Hans W. Geißendörfer stiftet neuen Preis "60+"

Kinofest Lünen

Regisseur und Produzent Hans W. Geißendörfer stiftet einen neuen Preis beim Lüner Kinofest - passend zur 25. Auflage des Festivals im November. Zu seinen Beweggründen und der Zukunft des deutschen Films befragte Beate Rottgardt den "Lindenstraßen"-Erfinder.

LÜNEN

, 16.09.2014, 15:11 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hans W. Geißendörfer, der Vater der "Lindenstraße" unterstützt das Lüner Kinofest.

Hans W. Geißendörfer, der Vater der "Lindenstraße" unterstützt das Lüner Kinofest.

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Mike und ich haben eine gemeinsame Vergangenheit durch gemeinsame Filmpolitik und cineastische Aktivitäten in NRW. Außerdem kenne ich ihn noch aus seiner frühen Münchner Zeit (ca. 1975 bis 1985) als sehr erfolgreichen Produzenten. Über die Jahre wuchsen eine geistige Verbindung und gemeinsame Ziele als Grundlage zur Freundschaft.

Klar – vor allem die Festivals, die all den Filmen eine Leinwand anbieten, die von den kommerziellen Verleihern nicht angenommen werden. Festivals geben dem Besucher sehr oft die Möglichkeit, die jüngsten und spannendsten Entwicklungen im Kino, sowohl beim Kommerzfilm als auch beim Arthouse Kino zu studieren. Aber noch wichtiger sind sie, um andere Filmemacher zu treffen, Menschen zu treffen, die das Kino oder den Film allgemein lieben und sich kreativ mit dem Medium auseinandersetzen.

Ich arbeite dran, zwei bis drei Tage dabei zu sein.

Nicht mehr ganz so rosig wie vielleicht vor fünf Jahren. Das hat mehrere Gründe: die jungen Leute, die auf den zahlreichen Filmakademien in unserem Lande ausgebildet werden und dann den Markt beleben wollen, sind oft sehr schnell zu Kompromissen bereit und arbeiten oft viel zu gefällig und angepasst. Künstlerischer und politischer Anspruch werden häufig vernachlässigt, um erstmal Kohle ranzuschaffen fürs Leben, oder auch erst mal überhaupt eine Produktion finanziert zu bekommen. Und die Mittel werden weniger. Sowohl Fernsehen als auch Filmförderung verfügen über weniger Finanzen. Die privaten TV-Anstalten koproduzieren so gut wie gar nicht mehr mit dem Kino und die öffentlich-rechtlichen haben, trotz Gebührenschwemme, weniger Geld. Dann gibt es gibt kaum noch Verleiher, die sich liebevoll um den kleinen deutschen Film kümmern wollen oder auch kümmern können. Das führt dazu, dass 70 Prozent der fürs Kino produzierten Filme gar nicht oder nur ein paar Tage im Kino zu sehen sind und sehr schnell in den Archiven verschwinden. Um diesen Filmen, von denen viele wunderbar gelungen sind – einige natürlich auch nicht – eine Heimat und eine Abspielstätte zu geben, habe ich mit zwei Freunden (Joachim von Vietinghoff und Andreas Vogel) vor einem Jahr die VoD Plattform www.alleskino.de gegründet. Alleskino ist die Internetplattform für den gesamten deutschen Film, wächst und wächst und sorgt auch dafür, dass die älteren und alten deutschen Filme aus den Archiven geholt werden, digitalisiert und für jeden greifbar und wieder sichtbar werden. Schau‘ n sie mal rein!

Filme machen, TV machen, ein bisschen Filmpolitik und alleskino machen und Lindenstraße noch besser und wichtiger machen, als sie schon ist. Sie denken, Sie haben schon alles gesehen? Dann gucken Sie mal Lindenstraße.

Das darf ich Ihnen im Detail nicht sagen. Nur so viel: Wir werden versuchen, weiter sehr aktuell und auch zubeißend zu sein, Unterhaltung ohne zu verdummen zu machen und so nah wie möglich an der bundesrepublikanischen Wirklichkeit entlang zu erzählen. Träume sind aber trotzdem erlaubt.

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Wenn Sie alle Möglichkeiten hätten – mit welchen Schauspielern würden Sie gern mal einen Film drehen? Das sind in Deutschland zu viele, um sie aufzuzählen, und international erst recht. Wir haben in Deutschland in jeder Altersgruppe heute eine große Anzahl hervorragender Profis. Trotzdem nenn ich Ihnen Bruno Ganz, Katharina Thalbach und Anna Maria Mühe. Aber sie sind wirklich nicht die Einzigen.

50 Filme
Das 25. Kinofest Lünen findet vom 13. bis 16. November in der Cineworld Lünen, Im Hagen 3, statt.
Zu sehen sind 50 kurze und lange, dokumentarische und fiktionale Filme. 
Jedes Jahr kommen 7000 bis 8000 Besucher.

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