Goldwäscher des Gestrigen

BRAMBAUER „Geschichte gehört allen.“ Ende des Zitats und Anfang einer Geschichte über einen, der eine Goldwäsche des Gestrigen betreibt. Hobbymäßig hat André Walter die Lupe auf der Zeit und wird als Heimatkundler immer gefragter.

von Von Karl-Heinz Knepper

, 05.01.2008, 08:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jüngster Fingerabdruck: Sein kartografisches „Gesellenstück“. Ein Stadtteilplan. Ein verwinkelt verlaufendes Adernwerk aus Straßenzügen, Namen, Ortschaften. Und weil der 24-jährige angehende Stadtinspektor im „Brambauer Forum“ regelmäßig seine ortsgeschichtlichen „Ausgrabungen“ zum Besten gibt, kann sich im Forum auch jeder seinen aktuellen Stadtteilplan herunterladen.

André Walters Herzschlag für Heimatkunde und Ortshistorie setzte der Zufall in Gang. „Es war vor fünf oder sechs Jahren, da fiel mir eine alte Fotografie von der Heinrichstraße, an der ich damals wohnte, aus den 40er Jahren in die Hände. Das hat bei mir wohl etwas ausgelöst. Damals fing ich an, mich für Heimatgeschichte zu interessieren.“

Kooperativer Unterstützer gefunden

Freundin Sarah, mit der André zusammenwohnt, bringe seinem Hobby Verständnis entgegen. Ob sie seine Neigung teile? Andrés Kopfschütteln hat keine Chance, als ein überzeugtes Ja wahrgenommen zu werden. Er will, sagt er, an die faktischen Ausgrabungsarbeiten der lokalen Geschichte möglichst wissenschaftlich herangehen.

Im Lüner Stadtarchiv, speziell in Archivar Freddy Niklowitz, hat er einen kooperativen Unterstützer gefunden. Während viele Heimatkundler und Vergangenheits-Beschnupperer ihren Fokus gerne auf einen bestimmten Schwerpunkt richten, forscht André in die Breite.

Seltene Dokumente aus Bayern

Schwerpunkte? „Na ja“, sagt er, „einmal ist es die Geschichte um das Brambauer Wappen, die immer noch nicht vollständig aufgeklärt ist, zum Anderen finde ich eine Serie von Luftbildern aufschlussreich, die im März 1945 von Brambauer gemacht worden ist.“ Diese seltenen Dokumente hat André einer Firma aus Bayern abgekauft. Das Angebot stand im Netz. André sagt, er wühle nicht nur in der Vergangenheit, er wolle Geschichte vor allem für die Zukunft festhalten.

In sein Sammeln, Suchen und Studieren von Quellen ist jedoch gerade etwas Ruhe eingekehrt. „Ich muss mich jetzt auf meine Klausuren vorbereiten.“ Trotzdem steigt ihm das Aroma des Ehrgeizes in die Nase: Irgendwann, sagt André, vielleicht in vier oder fünf Jahren, möchte er ein Buch über die Geschichte Brambauers herausgeben.

 Zeit-Lupe in der Hand

Brambauer? Was findet der 24-Jährige, der in Alstedde aufgewachsen ist, an Brambauer? Ein Stutzen. Ein Nachdenken. Dann wird Luft geholt, wird versucht, etwas, was kaum zu beschreiben ist, zu beschreiben: „Na ja, das Image von Brambauer ist ja nicht das Beste, aber ich finde es ganz schön. Je länger ich hier lebe, desto mehr gefällt es mir.“

Der kleine Goldwäscher des Gestrigen, der ambitionierte Heimatkundler mit der Zeit-Lupe in der Hand, hat den Stadtteil mit einem Kompliment frisiert.

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