Große Nachfrage, aber weiter Aufnahmestopp in Gahmener Ausgabestelle

Tafel in Lünen bekommt weniger Lebensmittel

In Lünen gibt es seit zwölf Jahren eine Ausgabestelle der Tafel Unna. Die Bedingungen für die Organisatoren sind in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Es gibt weniger Lebensmittel, die Nachfrage ist aber weiterhin groß. Seit einem Jahr gibt es einen Aufnahmestopp.

LÜNEN

, 24.02.2018, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die ehrenamtliche Vorsitzende der Tafel Ulrike Trümper (2.v.l.) mit vier erfahrenen Ehrenamtlichen in der Ausgabestelle Gahmen: Jennifer von der Grün (v.l.), Gerd-Peter Grundmann, Andrea Strathmann und Gabriele Utendorf.

Die ehrenamtliche Vorsitzende der Tafel Ulrike Trümper (2.v.l.) mit vier erfahrenen Ehrenamtlichen in der Ausgabestelle Gahmen: Jennifer von der Grün (v.l.), Gerd-Peter Grundmann, Andrea Strathmann und Gabriele Utendorf. © Beate Rottgardt

In der Ausgabestelle Gahmen Am Lindeneck können sich 110 Berechtigte jeden Donnerstag ab 11.30 Uhr Lebensmittel abholen. Sie zahlen eine Gebühr, die sich nach der Zahl der jeweils zu Versorgenden richtet. Dann bekommen sie eine Kiste, die es in drei Größen gibt, und holen sich die Lebensmittel, die zur Verfügung stehen. Über die Bedingungen und Schwierigkeiten derzeit, berichten die ehrenamtliche Vorsitzende Ulrike Trümper und Gerd-Peter Grundmann. ehrenamtlicher Mitarbeiter in Gahmen, im Interview.

Wie viele Menschen versorgen Sie zurzeit in der Ausgabestelle in Gahmen?

Grundmann: Es sind 110 Berechtigte, einige sind alleine, andere kommen für Großfamilien mit bis zu neun Personen. Im Durchschnitt kann man sagen, pro Berechtigten werden drei Menschen versorgt. Wir gehen von 350 Personen aus, die wir derzeit versorgen. Auf der Warteliste stehen 60 Leute. Wir können nur neue aufnehmen, wenn andere Berechtigte ausscheiden.

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Die Tafel in Essen will nur noch Berechtigte mit deutschem Pass versorgen. Wie ist das bei der Unnaer Tafel?

Trümper: Wir machen keine Unterschiede, es wird niemand bevorzugt. Natürlich gibt es eine größere Nachfrage, seit die Zahl der Asylberechtigten gestiegen ist, die berechtigt sind, bei der Tafel einzukaufen. Der Aufnahmestopp gilt für alle Ausgabestellen und für alle, die jetzt bei uns einkaufen wollen. Egal ob Deutsche oder Asylberechtigte.

Was zahlen die Berechtigten pro Kistenfüllung?

Trümper: Zwei Euro für die kleinste Kiste, also für Alleinstehende, bis zu fünf Euro für die größte Kiste – das richtet sich nach der Personenzahl, für die einverkauft wird.

Gibt es denn genügend Lebensmittel?

Trümper: Leider nicht. Es gibt derzeit ein Umdenken in den Geschäften und damit weniger Waren, die bei der Tafel landen. Die Geschäfte bestellen nicht mehr so viel, es bleibt nicht mehr so viel übrig. Wir bekommen kaum noch Milchprodukte. Auch die Fahrten, um Lebensmittel zu bekommen, werden länger. Jetzt waren wir gerade in Osnabrück und haben bei einer Fabrik eine Überproduktion von Nudelgerichten abgeholt. Zum Glück kooperieren wir mit vielen Tafeln, die uns auch mit Lebensmitteln unterstützen. So haben wir kürzlich Aufbackbrötchen von der Dortmunder Tafel für Lünen bekommen. Auch Gemüse ist derzeit knapp – der Jahreszeit geschuldet. Im Sommer ist das einfacher. Die Durststrecke dauert immer so bis Ostern. Aber auch danach ist es nicht so wie vor ein paar Jahren, dass wir in Lebensmitteln schwimmen.

Grundmann: Heute hatten wir eine Kiste Tomaten – bei 110 Berechtigten viel zu wenig. Teilweise helfen wir uns dann mit lange haltbaren Konserven, wenn gar kein frisches Gemüse mehr da ist.

Trümper: Wir haben auch zu wenig Backwaren. Durch die Backshops in den Supermärkten werden weniger Brote und Brötchen als früher gebacken und es bleibt so weniger für die Tafeln.

Haben Sie genügend Ehrenamtliche?

Trümper: Momentan haben wir 120 Ehrenamtliche, in Lünen stehen sogar Leute auf der Warteliste. Das Problem ist, dass in vielen Ausgabestellen meist ältere Mitarbeiter sind. Auch unsere Fahrer sind älter, der älteste schon weit über 70. Wir brauchen Menschen, die fahren und schleppen können, damit wir die Lebensmittelspenden abholen und an die Ausgabestellen verteilen können. Einsatzort ist Unna-Könighsborn.

Dort arbeiten Sie ja auch mit Mitarbeitern aus Maßnahmen der Agentur für Arbeit. Ist das auf Dauer gesichert?

Trümper: Leider nein. Wir haben 60 Mitarbeiter aus dem Programm „soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“. Wie jedes Jahr steht das Ganze jedoch auf der Kippe, weil es nur bis Ende des Jahres läuft und wir noch nicht wissen, ob und wie es weitergeht. Sollte es nicht weitergehen, müssen wir die Tafel Unna mit den Ausgabestellen dicht machen. Aber ich denke, dass es dann ein Nachfolgeprojekt geben wird.

Bekommen Sie in Lünen Unterstützung?

Trümper: Als wir angefangen haben, haben wir oft gehört, es gebe doch keinen Bedarf. Und wir mussten lange suchen, bis wir die Räume in Gahmen bekamen. Ich kann sagen, ohne Friedhelm Deuter und den Bauverein (Deuter war hauptamtlicher Chef des Bauvereins, Anm.d. Red.) wären wir nicht in Lünen. Der Bauverein stellt uns die Räume zur Verfügung und unterstützt uns weiter. Auch die Soroptimisten (Club engagierter Frauen, Anm. d. Red.) veranstalten jedes Jahr im Mai eine große Spendenaktion. Und es gibt auch immer wieder Spender. Aber es wird leider weniger, das haben wir auch Ende des Jahres gemerkt. Dabei brauchen wir Geldspenden dringender als früher. Wegen der festen Kosten für die Fahrzeuge und den Sprit. Unser großer Kühlwagen, den wir gebraucht bekommen haben, wird wohl in drei Monaten endgültig nicht mehr zu gebrauchen sein. Ein neuer kostet 40.000 Euro.

Die Unnaer Tafel mit ihren sieben Ausgabestellen braucht dringt Geldspenden, vor allem für Sprit und Fahrzeuge. Spendenkonto bei der Sparkasse Lünen: IBAN DE50 4415 2370 0007 0050 36
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