Apotheken sind nun erstmal keine Anlaufstelle mehr für Menschen, die ein digitale Impfzertifikat haben möchten. © picture alliance/dpa/Jörg Carstensen
Coronaimpfung

Für kurze Zeit keine Impfzertifikate mehr in Apotheken – und nun?

Menschen, die geimpft sind oder noch geimpft werden, stehen aktuell vor einem Problem. Denn seit dem 21. Juli dürfen Apotheken vorerst keine digitalen Impfzertifikate mehr ausstellen. Und nun?

Immer mehr Menschen erhalten derzeit ihre Coronaimpfung und den Eintrag in den kleinen gelben Impfausweis. Zusätzlich dazu gibt es den digitalen Nachweis, der in die Corona- oder CovPass-App eingetragen werden kann, damit man seine Impfung unterwegs immer dabei hat. Bis jetzt haben auch Apotheken dieses Dokument ausgestellt. Damit ist nun aber für kurze Zeit Schluss.

Der Apotheker Volker Brüning, der Apotheken in Selm und Lünen betreibt, war am Mittwoch live dabei, als es in seinem System plötzlich nicht mehr weiterging. Er hatte ein Ehepaar in seinem Geschäft in Lünen, für die Frau konnte er noch das Zertifikat ausstellen, bei dem Mann war das entsprechende Programm nicht mehr zu erreichen.

Immer noch großer Zulauf in den Apotheken

Der Grund: Das „Handelsblatt“ hatte Sicherheitslücken in dem Online-Portal des Deutschen Apothekerverbands (DAV) aufgedeckt, das die QR-Codes für Geimpfte ausstellt. Demnach war es gelungen, mit professionell gefälschten Dokumenten entsprechende Impfzertifikate auszustellen. Brüning war geschockt von der Nachricht, vor allem weil die Nachfrage in seinen Geschäften weiterhin extrem hoch sei.

„Apotheken sind für viele einfach gut zu erreichen. Und selbst wenn die Leute über die aktuelle Lage informiert sind, kommen sie durch Urlaubsreisen in die Bredouille und hätten gerne den QR-Code.“ Dabei ist die digitale Variante nicht zwingend notwendig, erklärt Vanessa Pudlo von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). „Das ist lediglich eine Ergänzung zum Papierausweis, der nicht seine Gültigkeit verliert, nur weil es nun Zertifikate in einer App gibt.“

Nicht jede Praxis hat die Mittel für die Ausstellung des QR-Codes

Pudlo rät deswegen den Menschen, die den digitalen Impfnachweis nicht sofort brauchen, einfach geduldig zu sein und abzuwarten bis das System wieder nutzbar ist. Und das soll schon sehr bald passieren. Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte, würden Apotheken bereits in der kommenden Woche nach und nach wieder Zugriff zu dem entsprechenden Portal bekommen.

Bis dahin und auch grundsätzlich können Hausärzte ebenfalls die QR-Codes aushändigen, sind dazu aber nicht verpflichtet. Doch nicht jeder Arzt hat im Moment auch die Mittel dazu, weiß Dr. Arne Krüger, Sprecher der Hausärzte in Lünen. In seiner Praxis gebe es beispielsweise momentan eine Umstellung der EDV, sodass niemand einen digitalen Impfnachweis erhalten kann.

Impfzentrum ist keine Lösung in der momentanen Lage

Unter normalen Umständen sei es aber selbstverständlich, die Ausstellung der QR-Codes in einem gewissen Rahmen zu leisten. Für den 46-Jährigen hat das Ganze aber auch etwas mit Anspruchsdenken zu tun. „Wenn irgendwann der Alltag darunter leidet, werden die Hausärzte auch keine Zertifikate mehr ausstellen können, um die Routine nicht zu gefährden“, erklärt Krüger.

Impfzentren sind in der aktuellen Situation keine Anlaufstelle, um einen QR-Code zu erhalten. „Das geht nur für die Menschen, die dort auch gegen Corona geimpft wurden“, erklärt Pudlo. Eine nachträgliche Ausstellung sei deswegen nicht möglich. Die Mitarbeiterin der Kassenärztlichen Vereinigung kommt zu dem Schluss, dass der QR-Code zwar bequemer sei und auch etwas sicherer, da ein verlorener Impfpass einige Probleme mit sich ziehen kann. Die Leute sollten aber nicht direkt in Panik verfallen.

Apotheker Volker Brüning muss nun noch einige weitere Tage seine Kunden vertrösten. Für ihn ist die Lage ziemlich ermüdend: „Es sollte ein zusätzliches Mittel sein, um die Krise zu bewältigen und dann kommt wieder etwas dazwischen. Aber jedes System ist angreifbar“, erklärt er.

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