Ein Streit unter Eheleuten ist in Lünen vor Gericht gelandet. © picture alliance/dpa
Rosenkrieg

Heftiger Streit unter Eheleuten in Lünen: „Die Nerven lagen blank“

Im heftigen Streit um das gemeinsame Kind soll ein Lüner (44) seine Ehefrau zum Bleiben genötigt und brutal attackiert haben. Vor Gericht sprach er nun von einer Rangelei und einem Versehen. Von der Zeugin fehlte derweil jede Spur.

Ein Gespräch rund um den Sohn des Paares sorgte am 6. Januar augenscheinlich für erhitzte Gemüter, heftige Diskussionen und letztlich für einen handfesten Streit. Laut Anklage wollte die Frau schließlich gehen und wurde daraufhin von ihm mit Gewalt daran gehindert. In der Situation soll sie ihr Handy genommen haben, das er ihr, so der weitere Vorwurf, aus der Hand riss und damit so kraftvoll gegen ihre Schläfe schlug, dass sie eine Platzwunde davontrug.

Zeugin erschien nicht vor Gericht

Nötigung und gefährliche Körperverletzung wurden dem Lüner (44) nun in einem Prozess vor dem Amtsgericht in Lünen zur Last gelegt. Er überließ das Reden im Wesentlichen seiner Verteidigerin und die präsentierte seine Version. Demnach kam es im Zuge des Streits um die drohende Unterbringung des Kindes in einer Pflegefamilie zu einem Gerangel, bei dem das Handy offenbar gegen die Schläfe schlug. „Die Nerven lagen blank“, betonte die Anwältin und sprach an anderer Stelle von einer explosiven Mischung. Nach dem Vorfall sei die Frau erst zum Krankenhaus gegangen, sei zurückgekehrt und sie hätten sich ausgesprochen.

Überhaupt, das versicherte der Angeklagte, nähmen sie beide nun therapeutische Hilfe in Anspruch und würden gemeinsam eine Mediation absolvieren. „Die Mediation“, schaltete sich die Verteidigerin ein, „hat schon ein großes Gewicht. Das heißt, dass sie beide daran arbeiten.“ Zumal seitdem auch nichts mehr vorgefallen sei. Überdies wies sie darauf hin, dass die Ehefrau trotz Ladung als Zeugin nicht zum Termin erschien, unentschuldigt fehlte. Das wertete die Rechtsanwältin als Hinweis darauf, dass sie offenbar kein großes Interesse mehr an einer Strafverfolgung habe. Generell zielte sie auf eine Einstellung des Verfahrens ab – so wie es bereits in einem ähnlichen Fall mit denselben Beteiligten vor einigen Monaten geschah.

Ein Ansinnen, das bei der Staatsanwaltschaft unter den Voraussetzungen auf taube Ohren stieß – zum einen, da es bereits eine Einstellung gab und zum anderen, weil der Vertreter der Anklage auf die Befragung des mutmaßlichen Opfers nicht verzichten wollte. Aus diesem Grund wurde das Verfahren ausgesetzt und soll im kommenden Jahr komplett neu aufgerollt werden – mit der wichtigen Zeugin. Um sicherzustellen, dass die Frau dann vor Gericht erscheint, soll sie polizeilich vorgeführt werden. Außerdem wurde ihr ein Ordnungsgeld auferlegt – 100 Euro oder ersatzweise zwei Tage Haft.

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