Wegen Corona-Schutzmaßnahmen können Angehörige Kleidung etc. für Patienten nur am Eingang abgeben und nicht direkt im Krankenzimmer abgeben. © Goldstein
Übergabe am Eingang

Gebiss von Lünerin im St.-Marien-Hospital verschwunden

Nach der Übergabe am Eingang des St.-Marien-Hospitals ist das Gebiss einer Lünerin (89) spurlos verschwunden. Kostenpunkt: rund 2000 Euro. Die Krankenhausleitung verspricht eine Lösung.

Wenn jemand ins Krankenhaus kommt, bringen ihm oft Angehörige noch Sachen in die Klinik. In Corona-Zeiten dürfen die Angehörigen die Sachen jedoch nicht direkt ans Bett des Patienten stellen, sondern müssen es am Eingang abgeben.

Das tat auch der Lüner Heiner Weber (Name geändert), als seine 89-jährige Mutter ins St.-Marien-Hospital eingeliefert wurde. Der Sohn brachte am 5. Oktober zwei Tüten an die Eingangspforte.

„In einer Tüte war unten dann auch der Gebiss-Unterkiefer, eingewickelt in einem Küchenpapier“, sagt Weber. Er wunderte sich, dass er keine Quittung oder einen Beleg für die abgegebenen Sachen bekommen hat.

Dazu sagt Axel Weinand, Geschäftsführer des Klinikums, auf Anfrage: „Gegenstände, die für Patienten in unserem Eingangsbereich abgegeben werden, werden sofort in einem speziellen Programm dokumentiert. Dieses System hat sich mittlerweile tausendfach bewährt und es gab bislang keine größeren Beschwerden, dass etwas abhandengekommen ist.“

Seit acht Wochen verschwunden

Anders als im Fall von Weber und seiner Mutter. Bei der das Unterkiefer-Gebiss bis heute verschwunden ist. Acht Wochen, nachdem der Sohn es abgegeben hat. Dass es nicht bei seiner Mutter im Krankenzimmer angekommen war, erfuhr er erst durch einen Anruf der alten Dame aus dem Krankenhaus.

Bei den Gegenständen die im Krankenhaus abgegeben werden, handele es sich fast ausschließlich um Taschen, deren Inhalt die Mitarbeiter des Klinikums aufgrund des enormen, nicht zu bewerkstelligenden Zeitaufwandes nicht erfassen und es deshalb dafür auch keine Quittung gebe, so Weinand.

Aus diesem Grund weise man auch darauf hin, dass am besten gar keine Wertgegenstände abzugeben sind.

Weinand: „Unabhängig davon kommt es auch immer wieder vor, dass Zahnprothesen abgegeben werden bzw. die Angehörigen teilen mit, dass sich in der Tasche auch eine Zahnprothese befindet. In diesen Fällen werden Zahnprothesen explizit dokumentiert.“ Auf die Zahnprothese hinzuweisen hat Weber versäumt, gibt er zu. „Ich hab nicht daran gedacht, darauf aufmerksam zu machen, dass ein Gebiss in der Tasche ist.“

Dennoch wundert er sich – alle abgegebenen Sachen seien vom Klinikpersonal ausgepackt und im Schrank des Krankenzimmers deponiert worden. Doch das Gebiss tauchte nicht auf, blieb verschwunden.

Unbürokratisch Verlust erstatten

In vielen Fällen, so Weinand, könnten sich die Mitarbeiter auch erinnern, wenn eine Zahnprothese separat abgegeben wurde. „Unabhängig davon ist es in unserem Klinikum geregelt, wenn Dinge in unserem Haus abhandenkommen und es klar ist, dass wir das zu verantworten haben, wir schnell und unbürokratisch den Verlust erstatten“, sagt der Geschäftsführer.

Der Fall von Weber und dessen Mutter treffe auf „eine aktuelle Schadensmeldung zu, die bei uns in Bearbeitung ist. Aus Datenschutzgründen werde ich keinen Namen nennen.“

Es sei aber dokumentiert worden, dass der Sohn am 5. Oktober eine Tasche abgegeben habe. Eine Zahnprothese sei nicht dokumentiert, auch der diensthabende Mitarbeiter könne sich nicht daran erinnern und es sei auch keine Prothese gefunden worden, die nicht zugeordnet werden konnte.

Umfangreiche Recherche

„Der zeitliche Ablauf bezüglich des Verlustes der Zahnprothesen hat bei uns mehrere Fragen aufgeworfen und zu einer umfangreichen Recherche geführt“, sagt Weinand. Denn auch daran übt Weber Kritik: „Mir hat man immer wieder bei meinen Anrufen auf der Station und dann auch bei der Pflegedienstleitung Rückrufe zugesagt, die aber niemals kamen.“

Eine gute Woche, nachdem der Sohn die Prothese abgegeben hatte, meldete sich die Mutter beim Pflegepersonal und sagte, dass sie ihren künstlichen Unterkiefer vermisst. Weinand: „Es wurde eine Verlustmeldung erstellt. In der Verlustmeldung ist dokumentiert, dass der Sohn der Patientin benachrichtigt wurde.“

Da der Verbleib der Zahnprothese bis heute nicht geklärt werden konnte, habe das Klinikkum den Vorgang zwischenzeitlich seinem Haftpflichtversicherer zur weiteren Bearbeitung und Entscheidung übergeben.

Versicherung kontaktierte Sohn

Und hier tut sich nun was, so Weinand am Donnerstag (3.12.) nach einem Telefonat von ihm mit der Versicherung: „Der zuständige Mitarbeiter wird sich noch heute oder morgen mit dem Anspruchsteller in Verbindung setzen. Er wird versuchen, ihn vorab telefonisch zu erreichen, um das weitere Procedere zu besprechen.“

Dass die Bearbeitung der Verlustmeldung deutlich länger gedauert habe als normalerweise im Klinikum üblich, bedauert Weinand. Hat dafür aber auch eine Erklärung: Es sei den aktuellen Umständen und Krankheitsständen geschuldet und der Tatsache, dass eine Vielzahl von Mitarbeitern befragt wurde.

Der Krankenhaus-Geschäftsführer sagt aber auch: „Ich muss dem Sohn allerdings Recht geben, dass das Beschwerde-Management hätte besser funktionieren müssen. Normalerweise bekommen die Beschwerdeführer zeitnah eine schriftliche Rückmeldung.“ Über das Beschwerde-Management des Krankenhauses hatte sich Weber sehr geärgert: „Das war eine glatte 6.“ Nun scheint es aber ein Happy-End zu geben. Immerhin hatte der verloren gegangenen Gebiss-Unterkiefer einen Wert von etwa 2000 Euro, so der Sohn. Weinand am Donnerstagabend: „Der Versicherer hat mir gerade mitgeteilt, dass mit dem Sohn gesprochen wurde und der Verlust nun reguliert wird.“

Für künftige Fälle bittet er die Angehörigen, wenn sie etwas für Patienten abgeben, explizit darauf hinzuweisen, wenn eine Zahnprothese dabei ist.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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