Justin mit seinen Eltern Manuela und Udo Wolf und Hund Maeby, als die Familie noch gemeinsam in den Zoo gehen konnte. Wegen Corona bleibt die Familie jetzt seit langem zu Hause. Aus Angst um Justins Gesundheit. © Wolf
Coronakrise

Familie aus Lünen hofft dringend auf Impftermin für schwer kranken Sohn

Manuela Wolf macht sich große Sorgen um ihren Sohn. Justin kam als Frühchen zur Welt, ist schwer behindert, leidet an einer Lungenkrankheit. Die Familie hofft dringend auf die Corona-Impfung.

Als Justin zur Welt kam, war er ein extremes Frühchen, gerade mal 750 Gramm leicht und 31 cm klein. „Er kam in der 25. Woche plus sechs Tage“, erzählt Justins Mutter Manuela Wolf. Das Baby erlitt dreimal einen Herzstillstand, musste lange intubiert werden, damit er mit Sauerstoff versorgt wurde.

Auch zu Hause musste Justin bis zum dritten Lebensjahr tagsüber und nachts mit Sauerstoff versorgt werden. Dadurch wurde seine Lunge geschädigt. „Der untere Teil seiner Lunge arbeitet nicht mehr, er hat auch nicht so eine Sauerstoffsättigung wie wir“, so die Lünerin. Heute ist Justin 21 Jahre alt, schwer behindert, leidet an Bronchopulmonaler Dysplasie (BPD). Die chronische Lungenkrankheit tritt vor allem bei frühgeborenen Kindern mit geringem Geburtsgewicht auf.

Heim ist kein Thema

Justin kann weder laufen, noch sprechen. Seine Eltern kümmern sich zu Hause um ihn. Ein Heim ist kein Thema: „Mein Herz sagt mir, es ist mein Kind, ich würde ihn nicht abgeben. Meine beiden älteren Söhne habe ich aufs Leben vorbereitet, jetzt kümmere ich mich um Justin.“ Manuela und Udo Wolf haben drei Söhne und zwei Enkelkinder. Justin ist ihr jüngstes Kind.

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist Justin meistens zu Hause, kaum noch in der Werkstatt für Menschen mit Handicap. Denn wenn sich der junge Lüner mit dem Virus ansteckt, bedeutet das wohl sein Todesurteil. „Justin hatte schon zehn Lungenentzündungen, die letzte im August.“ In dieser Woche war er versuchsweise drei Tage in der Werkstatt, doch dann erfuhren die Eltern, dass sich der Eisenspeicher ihres Sohnes wieder geleert habe, ein Problem, das seit einem Jahr besteht.

Immunsystem ist angegriffen

Das schnelle Leeren des Eisenspeichers ist ein Zeichen dafür, wie sehr das Immunsystem des jungen Lüners angegriffen ist. „Eigentlich müsste er wegen des Eisenspeichers und Schluckproblemen ins Krankenhaus.“

Schon im alten Jahr hatte die behandelnde Ärztin Dr. Natalja Helmel ihren schwer kranken Patienten für eine Corona-Impfung angemeldet. „Leider haben wir bisher noch nichts gehört. Dabei wäre es wirklich dringend, dass Justin und auch ich geimpft werden, weil ich ihn ja pflege.“ Zum Impfzentrum nach Unna kämen Justin und seine Mutter nicht: „Ich hab gar keinen Führerschein.“ Nach der Prioritätenliste für die Corona-Impfung wäre Justin erst in der dritten Gruppe an der Reihe.

Die ganze Familie ist vorsichtig. Der mittlere Sohn (25) ist im Einzelhandel tätig, sein Chef kennt die Problematik und setzt ihn entsprechend so ein, dass das Risiko einer Ansteckung möglichst gering ist.

Justin Wolf am Reitstall einer Bekannten - in der Vor-Corona-Zeit. Der 21-Jährige liebt Pferde sehr. Zum Glück ist er nun endlich geimpft.
Justin Wolf am Reitstall einer Bekannten – in der Vor-Corona-Zeit. Der 21-Jährige liebt Pferde sehr. Zum Glück ist er nun endlich geimpft. © Wolf © Wolf

Eigentlich feiert die Familie Justins Geburtstag immer ganz groß, „weil wir nie wissen, ob es nicht der letzte ist, denn Justin hat keine hohe Lebenserwartung.“ Doch im Corona-Jahr 2020 waren Eltern und Sohn allein, genauso wie an Weihnachten und Silvester – bloß kein Risiko eingehen.

Zum Glück lebt die Familie in einem Haus mit Garten, so kommt Justin regelmäßig nach draußen, weil auch Ausflüge in den Zoo oder zum Reitstall einer Bekannten seit Beginn der Pandemie nicht möglich sind. „Ich traue mich auch nicht nach vorne, vors Haus, denn ich will möglichst persönliche Kontakte vermeiden, um kein Risiko einzugehen“, so Manuela Wolf.

Nur noch Telefonate mit der Freundin

Auch ihre Freundin, die sie sonst bei der Betreuung von Justin immer mal wieder unterstützt, kommt nicht vorbei, aus Angst, ohne es zu wissen, das Virus weiterzutragen. „Wir telefonieren oft und lange miteinander.“ Udo Wolf kümmert sich am Samstag viel um Justin, um seine Frau zu entlasten.

„Es ist nie die Rede von den Schwerbehinderten, die zu Hause gepflegt werden, wenn es um die Corona-Impfung geht. Das macht mich wütend“, sagt Manuela Wolf und hofft, dass möglichst schnell eine gute Nachricht in Sachen Impfung ins Haus flattert. Denn die Angst ist groß.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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