Bewährung.

Gleich zu Beginn der Verhandlung hatte die Angeklagte ein Geständnis abgelegt: "Ich bekenne mich schuldig, es tut mir fürchterlich leid, ich schäme mich unendlich", sagte die in Werne lebende Frau. Seit 1983 schon war sie Sekretärin, hatte ihre Arbeit gewissenhaft erledigt - bis zum 12. Juni 2002: Da lenkte sie die ersten 2000 Euro in die eigene Tasche. 33 weitere Fälle folgten.

Die Masche war fast immer die gleiche: Wenn Lehrer aus ihrem Fächerbudget Geld anforderten, hob sie mehr ab als eigentlich benötigt wurde und zweigte Summen für sich ab. Ins Kontogegenbuch trug sie den angeblichen Verwendungszweck ein. In den Büchern stimmte alles, in der Kasse nichts.

Fehlende Kontrolle

Zwar habe jeder Zahlungsvorgang gegengezeichnet werden müssen, etwa vom Schulleiter, aber "Quittungen wurden nicht überprüft und auch nicht das, was auf den Quittungen stand", sagte die Angeklagte.

Sie sieht sich allerdings nicht allein als Täterin, sondern auch als Opfer. Opfer einer Kaufsucht. Kleidung vor allem, aber auch Schmuck, Lebensmittel und Computer habe sie wahllos gekauft, teilweise erst Tage später in den Geschäften abgeholt und die Kleidung dann zu Hause im Kellerschrank verstaut.

"Der Druck war da, man denkt an nichts anderes. Es ist nicht viel anders als bei einem Alkoholiker. Bis sie sich eingestehen, dass sie krank sind, dauert es ganz, ganz lange." Im Februar 2006 habe ihre Tochter die vielen Dinge im Keller entdeckt und das Gespräch gesucht. Dann habe sie sich an eine Selbsthilfegruppe gewandt. Ende März fälschte sie einen Barscheck, macht aus 500 einen Betrag von 1500 Euro. Dabei wurde sie ertappt und dann fristlos entlassen.

Kaufsucht

Ihr Verteidiger plädierte auf verminderte Schuldfähigkeit wegen der Kaufsucht. Nach ihrer Kündigung war die 58-Jährige in stationärer Therapie, sucht nach wie vor einmal pro Woche eine Therapeutin auf.

Das Gericht sah zwar Ansätze für Suchtverhalten, aber keine erhebliche Persönlichkeitsstörung und somit keine verminderte Schuldfähigkeit.

Es erkannte aber an, dass die Frau ein Geständnis ablegte und schon seit Monaten dabei ist, das veruntreute Geld an die Stadt Lünen zurück zu zahlen.

Lesen Sie jetzt