Önder Aytekin ist Inhaber der Fahrschule Europa, die auch mehrere Filialen in Lünen hat. Der TÜV komme bei den Fahrprüfungen nicht hinterher, weil es zu wenig Prüfer gibt. © Matthias Stachelhaus (A)
Fahrschulen in Lünen

Fahrschüler in Lünen warten oft zehn Wochen auf ihre Prüfung

Viele Fahrschulen in Lünen ärgern sich derzeit - und ihre Kunden gleich mit: Der TÜV Nord kommt mit den Prüfungen nicht hinterher. Eine Lösung scheint nicht in Sicht.

„Der TÜV hat mehrere Probleme. Wir Fahrschulen und unsere Kunden sind die Leidtragenden“, sagt Önder Aytekin, Inhaber der Fahrschule Europa, die auch mehrere Filialen in Lünen hat. Derzeit kann oft nur ein Fünftel der von der Fahrschule gewünschten Prüfungen stattfinden.

Zusätzliche Fahrstunden wegen langer Wartezeit

„Ein Anwärter auf den Motorradführerschein musste zehn Wochen warten“, berichtet Aytekin. „Wir bestellen einen Prüfungstermin, wenn wir absehen können, wie lange es noch dauert, bis der Anwärter so weit ist. Normalerweise geht das innerhalb von zwei Wochen.“ Das Problem ist, dass der Fahrschüler sich „warmhalten“ muss. „Wenn er nach zehn Wochen erst wieder fährt, hat er vieles vergessen. Daher macht man meist eine Stunde pro Woche dafür. Das kann sich bei zehn Wochen aber nicht jeder leisten.“

Ein großes Problem seien auch die neuen Prüfungsvorgaben, die die Prüfzeiten verlängern. Schon im März hatte Aytekin das neue Verfahren kritisiert. Die Prüfung dauert seit diesem Jahr nicht mehr 45, sondern 55 Minuten. Zudem wurde ein Ampel-System eingeführt, durch das die Prüflinge schneller durchfielen. „Die Durchfallquote ist stark gestiegen. Prüfer haben zudem früher elf Prüfungen an einem Tag geschafft, jetzt nur noch neun. Durch Pausen aufgrund von FFP2-Masken sind es sogar nur acht.“

Corona verschärfte Prüfermangel

Das wesentliche Problem sei aber die zu geringe Zahl an Prüfern. „Der TÜV will diese erhöhen, was aber nicht so einfach geht. Er kann sie ja nicht einfach so irgendwo abwerben, da der TÜV das Monopol für die Prüfungen hat“, erklärt Aytekin. „Wegen Corona waren dann mehrere immer wieder in Quarantäne, wofür natürlich weder sie noch der TÜV etwas können.“

Die Fahrschule Europa kann nicht so viele Prüfungen anbieten, wie sie gerne würde.
Die Fahrschule Europa kann nicht so viele Prüfungen anbieten, wie sie gerne würde. © Fahrschule Europa © Fahrschule Europa

Die Fahrschule Europa ist in einem Verbund mit 15 weiteren Fahrschulen. Dazu gehört auch die Fahrschule „Die 2“ von Jürgen Scheller. „Wir sind wenig begeistert, dass die Prüfungen so weit auseinander liegen. Teilweise fragen uns Kunden anderer Fahrschulen an, ob es bei uns schneller gehe, was wir dann verneinen müssen.“ Dass Corona alles nach hinten verschiebt, versteht auch er. Er findet aber auch, dass der TÜV Nord zu wenig Prüfer habe.

TÜV nennt Corona und Ausfälle als Gründe

„Wie in vielen anderen Städten und Kreisen bundesweit konnte der Fahrschul- und Prüfbetrieb im vergangenen wie auch in diesem Jahr nicht uneingeschränkt durchgeführt werden“, bestätigt Rainer Camen vom TÜV Nord auf Anfrage. Es gebe erhöhte Personalausfälle und krankheitsbedingte Terminabsagen bei Bewerbern und Fahrlehrern. Auch die Corona-Schutzmaßnahmen und Hygienevorschriften haben Auswirkungen.

„Generell sind die Wiederholungsprüfungen (Nichtbestehens-Quoten) gestiegen“, gibt der TÜV weiter an. „Zusätzlich nehmen die Prüfaufträge der Zweiradklassen zu und die Prüfzeiten haben sich mit der Einführung der optimierten praktischen Fahrerlaubnisprüfung (OPFEP) verlängert. Auch wenn dieser Sachverhalt durch Personaleinstellungen im Vorjahr bereits berücksichtigt wurde, führt der gestiegene Gesamtaufwand in der aktuellen Corona-Situation zu einer nicht planbaren Verschärfung.“

Um dem entgegenzuwirken, seien sämtliche Dispositionsmöglichkeiten, die Bereitschaft für Mehr-, Samstagsarbeit und Urlaubsverzicht der Fahrerlaubnisprüfer, die Personalausleihe aus anderen Arbeitsgebieten und die Verschiebung bereits genehmigter Urlaubstage angewandt worden.

Scheller hingegen hält es auch für möglich, dass der TÜV früher, als Verein, mehr Prüfer eingestellt habe. Heute ist der TÜV eine Aktiengesellschaft. Scheller schlägt genau wie Aytekin vor, dass das Monopol auf Fahrprüfungen fallen solle, sodass etwa auch Dekra oder GÜV prüfen könnten.

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Seit über zehn Jahren als freier Journalist tätig und seit einigen Jahren auch für die Ruhr Nachrichten. Ich schreibe gerne über Menschen und ihre Geschichten.
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Tobias Weskamp

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