Die Wirtschaftsförderung Lünen ist im Lüntec mit seinem Wahrzeichen, dem Colani-Ufo, untergebracht. Die Politik sieht die Arbeit des WZL kritisch. © Goldstein
Wirtschaftsförderung

Gegenteil von Vertrauen? Drei-Jahres-Vertrag für Wirtschaftsförderung Lünen

Sparsam geguckt hat Eric Swehla, als der Rat das WLZ nur für drei weitere Jahre mit der Wirtschaftsförderung der Stadt betraut hatte. Und nicht für zehn. Dabei geht es um Zukunftsprojekte.

Wasserstoff gilt als der Energieträger der Zukunft: ein Schlüsselelement, um die Energiewende zu schaffen. Wer es klimafreundlich herstellen kann, ermöglicht es, die CO2-Emissionen da deutlich zu reduzieren, wo die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien noch nicht ausreicht – zum Beispiel im Schwerlastverkehr und bei der Binnenschifffahrt. Das ist nur eines der echten Zukunftsthemen, um die sich die Lüner Wirtschaftsförderung gerade kümmert.

Umfassendes Angebot in Sachen Wasserstoffmobilität

„Wir können hier in Lünen die gesamte Wertschöpfungskette für Wasserstoff abbilden“, sagte Eric Swehla, Geschäftsführer des Wirtschaftsförderungszentrums Lünen, am Donnerstag (26.11.) während der Sitzung des Stadtrates. Stolz und Zuversicht klangen da noch in seiner Stimme mit.

Auch als er von dem Kompetenz-Cluster sprach, das die Chancen der Digitalisierung in Lünen nutzbar machen will, sowohl für die Industrie als auch für kleine und mittlere Unternehmen, war das so. Ebenso als die Rede auf die Kooperation mit der Universität Venlo kam und die Bemühungen, auf dem Viktoria-Gelände Hochschul-Institute anzusiedeln. Erst recht, als er über die künftige Nutzung des Steag-Geländes spricht: einer Fläche, auf der er emissionsarme und zukunftsfähige Betriebe mit tariflich bezahlten Arbeitsplätzen sieht. Später sollte sich das ändern.

Investitionen im neunstelligen Bereich stehen bevor

Von „Investitionen im neunstelligen Bereich“ spracht Swehla mit Blick auf Verhandlungen, die er und sein Team dazu führen. Der Bund soll mit Mitteln aus dem Kohleausstiegsgesetz helfen, das den Strukturwandel bis 2038 regelt. Mögliche Partner, die so viel Geld bereit seien, nach Lünen zu bringen, wollten wissen, „ob sie es in ein paar Jahren immer noch mir den gleichen Gesprächspartnern zu tun haben werden wie jetzt“. Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns hätte ihnen das gerne versichert – mit einem Betrauungsvertrag für das WLZ über zehn Jahre. So wie sich das auch Swehla gewünscht hatte.

Nur drei Jahre, mehr nicht. Das beantragte die SPD-Fraktion. Im selben Zeitraum solle eine Prüfung der Strukturen und Abläufe erfolgen. Die weitere Zustimmung werde dann auf der Basis dieser Erkenntnisse erfolgen.

„Bitte haben Sie Verständnis, dass wir so vorgehen möchten“, sagte Martin Püschel in Richtung des versteinert blickenden WLZ-Geschäftsführers. Christoph Tölle, CDU-Fraktionssprecher, sah das genauso. „Nach drei Jahren können wir dann auch gerne über einen längeren Zeitraum sprechen“ – je nachdem, wie die Evaluation ausfalle. Auch die Grünen stimmten zu.

Zehn Jahre, sechseinhalb, fünf oder drei?

„Wir möchten aber die Abstimmung verschieben“, sagte GFL-Fraktionsvorsitzender Prof. Dr. Johannes Hofnagel. Die GFL wünsche sich mehr Zeit zur Meinungsbildung. Es lohne sich, darüber nachzudenken, ob sich die WLZ etwa um Liegenschaften kümmern müsse. Aber auch Swehlas Argumente verstehe er, „obwohl ich nicht glaube, dass er neben seiner Visitenkarte auch immer gleich den Betrauungsvertrag zeigen muss, wenn er Verhandlungen führen will“. Mustafa Kurz von den Linken hatte da mehr Verständnis: „Man kann niemanden zum Verhandeln schicken, und ihm gleichzeitig die Hände verbinden.“

Peter Herbertz (AfD) sah es kritisch, einen Betrauungsvertrag über zehn Jahre abzuschließen und damit den nächsten Rat vor vollendete Tatsachen zu stellen. Drei Jahre seien aber auch zu wenig. Er schlug deshalb fünf Jahre vor. Gabriele zum Buttel von den Freien Wählern sechseinhalb Jahre, damit die nächste Diskussion nicht in den Wahlkampf falle.

Sie mahnte ihre Kolleginnen und Kollegen, dass das Team des WLZ einen Vertrag über drei Jahre als Abstrafung sehen müsse. Der letzte Vertrag lief über sechs Jahre. „Das ist nicht: Vertrauen aussprechen, sondern das Gegenteil.“

Die Mehrheit des Rates entschied dennoch für drei Jahre.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
Zur Autorenseite
Sylvia vom Hofe

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt