Experte spricht über Gefahr der Medienabhängigkeit

Vortrag für Eltern

Facebook, Youtube und Online-Games sind gerade bei Jugendlichen beliebt. Es gibt aber auch Nutzer, die davon abhängig werden. Wie Eltern eine drohende Medienabhängigkeit ihrer Kinder erkennen und verhindern können, erläutert ein Experte bei einem Vortrag am Mittwoch, 1. Oktober, in Lünen. Wir haben ihm vorab Fragen gestellt.

LÜNEN

, 29.09.2014, 13:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Michael Knothe ist Vorstandsmitglied im Fachverband für Medienabhängigkeit. Er spricht in Lünen am 1. Oktober darüber, wie Angebote im Internet Menschen abhängig machen können.

Michael Knothe ist Vorstandsmitglied im Fachverband für Medienabhängigkeit. Er spricht in Lünen am 1. Oktober darüber, wie Angebote im Internet Menschen abhängig machen können.

Termin des Vortrags
Der Vortrag "Next Generation@" findet am Mittwoch, 1. Oktober, um 18 Uhr in der Aula der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Holtgrevenstraße 2-6, statt. Um Anmeldung unter Tel. (02306) 1 04 17 04 wird gebeten. 

"Nein", sagt Experte Michael Knothe: "Für die Abhängigkeit gibt es klare Kriterien. Zu sagen, jemand sei abhängig, nur weil er sich morgens direkt bei Facebook einloggt, ist so, als würde man sagen, jemand mit Schnupfen habe einen grippalen Infekt oder eine Lungenentzündung." 

Die American Psychiatric Association, die Vereinigung US-amerikanischer Psychiater, hat Kriterien entwickelt, mit der Störungen im Bereich des Computerspielens erfasst wurden. Diese DSM-5-Kriterien wurden für die vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Studie PINTA-DIARI für die Diagnose von Internetabhängigkeit genutzt. Michael Knothe erläutert: "Nach dem DSM-5 liegt eine Sucht vor, wenn 5 Kriterien (daher der Name DSM-5) länger als 12 Monate bestehen. Ich würde jedoch empfehlen, schon bei Vorliegen von 3 Kriterien, die länger als 6 Monate bestehen, zu handeln oder fachlichen Rat zu suchen." Einige der DSM-Kriterien sind

  • eine häufige Beschäftigung,
  • Entzugserscheinungen,
  • Aufgeben von Hobbys,
  • das Spielen als Flucht vor dem Alltag,
  • Lügen über die Dauer der Beschäftigung,
  • Verlust von Jobs, Beziehungen etc.

Nur darauf zu schauen, wie lange jemand vor dem Computer hockt, sei nicht zielführend, sagt Experte Knothe. Eltern sollten eher darauf achten, was ihre Kinder vernachlässigten: "Also: werden Schulleistungen schlechter, werden die Freunde weniger?"

Laut der Studie "Prävalenz der Internetabhängigkeit" (PINTA-DIARY) sind das bei Jungen eher Online-Spiele, bei den Mädchen ist es das Chatten. Das bestätigt auch Michael Knothe.

Michael Knothe sagt: "Laut der PINTA-Studie gelten ein Prozent der Menschen in Deutschland zwischen 14 und 65 Jahren als internetabhängig. Das sind 560.000 Menschen. Es fällt auf, dass Jüngere – 14- bis 16-Jährige – besonders betroffen sind."

Referent Michael Knothe beschäftigt sich beruflich mit dem Thema Glücksspielsucht. Er sagt: "Beides sind stoffungebundene Süchte. Glücksspiel ist die (noch) große Schwester der Medienabhängigkeit. Bei Glücksspiel geht es um Geld, im Internet um Status und soziale Anerkennung. Das macht etwas mit dem Belohnungssystem. Wenn Ihnen im richtigen Leben jemand auf die Schulter klopft, freuen Sie sich ja auch. Genauso ist es mit „Likes“ bei Facebook oder Erfolg bei Online-Spielen.  

Termin des Vortrags
Der Vortrag "Next Generation@" findet am Mittwoch, 1. Oktober, um 18 Uhr in der Aula der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Holtgrevenstraße 2-6, statt. Um Anmeldung unter Tel. (02306) 1 04 17 04 wird gebeten. 

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