Auch in Lüner Briefkästen landen jetzt Flyer, die Kritik an den Impfungen äußern. © Nora Varga
Corona-Impfungen

Flyer zu Corona-Impfungen verunsichern: Stadt Lünen lehnt die Thesen ab

Große Hoffnungen sind mit der Impfung gegen Corona verbunden. Jetzt werden in Lünen Flyer verteilt, die für Verunsicherung sorgen. Die Stadt Iehnt die darin veröffentlichen Thesen ab.

Viele Lüner haben sich in den vergangenen Tagen über Flyer in ihren Briefkästen zur Corona-Impfung gewundert. Während viele in der Corona-Impfung eine große Chance sehen, wird in den Flyern ein anderer Eindruck vermittelt. Das hat für Irritationen gesorgt.

Die Flyer sind vom Verein „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, e.V.“ Der Tenor ist eindeutig: Die Impfung sei zu schnell zuglassen worden. Der Verein lehnt das Impfen zwar nicht generell ab, formuliert aber große Bedenken.

In der Broschüre werden Parallelen zur Impfung gegen die Schweinegrippe gezogen. Der Verband erklärt auf Anfrage der Redaktion: „Die Impfungen gegen SARS-Cov-2 und die Schweinegrippe wurden nicht nach den üblichen Verfahren zugelassen, sondern nach einem abgekürzten Verfahren. Daher besteht in beiden Fällen ein erhöhtes Risiko, auf das wir die Menschen hinweisen wollen, bevor sie eine Entscheidung treffen.“

Der Verein hat einen prominenten Unterstützer in Lünen. Der Allgemeinmediziner Dr. Karsten Karad verweist auf seiner Website auf Inhalte der Vereinsunterstützer. Der Arzt war in der Vergangenheit durch seine kritische Haltung zu den Corona-Schutzmaßnahmen aufgefallen. Er hatte mit seinen Behauptungen immer wieder für Diskussionen unter Kollegen, aber auch unter unserer Leserschaft gesorgt.

Widersprüche oder falsch interpretierte Aussagen

Der Verein vertritt völlig andere Ansichten als viele Virologen und die Politik. Während Bund und Länder zum Schutz vor Ansteckung die Corona-Maßnahmen verschärfen, setzt der Verein auf Lockerungen. Auf Anfrage der Redaktion heißt es dazu: „Laut einem in der Zeitschrift der WHO veröffentlichten Fachartikel ist das Coronavirus nicht wesentlich gefährlicher als manches Influenzavirus. Wir leben mit Influenza und werden auch weiterhin mit den verschiedenen Coronaviren leben.“ Die WHO vertritt allerdings eine andere Linie: Sie ruft dazu auf, sich an die Corona-Maßnahmen zu halten. Die Menschen werden aufgefordert, Masken zu tragen, Abstände einzuhalten und ihr soziales Leben zu beschränken.

Wie die Stadt Lünen erklärt, seien die Flyer des Vereines die ersten dieser Art in Lünen. Pressesprecher Benedikt Spangardt: „Die Stadtverwaltung hat keine rechtliche Grundlage, um gegen Handzettel in Briefkästen vorzugehen. Grundsätzlich gilt das Grundrecht der freien Meinungsäußerung. Daher dürfen solche Flyer auch in Briefkästen von Privathaushalten landen, selbst dann, wenn sie nachweislich falsche Informationen enthalten.“

Kein Fall für die Polizei

Auch die Polizei Dortmund bekräftigt, dass solche Flyer für die Polizei kein Thema sind. Peter Bandermann, Pressesprecher der Polizei: „Eine Pandemie zu bestreiten oder eine Impfung anzuzweifeln ist erstmal keine Straftat. Man darf die eigene Meinung verbreiten.“ Abschließend klären, ob ein Schreiben gegen geltendes Recht verstößt, kann laut der Polizei aber nur die Staatsanwaltschaft. Die Beurteilung einer solchen Meinung müsse durch die Bürger geschehen. Bandermann: „Es gibt eine Vielzahl von frei zugänglichen Informationen und Veröffentlichungen.“ Auch die Stadt Lünen ruft dazu auf, sich aus frei zugänglichen Quellen zu informieren – und sich zu impfen.

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns: „Ich lade alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich impfen zu lassen. Nur mit der Impfung schaffen wir es, dass wir in den nächsten Monaten hoffentlich wieder mehr Kontakt mit anderen Menschen haben können. Mit der Impfung schaffen wir es, das Virus nachhaltig in den Griff zu bekommen.“ Auch wenn die Stadt Verständnis für Unsicherheit habe, lehne sie laut Pressesprecher Benedikt Spangardt die Thesen des Vereines klar ab: „Kein Verständnis haben wir, wenn versucht wird, die ohnehin bestehende Unsicherheit mit unsachlichen Beiträgen noch zu befeuern.“

Leserfragen rund um das Thema Impfen beantworten drei ausgewiesene Experten am Montag (25. Januar) ab 18.30 Uhr in einem kostenlosen Live-Videoformat bei uns im Internet unter ruhrnachrichten.de/luenen. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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