Die Käthe-Kollwitz-Gesantschule erhält für ihr abgelehntes Sondermodell politische Unterstützung von der GfL. © Felix Püschner (Archiv)
Schule in Lünen

Für Distanzunterricht ist Lage an Lüner Schule noch nicht schlimm genug

Die Käthe-Kollwitz-Schule ist in Sachen Distanzunterricht einen eigenen Weg gegangen, der ihr nun untersagt wurde. Distanzunterricht geht erst, wenn das eintritt, was die Schule verhindern wollte.

Einen Tag zu Hause lernen, einen Tag wieder zurück an die Schule – und das in halber Klassengröße. Diesen Wechsel aus Distanz- und regulärem Unterricht hatte die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen am 18. November eingeführt. Am Montag, 30. November, also rund anderthalb Wochen später, ist damit nun wieder Schluss. Die Bezirksregierung Arnsberg hatte der Schule am Freitag mitgeteilt, dass der von ihr begangene Sonderweg so nicht möglich ist.

„Viel positives Potential“

Eine Nachricht, die viele Eltern wütend gemacht hat. „Viele Eltern haben uns Briefe geschrieben“, erklärt Nicole Kleine, die Schulpflegschaftsvorsitzende. Das Modell, dass die Käthe-Kollwitz-Schule gegangen sei, habe einen großen Konsens unter den Eltern genossen, sagt Kleine. „Es hat viel positives Potential, wir schützen unsere Kinder damit ja auch nur“, sagt sie.

Auch die Kinder seien enttäuscht, dass sie nun wieder zum regulären Modell zurückkehren müssen, erklärt die Schulpflegschaftsvorsitzende. Die Kinder hätten die angenehme Lernatmosphäre in einer kleineren Klasse zu schätzen gelernt.

Es habe Fördermöglichkeiten für jüngere Kinder gegeben, durch den Wechsel nach Tagen sei der Kontakt zu den Lehrern sichergestellt und auch für Kinder, die keine geeigneten technischen Geräte haben, besser auszugleichen, sagt Nicole Kleine.

Die Elternpflegschaft der Schule und die Stadtschulpflegschaft hat sich deswegen nun selbst an den Schreibtisch gesetzt und eine offenen Brief formuliert, der unter anderem an die Bezirksregierung Arnsberg, den Landrat des Kreises Unna und auch an Schulministerin Yvonne Gebauer gerichtet ist.

Darin fordert sie, dass das Konzept mit dem geteilten A+B-Unterricht weiter fortgeführt wird. „Können Sie sich unsere Wut und Enttäuschung vorstellen, dass diese ganze Mühe, Zeit und Arbeit einfach so gekippt werden kann? Das wir in Lünen, ja sogar im Kreis hohe Infektionszahlen haben, aber trotzdem unsere Lehrer, Kinder und natürlich deren Familien nicht schützen dürfen?“, heißt es darin.

Und weiter: „Unser Konzept hat gezeigt das Bildungsgleichheit auch mit einer Trennung der Klassen funktioniert. Besser als eine Schulschließung auf Grund von zu vielen Erkrankten.“

Andere Schulen wollten das System übernehmen

Schulleiter Reinhold Bauhus berichtet im Gespräch mit der Redaktion, dass sich auch andere Schulen bereits beim ihm informiert hätten, die das Konzept der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule gern übernehmen wollten.

Auch in Herne hatten gerade 119 Lehrer aus verschiedenen Schulen einen offenen Brief an Schulministerin Yvonne Gebauer geschickt, in dem sie Gebauer auffordern, auf die aktuell angespannte Situation zu reagieren und Schulen erlauben, auch individuelle Wege zu gehen.

„Es gibt viele gute Vorschläge“, sagt auch Sava Stomporowski von der Landeselternschaft für integrative Schulen (LEiS) in NRW. „Es fehlt aber der politische Wille und die Erlaubnis, den Schulen entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen. Diese Rahmenbedingungen müssen dann für ganz NRW eine politische Sicherheit geben“, sagt die Sprecherin.

Weiterhin Angst vor einer Schulschließung

Reinhold Bauhus hatte sich gemeinsam mit der Elternpflegschaft für den Sonderweg entschieden, weil er fürchtete, dass die Schule wegen der hohen Infektionszahlen bald komplett geschlossen werden müsste. Seit den Herbstferien hatte es mehrere Corona-Fälle gegeben.

Als die Schulpflegschaft über das Konzept abgestimmt hatte, befanden sich – auch diese Zahlen finden sich in dem offenen Brief – gerade mehrere Klassen und fünfundzwanzig Lehrer in Quarantäne.

Dazu kamen Lehrer mit Attest und anderweitig erkrankte Lehrer. „Wären noch mehr Lehrer ausgefallen, hätte ein kontinuierlicher Unterricht nicht mehr gewährleistet werden können“, heißt es in dem Schreiben.

Schulleiter Bauhus sieht die Gefahr der Schließung auch weiterhin: „Ich kann nur hoffen, dass die Infektionszahlen zurückgehen“, sagt er. Die Situation sei sowohl im Kreis Unna sehr unterschiedlich, wie auch an den Lüner Schulen selbst.

Zwar gibt es die Möglichkeit, die Schüler ab Klasse 8 in den Distanzunterricht zu schicken, das entlaste die Situation aber nicht, sagt Bauhus, „das sind dann nur 170 Schülerinnen und Schüler weniger. „Ich würde mir wünschen, eigene Einzelfallentscheidungen treffen zu können“, sagt der Schulleiter.

Keine individuellen Konzepte als Prävention

Doch genau da liegt der Knackpunkt. Distanzunterricht sei erst dann möglich, wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft seien, wird NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer beispielsweise am 4. November von der Presseagentur dpa zitiert.

Darin begründet Ursula Kissel, Sprecherin bei der Bezirksregierung Arnsberg auch die Untersagung des Lüner Sonderwegs: „Das liegt daran, dass die Landesregierung darauf drängt, dass der Präsenzunterricht die Regel ist“, so die Sprecherin.

Individuelle Möglichkeiten gebe es zwar, über die entscheide aber nicht die Schule, sondern das zuständige Gesundheitsamt. Allerdings sind die Spielräume denkbar eng.

Die Landesregierung gebe hier genau vor, in welchen Fällen Distanzunterricht möglich sein soll: „Im Fall eines akuten Infektionsgeschehens“, so Kissel – also wenn eine Klasse wegen eines Coronafalls in Quarantäne geschickt werden muss, oder „wenn nicht genug Lehrpersonal zur Verfügung steht“, so Kissel.

Also wenn das eingetreten ist, was die Schule eigentlich verhindern möchte. Ein Distanzunterricht für die gesamte Schule aus präventiven Gründen ist dagegen nicht vorgesehen.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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