Mit dem Videomikroskop untersucht Hautarzt Dr. Marcus Happe verdächtige Stellen auf der Haut. © Quiring-Lategahn
Krankenkassen zahlen

Hautkrebsvorsorge: Lüner Arzt mahnt Umgang mit tödlicher Krankheit an

Eigentlich zahlen Krankenkassen alle zwei Jahre eine Hautkrebs-Vorsorge. Doch die Zahl derjenigen, die sie nutzt, sinkt seit Jahren. Das ist besorgniserregend, findet ein Lüner Hautarzt.

Schauspieler Hugh Jackman leidet an hellem Hautkrebs und macht das auch öffentlich, um andere Menschen zu bewegen, zur Vorsorge zu gehen. In Deutschland sinken jedoch die Zahlen derjenigen, die die kostenlose Hautkrebs-Vorsorge in Anspruch nehmen.

Das findet der Lüner Hautarzt Dr. Marcus Happe besorgniserregend. „Es ist wichtig, zur Hautkrebs-Vorsorge zu gehen, denn dabei schauen wir, ob der Patient an hellem oder schwarzen Hautkrebs leidet.“ Bei Nicht-Behandlung kann so eine Erkrankung tödlich enden.

2020 Rückgang wegen Corona

Dass die Zahl derjenigen, die die Vorsorge genutzt haben, vor allem 2020 zurück gegangen ist, dürfte an der Corona-Krise und den Appellen gelegen haben, nur zum Arzt zu gehen, wenn es dringend nötig ist. Aber auch schon vor Corona sind die Zahlen gesunken, wie eine Statistik der Krankenkasse AOK Nordwest zeigt.

Waren 2014 noch 18,5 Prozent der AOK-Versicherten bei der Hautkrebs-Vorsorge, sank die Zahl 2020 auf nur noch 11,5 Prozent. 2019 waren es noch 15,1 Prozent. Der Anteil der Frauen lag mit 54 Prozent höher als der der Männer (46 Prozent). Über die Jahre sei ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten.

Öffentlichkeit nicht mehr so informiert

Diese offensichtliche Ermüdungserscheinung in Sachen Hautkrebs-Screening zeige sich in gewisser Weise auch bei seinen Patienten, so Dr. Happe. Ein Grund könne sein, dass im Moment die Aufklärungskampagne der Dermatologen nicht mehr so intensiv stattfindet wie in den Vorjahren. Da machte man mit vielen Plakaten auf die Gefahr des Hautkrebses aufmerksam. Happe: „Offenbar ist die Öffentlichkeit darüber nicht mehr so informiert.“

Der erfahrene Mediziner weist darauf hin, dass das Hautkrebs-Screening die einfachste Vorsorge für den Patienten ist. Der Arzt betrachtet die Haut des Patienten und kann Hautveränderungen feststellen. Immerhin erkrankt in Deutschland jeder 50. Mensch im Laufe seines Lebens am schwarzen Hautkrebs. Rechtzeitig erkannt, im frühen Stadium, kann man diese Krebsart gut behandeln. In anderen Fällen, in denen man zu lange wartet, kann schwarzer Hautkrebs auch tödlich enden.

Viele Kassen zahlen Vorsorge

Die Hautkrebs-Vorsorge wird von den meisten Krankenkassen ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre bezahlt. „Es gibt aber auch Krankenkassen, die schon eine Vorsorge für Kinder und Jugendliche zahlen“, so Happe. Er verstehe nicht, dass viele Leute dieses kostenlose Angebot der Vorsorge nicht nutzen.

Je nachdem, was der Arzt bei der Vorsorge feststellt, muss der Patient behandelt werden, müssen verdächtige Stellen entfernt und im Labor untersucht werden. Happe: „Natürlich schauen wir auch nach Formen des weißen Hautkrebses.“ In der Bundesrepublik erkranken jährlich rund 213.000 Menschen an dieser Hautkrebs-Form. Davon 77 Prozent am Basalzellkarzinom (Basaliom), das eher selten Metastasen bildet. 23 Prozent leiden am Plattenepithel-Karzinom (Spinaliom), bei dem es zur Metastasen-Bildung kommt. „Gerade auch nach dem weißen Hautkrebs muss man bei der Vorsorge schauen“, so der Lüner Hautarzt.

In Kindheit sorglos beim Sonnenbrand

Seit 17 Jahren praktiziert Dr. Happe in der Lippestadt, ist mittlerweile damit der dienstälteste Hautarzt Lünens. „In unserer Kindheit hatten wir ganz andere Lichtschutz-Faktoren beim Sonnenschutz als heute“, so Happe. Viele Patienten, die vor mehr als 40 Jahren Kinder waren, haben zahlreiche Sonnenbrände erlebt, die möglicherweise heute zu Hautkrebs führen können. Weil man damals sorgloser in Bezug auf Gefahr von Sonnenbränden war und Hautkrebs eigentlich kaum ein Thema. Damit sich das nicht rächt, appelliert der Arzt, zur Hautkrebs-Vorsorge zu gehen.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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