Hamsterkäufe wegen Coronavirus: Lüner braucht Desinfektionsmittel für kranke Frau - alles weg

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Toilettenpapier, Nudeln - und Desinfektionsmittel. Unvernünftige Menschen horten das momentan, obwohl vor allem letzteres für manche momentan lebenswichtig ist. Ein Lüner ärgert sich.

Lünen

, 22.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Kunibert Kampmann weiß nicht mehr weiter. Eine vernünftige Lösung für sein Problem scheint es nicht zu geben. Kampmann pflegt seine schwer kranke Frau in den eigenen vier Wänden. Und braucht dafür weiterhin, wie seit jeher, Desinfektionsmittel. Nur: Wo er auch fragt, er findet keines.

Vorrat geht zu Ende

„Ich selber mache keine Hamsterkäufe und lehne das ab“, sagt das GFL-Ratsmitglied, auch deshalb gehe ihm jetzt langsam der Vorrat an Desinfektionsmitteln aus. Wie üblich wollte er bei einer Apotheke einkaufen. Fehlanzeige, genauso wie bei allen anderen Apotheken. Dass die jetzt auch selbst Sterilium herstellen dürfen, nützt offenbar nichts: „Es hieß, dass der Grundstoff dafür momentan nicht mehr zu bekommen sei“, so Kampmann.

Nach dem Erscheinen des Print-Artikels am Samstag (21.3.) haben die Redaktion und Kunibert Kampmann viele Hilfsangebote bekommen - viele Menschen wollten ihm Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen. Kunibert Kampmann bedankt sich für die Solidarität und bittet darum, von weiteren Hilfsangeboten abzusehen - schließlich möchte er nicht selbst anfangen zu horten.

Dann wollte er das Desinfektionsmittel bei einer Firma bestellen. Die jedoch liefert erst einmal nur noch an Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen. Statt über die offiziellen Kanäle, versucht Kampmann es jetzt im Internet. Beim Online-Versteigerer Ebay hat er zugeschlagen. Nur: Für eine Flasche, die normalerweise 6 Euro kostet, zahlt er jetzt das Zehnfache. Diese Situation sei auf Dauer schwierig. „Und mit diesem Problem bin ich ja nicht alleine.“

Viele pflegende Angehörige in der Situation

Immerhin werden deutschlandweit (Stand Ende 2017) 2,59 Millionen Menschen zu Hause versorgt, davon 1,76 Millionen ausschließlich von Familienangehörigen. Viele werden vor ähnlichen Problemen stehen.

Eine Lösung gibt es möglicherweise trotz allem in den Apotheken. Die bestätigen zwar, dass der Grundstoff zur Eigenherstellung des Desinfektionsmittels rar werde. Apothekerin Susanne Streich aus Brambauer verweist auf eine Mitteilung der Apothekerkammer.

100 Flaschen pro Tag

Demnach dürfen Apotheken jetzt auch steuerfreien Alkohol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln nutzen. Das könnte den Versorgungsengpass mindern.

Von morgens bis abends arbeiteten drei Mitarbeiter in ihrer Apotheke an der Herstellung von Desinfektionsmitteln. Heraus kommen 100 Flaschen pro Tag, von denen 50 direkt an Ärzte gehen. Der Rest wird verkauft - und zwar pro Person nur eine Flasche.

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