Lastwagen sind auf Deutschlands Straßen ein gewohntes Bild. Um mehr als nur Verkehrssicherheit geht es nun bei einem Forschungsprojekt der Fachhochschule Dortmund, das Lüner Firmen als Projektpartner hat. © picture-alliance/ dpa/dpaweb
Forschungsprojekt

Forschung: Intelligente Sensoren aus Lünen sollen LKW sicherer machen

Sicherheit im Straßenverkehr ist ein Thema, das jeden beschäftigt. Eine Gruppe Lüner Firmen und Personen sowie die Fachhochschule Dortmund gehen einen Schritt weiter: Sie forschen daran.

Gerade der Lastverkehr ist in Fragen der Verkehrssicherheit immer ein Thema: Ruhezeiten der Fahrer, Ladungssicherung und Gewicht der Fahrzeuge sorgen immer wieder für Gesprächsstoff. Der Lastverkehr sollte aber nicht nur bei Unfallvermeidungsstrategien im Blick behalten werden, auch beim Zustand der Straßen spielen Lastfahrzeuge eine gewichtige Rolle.

Die Fachhochschule Dortmund hat daher nun ein Forschungsprojekt gestartet, das all diese Aspekte zusammenzufassen versucht. Intelligente Sensoren einer Lüner Firma sollen dafür sorgen, dass Werte ermittelt werden können – und es dann schon kurz- bis mittelfristig zu mehr Sicherheit im Lastverkehr kommen kann.

Lüner Firmen Teil des Forschungsprojekts

CargoTrailSense ist der Name des Verbundprojekts, an dem Prof. Dr. Yves Rosefort von der Fachhochschule Dortmund mit seinen Kollegen Prof. Dr. Klaus Eden und Prof. Dr. Vinod Rajamani arbeitet. Als Projektpartner sind der Lüner Raffael Werth von Impaqed Products BV und Ralf Damberg vom Lüner Beratungsunternehmen Log4-Consult dabei. Ebenfalls im Boot sind der Stadthafen Lünen, die EWT Schifffahrtgesellschaft und die Spedition Krause. „Das Projekt vereint für mich die Themen der Digitalisierung der Logistik bei gleichzeitiger Steigerung der Sicherheit für alle Verkehrsbeteiligten“, so Projektleiter Prof. Dr. Yves Rosefort.

Mit solchen Sensoren unterstützen der Lüner Raffael Werth und sein Arbeitgeber das Forschungsprojekt der Fachhochschule Dortmund. Sie werden auf das Ventil des Reifens geschraubt und sammeln dann Daten über den Reifendruck.
Mit solchen Sensoren unterstützen der Lüner Raffael Werth und sein Arbeitgeber das Forschungsprojekt der Fachhochschule Dortmund. Sie werden auf das Ventil des Reifens geschraubt und sammeln dann Daten über den Reifendruck. © marieke van dulmen © marieke van dulmen

Reifendrucküberwachung informiert Fahrer und Spediteur sofort

Raffael Werth ist Vertriebsleiter und Koordinator bei Impaqed, ein niederländischer Spezialist für Reifendrucküberwachungssysteme. „Wir liefern die Sensorik an die Fachhochschule, um den Reifendruck überwachen zu können.“ Denn der könne genau darüber Auskunft geben, ob ein Fahrzeug richtig beladen sei, ob es Probleme am Fahrgestellt gäbe oder Straßenzustand schlecht sei. „Der Fahrer bekommt dann ins Cockpit eine Fehlermeldung, aber die geht auch an die Disponenten in den Speditionen“, erklärt Werth. So kann frühzeitig die Bremse getreten werden, wenn ein Reifen zu platzen droht. Was sonst zu schlimmen Unfällen führen kann.

Vom Bundesministerium für Verkehr gefördertes Projekt

Doch die falsche Beladung eines Fahrzeugs kann auch Auswirkungen auf Kraftstoffverbrauch, Verschleißteile oder Straßen haben. „CargoTrailSense“ will mit intelligenten Sensoren und neuartigen Messmethoden Abhilfe schaffen.

Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen der Förderrichtlinie Modernitätsfonds („mFUND“) mit insgesamt 96.606 Euro geförderte Projekt soll die Erhöhung der Sicherheit im Lastverkehr, die Verringerung der Belastung und die Vermessung der Straßeninfrastruktur zum Ziel haben.

Im März soll der praktische Teil der Forschung beginnen

Schon im März 2021 wird das Projektteam ein erstes Gespann mit Sensoren ausstatten, die Daten über Gewichte, Drücke und Straßenverläufe sammeln und problematische Zustände ermitteln. Hierzu zählen neben den Kennwerten für die Lastverteilung auch die der Achslasten, der Bremsen, Radlager und Reifen.

Zusätzlich sollen die Sensoren einen Blick auf den Straßenzustand haben – ein Teil dieser Daten fließt in eine spezielle Datenbank ein. Die Ergebnisse werden später auch dazu dienen, Straßenwartungen und damit einhergehende Umfahrungen zu koordinieren. Und die Professoren wollen unter Beweis stellen, dass damit auch Rückschlüsse auf die Belastung der Infrastruktur möglich sein müssten.

Wegmarke zum (teil-)autonomen Fahren

Gemeinsam soll es allen Beteiligten gelingen, Transportgüter auf Wasser, Straße und Schiene entsprechend ihrer Gewichte optimal zu positionieren. Die geplanten Wegstrecken berücksichtigen unterschiedlichste Infrastrukturen von Hafenanlagen, Baustellen, städtischen Straßen über Land- und Bundesstraßen bis hin zu Autobahnen. Für Ralf Damberg vom Lüner Beratungsunternehmen Log4-Consult ist das Projekt „eine digitale Weiterentwicklung von Gespannen auf dem Weg zum (teil-)autonomen Fahren“.

Klein aber oho: Die Menge und Größe der in den Projektfahrzeugen verbauten Technik der Firma Impaqed ist überschaubar - aber die Sensoren liefern mit den erforderlichen Daten eines der Herzstücke für die Forschung.
Klein aber oho: Die Menge und Größe der in den Projektfahrzeugen verbauten Technik der Firma Impaqed ist überschaubar – aber die Sensoren liefern mit den erforderlichen Daten eines der Herzstücke für die Forschung. © marieke van dulmen © marieke van dulmen

Am Ende stünde Hilfe für alle Verkehrsteilnehmer

Zusätzlich werden im Projekt auch Berechnungsmodelle für verschiedene Sensorkonzepte erstellt. Bereits innerhalb eines Jahres erwarten die Projektpartner aussagekräftige Informationen, die in ein Gesamtkonzept münden sollen.

„Wir wollen erst einmal erkennen, was wir alles brauchen“, erklärt Werth – und in gar nicht allzu ferner Zukunft sei es dann möglich, den Reifendruck während der Fahrt an die Beschaffung der Straße anzupassen oder das Fahrzeug vorab auf die zu nutzenden Straßen einzustellen. Das soll langfristig auch den Brückenbauwerken helfen. Die litten nicht so sehr unter dem Gewicht der Lastwagen wie unter den Vibrationen, die diese auslösten. Und wenn man deren Stärke beeinflussen könnte, wäre allen Verkehrsteilnehmern geholfen.

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