Geld für Renovierung abgebucht, die es nie gab: Verwalterin vor Gericht

mlzUntreue

Zwei größere Beträge waren vom Konto einer Eigentümergemeinschaft in Lünen abgebucht worden - doch eine Renovierung gab es gar nicht. So fiel der Verdacht auf die Hausverwalterin.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 29.07.2020, 08:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vom Rücklagenkonto einer Eigentümergemeinschaft in Lünen wurden vor zwei Jahren ohne plausiblen Grund zwei größere Beträge abgebucht. Als das auffiel, geriet die Hausverwalterin in Verdacht, das fremde Geld veruntreut zu haben. Der Vorwurf bescherte ihr schlaflose Nächte und nun auch ein Strafverfahren.

Insgesamt knapp 8000 Euro wurden im Juli 2018 für Renovierungsmaßnahmen von dem Konto abgebucht. Tatsächlich hatte es die Arbeiten an dem Haus nie gegeben. Das Ganze kam ans Licht. Die Verwalterin überwies den Betrag sofort von ihrem Privatkonto aus zurück. Vor einer Strafanzeige wegen Untreue konnte das die 57-jährige Lünerin, die sich zuvor nie etwas zu Schulden kommen ließ, allerdings nicht bewahren.

Sichtlich angespannt erschien sie nun zu ihrer Verhandlung vor dem Amtsgericht und brannte regelrecht darauf, das Ganze zu begründen. Über Jahre habe sie das Objekt betreut und es seien im Zuge von Überprüfungen nie Fehler festgestellt worden. Dann sei es zu den Fehlbuchungen gekommen. Erfahren habe sie davon im Urlaub. Von dort aus habe sie aber keinen Zugriff auf die Konten der Verwaltungsfirma gehabt.

Todesfall als Begründung

Um das Ganze schnell in Ordnung zu bringen, habe sie den Betrag deshalb von ihrem Privatkonto aus erstattet. „Für mich war die Sache damit eigentlich erledigt“, betonte sie und machte damit deutlich, keinesfalls mit einer Anzeige gerechnet zu haben. Auch hatte sie eine Begründung für die Fehlbuchungen. Damals habe es in der Familie einen Todesfall gegeben. „Ich weiß, solche Dinge dürfen nicht passieren. Aber ich habe meinen Kopf zum Teil woanders gehabt.“

Auch habe sie die Verwaltung des Objekts im gegenseitigen Einvernehmen beendet. Der Rechtsanwalt der Lünerin betonte zudem: „Es gibt keine Nachteile für die Eigentümer.“ Auch wies er darauf hin, dass die beiden Beträge das Konto der Hausverwaltung nie verließen, also nicht auf einem privaten Konto geparkt wurden.

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Die Anklagevertreterin fasste es schließlich zusammen: Die Beträge seien damals sehr schnell zurückgeflossen und das Ganze liege bereits länger zurück. Sie regte die Einstellung des Verfahrens an. Das sah der Strafrichter nicht anders: „Dass das hier quasi nach einer Einstellung schreit, da sind wir uns alle einig“, erklärte er. Und genau das geschah.

Das Verfahren wurde ohne Auflagen und auf Kosten der Landeskasse eingestellt. Die Lünerin verbarg ihre große Erleichterung mitnichten. „Ich hatte vor diesem Termin wirklich Magengrummeln. Ich mache diese Arbeit seit 30 Jahren und habe nie auf der Anklagebank gesessen“, versicherte sie.

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