Haus Lüggert schließt nach 54 Jahren - Wethmar verliert ein Stück Heimat

mlzHaus Lüggert

Wethmar ohne Haus Lüggert? Kaum vorstellbar. Und doch wird es Ende des Jahres so kommen: Die Traditionsgaststätte, seit Jahrzehnten Treffpunkt im Dorf, schließt. Die Gäste sind bestürzt.

Lünen, Wethmar

, 11.09.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Photoclub, Schützen, Feuerwehr, Angler, Radsportler, Fußballer: Sie alle fanden im Haus Lüggert an der Dorfstraße eine Heimat - seit Jahrzehnten. Genauso wie jene, die hier Hochzeiten und Taufen feierten oder sich nach einer Beerdigung trafen. Ende des Jahres wird das Geschichte sein. Die Lüggerts haben sich nach reiflicher Überlegung entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen.

Haus Lüggert schließt nach 54 Jahren - Wethmar verliert ein Stück Heimat

Susanne Lüggert und Sohn Alexander vor dem Haus Lüggert, das Mutter und Sohn Ende des Jahres aufgegeben werden. © Britta Linnhoff

Bei den Gästen habe das für Bestürzung gesorgt, erzählt Susanne Lüggert, die den Laden seit dem Tod ihres Mannes vor allem schmeißt. Aber auch für Verständnis. Denn: „Das hier kann man nicht nebenbei stemmen“, da sind sich Susanne Lüggert und ihr Sohn Alexander, der sie nach Kräften unterstützt, einig.

Karl-Heinz Lüggert starb vor sieben Jahren

Bis 2012 stand Karl-Heinz-Lüggert hinterm Tresen. Man ging zu „Kalle“, so nannten ihn alle. Für Kalle war die Gaststätte sein Leben. „Und so einen braucht man dafür“, sagt seine Frau Susanne Lüggert. Und so einen gibt es nun nicht mehr, denn beide, Mutter und Sohn, haben einen anderen Beruf.

Haus Lüggert schließt nach 54 Jahren - Wethmar verliert ein Stück Heimat

Karl-Heinz „Kalle“ Lüggert in seiner Gaststätte. Das Foto hängt auch heute noch in der Gaststätte. © Foto Lüggert / Repro Linnhoff

Dennoch: Als Karl-Heinz Lüggert vor sieben Jahren starb, „haben wir die Zähne zusammengebissen, und weitergemacht“, erzählen Alexander und Susanne Lüggert. Es sollte irgendwie weitergehen. Dass es noch so viele Jahre weiterging, davon seien sie damals erst mal nicht ausgegangen. Aber: Das 50-Jährige der Gaststätte im Jahr 2015, das wollten sie auf jeden Fall noch mitnehmen. Haben sie, und es ging Jahr um Jahr weiter.

Aber noch mehr Jahre „so weiter“, zu dem Ergebnis sind Mutter und Sohn gekommen, geht es eben nun nicht mehr: Beide haben ihre Berufe, man müsste sowohl ins Haus als auch in ein neues Konzept investieren. So nebenher sei das einfach nicht zu machen. Susanne Lüggert leitet eine Kita in Brambauer, Sohn Alexander hat Sport studiert und arbeitet heute für den Fußballverband und den BVB. Mutter Susanne ist 61. Es ist nicht mehr lang bis zur Rente, aber es gibt ja die beiden Enkelkinder. Die beiden Jungs sind zweieinhalb Jahre und drei Monate alt. Susanne Lüggert freut sich, für die beiden Zeit zu haben.

Wann genau das letzte Bier gezapft wird, ist noch offen

Also soll nun Schluss sein. Wann genau das letzte Bier an der Dorfstraße gezapft wird, ist noch offen. „Das überlegen wir uns noch“, sagen die beiden. Bis dahin wird es noch voll sein bei Lüggert. Nicht mehr so, wie früher vielleicht: „Als Oma und Papa das gemacht haben, war hier immer voll“, sagt der 37-jährige Alexander. Papa „Kalle“, der lange Zeit auch den Vogel für die Schützen schnitzte und die Oma, die Käthe, die die Gaststätte mit ihrem Mann Franz als erste führte.

Haus Lüggert schließt nach 54 Jahren - Wethmar verliert ein Stück Heimat

„Oma Käthes“ Werbung für ihre Gaststätte. © Foto Lüggert / Repro Linnhoff

Neben zeitgemäßem Interieur ist die Gaststätte voller Erinnerungen: Viele Fotos erinnern an große Zeiten des Hauses und der Vereine - mittendrin Familienfotos. Natürlich fällt der Abschied schwer, aber die Lüggerts haben bereits Pläne: Das Haus wird wohl abgerissen. Sie wollen neu bauen, ein Wohnhaus. Und trotz des radikalen Schnitts wird vom Haus Lüggert voraussichtlich vieles bleiben: „Viele Gäste haben schon Interesse an dem ein oder anderen Gegenstand angemeldet“, erzählt Susanne Lüggert.

Die Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr hat schon angekündigt, gerne eine der roten Sitzecken in seine Wache zu stellen. Die Deko an den Wänden, soll wohl auch mit. So wird zumindest eine Ecke aus dem Haus Lüggert die Schließung Ende des Jahres überleben.

Lesen Sie jetzt