Feuerwehrmann auf Drehleiter reißt Jürgen Duda aus dem Schlaf: „Ich dachte, ich träume“

mlzBrand an der Jägerstraße

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem „Verrecke-Schriftzug“ und der Brandstiftung an der Jägerstraße? Jürgen Duda glaubt nicht daran, wie er Stunden nach dem Brand im Gespräch erklärt.

Lünen-Süd

, 17.02.2019, 16:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Samstagmorgen, 16. Februar, gegen elf Uhr: Die Sonne scheint über Lünen-Süd, die Eingangstür zu dem Mehrfamilienhaus Haus Nr. 9 an der Jägerstraße steht sperrangelweit auf. Die Aluminium-Tür ist ziemlich beschädigt, die Spuren der Nacht sind deutlich sichtbar. Das Sicherheits-Glas zeigt tiefe Risse und faustgroße Löcher.

Die kaputte Haustür am Haus von Jürgen Duda.

Die kaputte Haustür am Haus von Jürgen Duda. © Torsten Storks

Dort, wo früher Briefkästen in die Tür montiert waren, sind nur noch die Schlitze zu sehen, rundherum ist alles verrußt. So wie im Treppenhaus - kalter Rauch liegt in der Luft, verbranntes Papier auf dem Boden.

Es ist nur sieben Stunden her, dass unbekannte Täter vermutlich kurz nach vier Uhr morgens Zeitungen in den Briefkasten-Schlitzen in Brand setzen und so einen Großeinsatz der Feuerwehr auslösen.

Vier Menschen gerettet

Die Einsatzkräfte retten vier Menschen aus dem Mehrfamilienhaus mit seinen sieben Wohnungen. Von denen sind vier vermietet, in einer davon lebt Jürgen Duda - 59 Jahre alt, Ex-Bergmann und Frührentner. Das ist auch der Mann, dem unbekannte Täter in den vergangenen Wochen übel mitspielen, indem sie mit weißer Lackfarbe „J. Duda verrecke endlich“ auf die Jägerstraße schmieren. Davon ist an diesem Morgen nichts mehr zu sehen. Der Schriftzug ist vor einigen Tagen von der Stadt entfernt worden (wir berichteten).

Wer für die Schmiererei verantwortlich ist, weiß Duda bis heute nicht: „Keine Ahnung, von der Polizei habe ich seit Mitte Januar nichts mehr dazu gehört“, sagt der 59-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion - in seinem kleinen Wohn- und Schlafzimmer.

Aus Schlaf gerissen

Duda steckt sich noch eine Zigarette an und erzählt dann unaufgeregt, zumindest wirkt das so auf seinen Gesprächspartner, bei einer großen Tasse Kaffee von dem Feuerwehreinsatz in den frühen Morgenstunden und der Zeit davor:

„Ich bin wie immer so gegen 20 Uhr ins Bett gegangen und vermutlich zwischen 21 Uhr und 21.30 Uhr eingeschlafen.“

Mit der Nachtruhe sei es dann irgendwann nach vier Uhr vorbei gewesen, sagt der 59-Jährige weiter. „Da hat irgendeiner gegen meine Fensterrollade gekloppt und gerufen, ich solle das Ding mal hochziehen, der Hausflur würde brennen.“ Gesagt, getan.

Feuerwehrmann auf Drehleiter

Jürgen Duda zieht die Rollade hoch und glaubt im ersten Moment noch zu träumen: „Ich dachte wirklich, ich träume.“ Von wegen. Vor dem Fenster steht auf einer Drehleiter ein Feuerwehrmann: „Der wollte von mir, dass ich sofort auf die Leiter und mit ihm nach unten klettere. Habe ich aber nicht gemacht, ich bin nämlich nicht schwindelfrei.“ Und dann?

„Dann“, sagt Duda weiter, „habe ich mir eine dicke Jacke und Hausschuhe angezogen und bin sofort zur Wohnungstür. Im Hausflur waren Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten und so. An denen bin ich dann, ohne Luft zu holen, schnurstracks vorbei die Treppen runter vors Haus.“ Dort sei er von weiteren Feuerwehrkräften und einem Notarzt in Empfang genommen worden.

Vor dem Haus untersucht

„Weil mit mir alles in Ordnung war und ich auch nicht ins Krankenhaus wollte, konnte ich nach einer Stunde wieder in meine Wohnung, so wie ein Nachbar“, sagt Jürgen Duda: „Zwei andere Hausbewohner kamen noch ins Krankenhaus, waren aber gegen 6.30 Uhr, wenn ich mich nicht verhört habe, auch wieder zu Hause.“

Leere Jägermeisterflaschen und ein aufgebrauchtes Tabak-Paket liegen vor der Kellertür im Hinterhof.

Leere Jägermeisterflaschen und ein aufgebrauchtes Tabak-Paket liegen vor der Kellertür im Hinterhof. © Torsten Storks

Auf die Frage, ob er einen Verdacht habe, wer für den Brand verantwortlich sein könnte, antwortet Duda nach kurzer Überlegung:

„Irgendwie ist das komisch. Vor der Kellertür im Hinterhof liegen leere Jägermeister-Flaschen und ein leeres Päckchen Tabak. Das habe ich gerade erst entdeckt. Das war Freitagabend noch nicht da. Vielleicht hat sich derjenige dort aufgehalten, bevor er zur Tat schritt. Vielleicht kann die Polizei ja davon mal Fingerabdrücke nehmen. Ich rufe die mal an.“

Jürgen Duda wählt um 11.12 Uhr den Polizeinotruf 110 und erklärt dem Beamten am Telefon, „was los ist“. Es dauert eine Weile, bis der Polizist versteht und Dudas Anruf einordnen kann. Nachdem das ein paar Minuten dauernde Telefonat beendet ist, sagt der Frührentner: „Na also, die wollen heute nochmal jemanden vorbeischicken, der sich das anguckt.“

Duda: Kein Kinderstreich

Dass es sich um den gleichen oder die gleichen Täter handelt, die schon die „Sauerei auf der Straße veranstaltet haben“, glaubt Duda nicht. Mehr sagt er dazu nicht: „Wir wollen ja niemanden vorwarnen.“

„Einen Kinderstreich“, wie das ein Kripo-Beamter am frühen Morgen laut Duda gesagt haben soll, schließt Jürgen Duda aus: „Da steckt schon mehr dahinter.“

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