Feierabend für Lokomotive Emma nach 60 Jahren harter Arbeit bei Steag

mlzAb ins Museum

Nach vielen Jahrzehnten Dienst im Schlackebereich der Kesselanlagen der Steag Lünen rollen zwei Loks mit Waggons nun endgültig in den Ruhestand. Ganz verschwinden werden sie aber nicht.

Lünen

, 05.03.2019, 05:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wurden die Fahrzeuge der Schmalspurbahn aus dem Lüner Kraftwerk verabschiedet. „Da steht sie bereit zum Abtransport – unsere Lummerlandbahn“, sagt Klaus Brosch, Fachbereichsleiter Dampferzeugung im Kraftwerk Lünen. Und in der Tat wartet man bei ihrem Anblick darauf, dass – wie bei der Augsburger Puppenkiste – Lukas der Lokomotivführer seinen Mitfahrer Jim Knopf zur Abfahrt ruft.

Mit 25 Kipploren

Doch der Lokomotivführer heißt nicht Lukas, sondern Ferit Yüksel. Er hat seine beiden „Emmas“ über die letzten offenen Gleise zur Verladungsstelle hinter dem letzten Kesselhaus gefahren. Dort warten schon die Mitarbeiter der Dortmunder Spedition Windgätter mit ihren Transportern, um die Schmalspurbahn mitsamt der 25 Kipploren – das sind Transportwagen mit einer Kippmulde – abzuholen. Die Kranausleger der Speditionsfahrzeuge hieven die ungewöhnlichen Frachtstücke auf die Sattelaufleger und Ladeflächen, mit zahlreichen Spanngurten werden sie für den Transport gesichert. Gebraucht werden die Loks nicht mehr - das Steag-Kraftwerk hatte zum Jahresende 2018 die Arbeit eingestellt.

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Steag-Lok Emma geht in den Ruhestand

Nach 60 Jahren Arbeit bei Steag steht die Lok Emma mit ihren Wagons künftig in einem Museum.
04.03.2019
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Lok 2 wird auf dem Lastwagen verladen.© Günther Goldstein
Nummer 17 von 25 Loren findet seinen Platz auf dem Sattelzug© Günther Goldstein
Die Herstellerfirma der Lüner Loks gibt es sogar noch.© Günther Goldstein
Auch der spaßige Hinweis auf Euro 6 konnte die Schmalspurloks nicht retten.© Günther Goldstein
Lokomotiven und Loren der Lüner Schmalspurbahn stehen zum Abtransport bereit.© Günther Goldstein
Der letzte Lokführer in Lünen Ferit Yüksel© Günther Goldstein
Man sieht ihnen an das sie hart im Einsatz waren.© Günther Goldstein
Ladungssicherung für das betagte Transportgut.© Günther Goldstein
Die Loren haben einmal die Schlacke der älteren Kessel abtransportiert.© Günther Goldstein
Holzbalken schützen das Dach vor den Hubgurten.© Günther Goldstein
Ein letzter Aufmarsch vor dem Abschied von der alten Kulisse.© Günther Goldstein
Verladeaktion im Schatten des Kühlturms.© Günther Goldstein
Abheben zum Ortswechsel von Lünen nach Witten.© Günther Goldstein
Abschied mit einem Lächeln. Ferit Yüksel weiß das sein Zug eine schöne Zukunft hat.© Günther Goldstein
Ein sicherer Stand ist für das Ladegut sehr wichtig.© Günther Goldstein
Am Ende waren nur noch Teile des Schienennetzes auf dem Kraftwerksgelände zu befahren.© Günther Goldstein
Die Gleise waren für die Radfahrer auf dem Kraftwerksgelände nicht ungefährlich.© Günther Goldstein
Letzte Absprachen für den Abtransport der Schmalspurbahn aus Lünen.© Günther Goldstein
Ferit Yüksel verfolgt die Verladung seiner Loks auf die Transporter.© Günther Goldstein
Drei Tonnen Gewicht bringen die beiden Zugpferde der Schmalspurbahn auf die Waage.© Günther Goldstein
Die zweite Lok findet ihren Platz auf dem Hänger des Transportgespanns.© Günther Goldstein
Personalwechsel im Lokführerstand: Ferit Yüksel übergibt den Schlüssel an Hannsjörg Frank.© Günther Goldstein
60 Jahre lang haben sie ihren Dienst im Kraftwerk verrichtet, jetzt kommen sie ins Museum.© Günther Goldstein
Ferit Yüksel im Führerstand seiner Lok 1© Günther Goldstein
Beim Abschied von der alten Wirkungsstätte: v.l. Lokführer Ferit Yüksel , Museumsleiter Muttenthalbahn Hannsjörg Frank , Spediteur Stefan Windgätter und STERAG Mitarbeiter Klaus Brosch.© Günther Goldstein
Ein Motorkranwagen verläd die Loren auf seinen Sattel.© Günther Goldstein
Der Führerstand der Schöma Lok 1© Günther Goldstein
Detail einer der Loks© Günther Goldstein

Aufmerksamer Beobachter der Arbeiten ist Hannsjörg Frank, erster Vorsitzender und Museumsleiter der Arbeitsgemeinschaft Muttenthalbahn e.V. In sein Reich wird die schnuckelige Schmalspurbahn wechseln. „Ich habe sie mir vor 20 Jahren zum ersten Mal angesehen und war gleich begeistert“, berichtet er. „Als ich dann zufällig von der Schließung des Kraftwerkes erfahren habe, bin ich in Lünen vorstellig geworden und wollte wissen, ob sich schon jemand für die Bahn interessiert.“ Hannsjörg Frank hatte Glück: Die Steag kam seinem Wunsch nach und übergab sie dem Museum.

Nach 60 Jahren harter Maloche im alltäglichen Einsatz im Schlackebereich der Kesselanlagen werden es die beiden Loks und ihre Anhänger jetzt deutlich ruhiger haben. „Zunächst werden wir alle Fahrzeuge ein wenig reinigen und einfetten“, erklärt der Museumsleiter. „Aber sie werden nicht auf schön getrimmt, sie sollen ihre herrliche Patina behalten.“

Große Sammlung in Witten

Dann werden sie demnächst ihre Kreise ziehen auf den Schienen des ehemaligen Betriebsgeländes der bereits 1892 stillgelegten Zeche Theresia unterhalb des Schlosses Steinhausen in Witten-Bommern. Dort gibt es bereits eine große Sammlung mit mittlerweile 90 Loks und etwa 200 Waggons, die in dem weitläufigen Gelände mit vielen historischen Gebäuden und Einrichtungen zu sehen und zu erleben sind.

Und genauso wie Lukas der Lokomotivführer verabschiedeten sich die Lüner Kraftwerker von ihren Loks mit einem liebevollen „So, Emma, Feierabend!“

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