Für Schüler: Lüner Lehrer soll Ampel steuern dürfen

Wegen fehlender Brücke

Die Fußgängerbrücke Kurt-Schumacher-Straße in Lünen wird wegen Schäden an der Bausubstanz abgerissen. Ein Neubau oder eine Unterführung stehen zur Diskussion. Die Stadtspitze schlägt jetzt überraschend eine neue Lösung für den Schulweg der Geschwister-Scholl-Schüler vor. Per Handy soll ein Lehrer die Ampel auf Grün setzen dürfen.

LÜNEN

, 15.09.2017, 18:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am 1. März 2017 demonstrierten Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule auf der Brücke Kurt-Schumacher-Straße. Die Botschaft damals: Ersatzloser Abriss kommt nicht in Frage, ein Neubau wäre am besten.

Am 1. März 2017 demonstrierten Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule auf der Brücke Kurt-Schumacher-Straße. Die Botschaft damals: Ersatzloser Abriss kommt nicht in Frage, ein Neubau wäre am besten.

Die marode Brücke nutzen die Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, um zur Turnhalle und zurück zu gelangen. Überraschend liegt jetzt ein neuer Vorschlag auf dem Tisch, wie die Schüler auch ohne Brücke zum Sportunterricht kommen könnten.

Die Stadt will die Ampelanlage an der viel befahrenen Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße / Kamener Straße / Viktoriastraße so programmieren, dass ein Lehrer „mit einem fest zugeordneten Mobiltelefon“ per Bluetooth Grün anfordern kann und die Schüler dann auf ihrem Weg zur Rundsporthalle in einem Rutsch die Kurt-Schumacher-Straße überqueren können. Auf dem Rückweg natürlich auch.

Der geplante Abriss der Brücke Frühjahr 2017 zum Politikum. Ursprünglich sollte eine Fußgängerampel an gleicher Stelle die Brücke ersetzen. Noch eine Ampel auf der vierspurigen Hauptverkehrsstraße? Die meisten Politiker reagierten allergisch auf diesen Plan.

Schulleiter ist mit Bluetooth als Übergangslösung einverstanden

Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule demonstrierte am 1. März für einen Brückenneubau. Die Alternativen – Ampelquerungen oder die Nutzung des Fußgängerunterführung Stadttorstraße – seien zu zeitraubend oder zu unsicher. Mehrmals täglich müssten bis zu 80 Schüler die Schumacher-Straße überqueren.

An dieser Position, so Schulleiter Christian Gröne am Freitag auf Anfrage, habe sich im Prinzip nichts geändert. Mit der Ampelschaltung per Bluetooth sei er deshalb zwar einverstanden, aber nur für die Übergangszeit vom Abriss der alten Brücke bis zu einem erhofften Neubau. Als Übergangslösung sei es ihm auch von der Stadtverwaltung dargestellt worden.

Stadt schlägt Technik als Dauerlösung vor - aus Kostengründen

Die Stadt schlägt der Politik die Technik nunmehr aber als Dauerlösung zum Beschluss vor. Der Rat hatte die Verwaltung allerdings am 2. März beauftragt, zwei Alternativen zur Fußgängerampel prüfen und rechnen zu lassen – nämlich Neubau und Unterführung. Mit dieser Prüfung müssten externe Ingenieurbüros beauftragt werden, argumentiert die Verwaltung jetzt. Und das koste „sicherlich“ mehr als 25.000 Euro.

Die Summe von 25.000 Euro wird genannt, weil exakt dafür, so die Stadt, die Umrüstung der Ampelanlage auf Grün-Anforderung per Bluetooth zu haben wäre. Ein weiterer Vorteil sei die kurzfristige Umsetzbarkeit, noch vor dem Abriss der Fußgängerbrücke. Er steht wahrscheinlich 2018 an.

Einfluss auf Grüne Welle „vernachlässigbar“

In die Grüne Welle auf der Kurt-Schumacher-Straße werde zwar „negativ eingegriffen“, doch die Stadt stuft den Einfluss der Grün-Anforderung für die Schüler als „vernachlässigbar“ ein. Anschließend kehre die Ampelanlage wieder in ihr normales Programm zurück.

Die Politik befasst sich am 20. September erstmals mit dem Thema. Um 17 Uhr tagt im Rathaus der Ausschuss für Sicherheit und Ordnung.

Das ist Bluetooth
Die Bluetooth-Technik wurde in den 1990er Jahren entwickelt und ermöglicht die Datenübertragung zwischen Geräten auf kurze Distanz per Funk.
Die Technik kommt zum Beispiel bei Freisprechanlagen in Autos oder bei schnurlosen Kopfhörern zum Einsatz.
Bluetooth heißt übersetzt Blauzahn. Laut Fachzeitschrift PC-Welt geht der Name auf den dänischen Wikingerkönig Harald Blauzahn zurück, der für seine Kommunikationsfähigkeit bekannt war.
An der Bluetooth-Entwicklung waren die skandinavischen Firmen Ericsson und Nokia beteiligt.

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