Auch an der Cappenberger Straße gilt seit dem 4. Oktober Tempo 30 - aus Lärmschutz-Gründen. © Landsiedel
Tempo 30

Frust und Freude: Ab sofort Tempo 30 auf sechs Lüner Straßen

Gleich auf sechs wichtigen Verkehrsadern in Lünen gilt seit Montag Tempo 30. Manche Autofahrer regen sich auf, andere Verkehrsteilnehmer freuen sich. Doch erfüllt die Maßnahme ihren Zweck?

Mächtig laut ist es an der Cappenberger Straße in Lünen. So laut, dass man als Passant auf dem Fußgängerweg seine Sätze zum Teil wiederholen muss, damit der Gesprächspartner einen überhaupt versteht. Es ist eine interessante Erkenntnis an diesem Montagmittag. Denn hier, wie auch auf Teilen der Borker Straße, der

Münsterstraße, der Bebelstraße, der Viktoriastraße und der Königsheide sollte der zwischenmenschliche Austausch aus akustischer Sicht ab sofort zumindest ein wenig einfacher vonstattengehen, als noch in der Vergangenheit. Und viel Gesprächsstoff gibt es entlang der genannten Straßen an diesem Tag auch.

Autofahrer sollen für weniger Lärm vom Gas gehen

Tempo 30 statt – wie zuvor – Tempo 50 gilt seit diesem 4. Oktober für die Autofahrer auf den sechs vielbefahrenen Lüner Verkehrsadern. Diese Maßnahme ist Teil des Lärmaktionsplans der Stadt Lünen. Ziel des Plans, der durch die EU von allen Kommunen gefordert wird, ist die Reduzierung von Lärmbelastung und den dadurch resultierenden Beeinträchtigungen für den Menschen.

Die nun von den Tempo-Änderungen betroffenen Straßenabschnitte gelten als Lärmschwerpunkte innerhalb der Stadt – also als Zonen, in denen es für den Menschen ungesund laut ist. Nun versucht die Stadt also am Regler zu drehen. Dafür sollen die Autofahrer den Fuß vom Gas nehmen. Ein Umstand, der längst nicht überall auf Gegenliebe stößt.

„Man braucht eh schon immer lang genug, um in Lünen irgendwo anzukommen“ oder „Macht das Leben noch etwas schwerer, die unzähligen schlecht geplanten Baustellen (…) reichen noch nicht“, sind nur zwei der Kommentare, mit denen Autofahrer bei Facebook ihren Unmut über das gedrosselte Tempo bekunden.

Zweifel am Nutzen des Tempolimits

Und auch Zweifel am akustischen Nutzen der Maßnahme werden in den sozialen Netzwerken laut – und klingen durchaus einleuchtend. Was bringt eine Tempoverringerung von 50 auf 30 km/h, so die Argumentation mancher Bürger, wenn ein Autofahrer zwar langsamer, dafür aber in einem niedrigeren Gang und mit höherer Drehzahl durch die Gegend fährt? Die Lärm-Emission könnte in diesem Fall ähnlich hoch sein wie bei Tempo 50.

Doch was sagen die Anwohner zu den am Montag enthüllten Tempo-30-Schildern? „Der Lärm macht mir aufgrund der Dreifach-Verglasung nichts aus. Aber dass jetzt auf allen Ausfallstraßen Tempo 30 gilt, ist schon gewöhnungsbedürftig“, meint eine 70-jährige Anwohnerin. Ihre 65-jährige Nachbarin – ebenfalls Autofahrerin – ist hingegen begeistert. „Auf den Lärm kommt es mir nicht an. Wir wohnen in zweiter Reihe. Aber für die Kinder finde ich es super“, so die Frau.

Auch Gökhan Avseren nimmt die neuen Schilder am Montag in Augenschein. Tempo 30 finde er gut, dass mache den Verkehr sicherer. „Ob der Lärm jedoch weniger wird, wird sich erst zeigen, wenn es regnet. Dann ist die Fahrbahn am lautesten“, so der 32-jährige Imbiss-Besitzer.

Gökhan Avseren betreibt einen Imbiss an der Cappenberger Straße und findet das Tempo-30-Limit gut. © Landsiedel © Landsiedel

35 Euro Bußgeld, wenn man weiter 50 km/h fährt

Und: Damit die Maßnahme fruchtet, müssen sich die Autofahrer auch erstmal an das neue Tempolimit halten. Das tun an diesem Montag einige dem bloßen Auge nach zu urteilen aber noch nicht. Polizeiliche Kontrollen habe es am ersten Tag nicht gegeben, eine Schonfrist für die Autofahrer, um sich an die neuen Schilder zu gewöhnen aber ebenso wenig. „Nein. Man darf davon ausgehen, dass jeder Autofahrer die Schilder lesen kann“, so Pressesprecherin Nina Kupferschmidt von der Dortmunder Polizei. Und was, wenn man doch 50 km/h auf dem Tacho hat? Dann droht ein Bußgeld von 35 Euro.

Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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