Eine Frau als König? Liebe Schützen von 1332, lasst sie Königin sein!

mlzJetzt mal unter uns

Unsere Autorin interessiert sich privat für royale Themen. Aber Könige gibt es ja auch in Lünen - Schützenkönige. Wobei jetzt eine Lünerin mit ihrem Titel den Vogel abgeschossen hat.

Lünen

, 13.07.2019 / Lesedauer: 3 min

„Das kann doch nur ein Druckfehler sein“, hab‘ ich gedacht, als ich las, dass Margret Schürk den Vogel beim Königsschießen abgeschossen hat und nun König der Schützen von 1332 ist. Der allererste weibliche Schützenkönig in der langen Geschichte des Traditionsvereins. Und die zweite Frau, die in Lünen jemals selbst Regentin wurde. 31 Jahre liegen zwischen dem Königsschuss von Sieglinde Rotte bei den Nordlüner und Alstedder Schützen und dem von Margret Schürk. Laut Chronik des nördlichen Vereins durfte sich Sieglinde Rotte Königin nennen. Bei den Schützen von 1332 heißt der Schütze, der die Vogelreste abräumt, König. Punkt. Egal ob weiblich oder männlich.

Schwedischer König wollte ohnehin lieber männlichen Thronfolger

Wenn ich mir nun überlege, dass das Ganze auch für die royalen Häuser in Europa gelten würde, kämen interessante Konstellationen dabei heraus.

Dann hätten wir die 93-jährige Elizabeth II. in England, die den Thron als King Elizabeth bestiegen hätte. Oder König Margrethe von Dänemark. Kronprinzessin Victoria von Schweden wäre Kronprinz und würde damit vielleicht sogar ihrem Vater Carl XVI. Gustav eine Freude bereiten, denn der wollte ja ohnehin lieber seinen Sohn Carl Philip zum Thronfolger machen.

In der nächsten Generation gäbe es in Europa jede Menge weiblicher Könige - denn sowohl in den Niederlanden, in Norwegen, Schweden, Belgien und Spanien gibt es Thronfolgerinnen in den Königsfamilien. Wenn sie sich den Schützenregeln anpassen würden gäbe es also in einigen Jahren König Amalia, König Ingrid Alexandra, König Victoria, König Elisabeth und König Leonor.

Die Männer der Regentinnen bleiben Prinzgemahl

Klar ist aber auf jeden Fall - die Männer der Regentinnen können weder bei den echten Royals noch bei den Schützenmajestäten auf eine Karriere als König hoffen. Sie bleiben Prinzgemahle - und müssen bei offiziellen Anlässen immer einen Schritt hinter ihren Frauen gehen.

Zweite Regentschaft als Paar

Franz Schürk, selbst vor acht Jahren König, macht nicht den Eindruck, als ob sein Selbstbewusstsein darunter leidet, dass er seine Margret als Prinzgemahl begleiten wird. Nach 48 Jahren Ehe machen die Beiden einen derart harmonischen und fröhlichen Eindruck, dass sie auch die zweite Regentschaft als Paar blendend miteinander über die Bühne bekommen.

Ich fände es trotzdem gut, wenn sich die Schützen Gedanken machen würden, ob man denjenigen, der den Vogel abschießt nicht künftig König oder Königin nennen sollte. Und die Partner dann Prinzgemahlin oder -gemahl. Dann wird der Unterschied auch deutlich und Frauen müssten trotzdem nicht mit dem männlichen Titel auftreten.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt