Ewa Gojevic, Inhaberin der Boutique Bella Rosa, bietet Ausgefallenes an. Doch gerade jetzt hat sie Schwierigkeiten, ihren Laden für den Herbst auszustatten. © Kristina Gerstenmaier
Weltwirtschaft

Herbstmode: Lieferprobleme treffen auch Lüner Schuh- und Kleidungsgeschäfte

Schuh- und Kleidungsgeschäfte kämpfen mit Lieferschwierigkeiten bei der Herbstkollektion. Das macht sich auch in Ladenregalen von Lünen bis Olfen bemerkbar. Eine Hoffnung bleibt.

Noch ist T-Shirt-Wetter. Doch der Herbst ist nicht mehr weit; offiziell hat er meteorologisch sogar schon am 1. September begonnen. Doch von der Herbstmode ist in vielen Lüner Mode- und Schuhgeschäften Mitte September noch nicht viel zu sehen.

„In normalen Zeiten ist jetzt schon alles ausgeliefert“, bestätigt Christiane Sauer, Gesellschafterin der Pettrup GmbH mit Sitz in Olfen. Neben Schuhgeschäften in Olfen, Werne oder Lüdinghausen – insgesamt sind es 15 Filialen – betreibt Pettrup das SchuhHouse an der Langen Straße in Lünen. „Die allgemeine Transportproblematik zur Zeit betrifft eben auch die Schuhe“, erklärt die Familienunternehmerin in vierter Generation. Pettrup produziert die meisten Schuhe nicht selbst, sondern kauft von großen Unternehmen ein. Mit Ausnahme der orthopädischen Schuhe aus der eigenen Werkstatt in Olfen: Die sind nicht betroffen.

Containerpreise sind explodiert

„Die Lieferschwierigkeiten betreffen das ganze Unternehmen und die gesamte Schuhbranche“, betont sie. Betroffen seien Lieferanten aus Asien wie auch aus Europa. Ursache sind Lockdowns in Herstellerländern in Asien – aktuell zum Beispiel in Vietnam-, Containerstaus sowie extrem hohe Transportkosten. „Von großen Mitbewerbern hört man zum Beispiel, dass sie nicht bereit sind, 18.000 Euro statt 2000 Euro pro Container zu zahlen“, erzählt Christiane Sauer, „sodass sie die Ware in China lassen.“

Auch das Unternehmerpaar Christiane und Wigand Sauer von der Pettrup GmbH mit Sitz in Olfen. Das Unternehme betreibt 15 Schuhgeschäfte in der Region, auch das SchuhHouse in Lünen.
Auch das Unternehmerpaar Christiane und Wigand Sauer von der Pettrup GmbH mit Sitz in Olfen. Das Unternehme betreibt 15 Schuhgeschäfte in der Region, auch das SchuhHouse in Lünen. © Münch (A) © Münch (A)

Sauer hofft darauf, dass die Lieferungen bis Mitte Oktober alle ankommen und die Herbstkollektion in den Ladenregalen steht. 30 Prozent weniger Wareneingang verzeichnet das Olfener Unternehmen derzeit. Aber noch falle das den Kunden durch Überschüsse aus der Lockdownzeit nicht so sehr auf.

Von der Firma Deichmann, die ebenfalls eine Filiale in Lünen betreibt, heißt es von Sprecherin Michele Leyendecker auf Anfrage: „Natürlich spüren auch wir die Auswirkungen dieser weltweit angespannten Logistik-Situation. Ende September rechnen wir mit einer weitgehenden Normalisierung bei den Herbst/Winter-Beständen.“

Die Pandemie habe die internationalen Lieferketten aus dem Takt gebracht. „Zu einem geänderten Konsumverhalten kam noch die zwischenzeitliche Blockade des Suezkanals und diverse Lockdowns in Chinas Häfen aufgrund erneuter Corona-Ausbrüche. Die Ergebnisse sind seit geraumer Zeit Verzögerungen in der gesamten Container-Wirtschaft und immens hohe Transportpreise“, bestätigt Leyendecker. Mit Partnern und Lieferanten sei das Unternehmen aber „in Gesprächen“.

Auch Kleidungsgeschäfte fehlt neue Ware

Ewa Gojevic, Inhaberin der Boutique „Bella Rosa“, die ebenfalls an der Lange Straße zu finden ist, ist sichtlich verzweifelt. Auch ihr fehlt es an Herbstmode. Von ihrer jüngsten Einkaufstour bei einem Großhändler in Düsseldorf kam sie mit nur 40, statt der geplanten 120 Teile zurück. „Es war eine absolute Katastrophe“, berichtet sie. „Das Angebot war einfach nicht ausreichend. Ausgefallene und qualitativ hochwertige Kleidung, bei der der Preis stimmt, war kaum vorhanden.“ Normalerweise habe sie um im September schon deutlich mehr Pullover und Strickjacken im Sortiment, als jetzt.

Dabei sieht Gojevic die Ursache nicht nur bei Problemen in der internationalen Lieferkette: „Wenn die Einzelhändler nicht kommen, weil sie durch den Lockdown geschlossen haben, dann kann auch der Großhändler nichts kaufen. Wir sind alle aufeinander angewiesen. Das ist eine Kettenreaktion.“

Fast mehr geschlossen, als geöffnet

Mit der Auswahl der Sommerwaren war sie hingegen zufrieden. Da gab es ein gutes Angebot. In den Herbst aber schaut sie sehr sorgenvoll. „Ich habe einfach Angst vor der Zukunft. Auch, weil es nicht mehr das ist, was es vor der Pandemie war“, sagt Gojevic.

Viele frühere Stammkundinnen habe sie seit der Pandemie nicht mehr gesehen. Außerdem hatte sie seit Eröffnung im August 2019 durch die Lockdowns eigentlich noch gar keine Zeit, sich am Markt in Lünen zu etablieren. „Man sagt, ein neues Geschäft braucht etwa drei Jahre, um sich zu integrieren. Aber ich hatte ja eigentlich fast mehr geschlossen, als offen.“ Die Unternehmerin hofft, dass sich die Lage bald normalisiert und freut sich über jede Kundin, die zu ihr in den Laden kommt.

Manche Händler geben an, keine Lieferprobleme zu haben

Einige andere Händler in Lünen wollen nicht öffentlich über Lieferschwierigkeiten sprechen. Sie befürchten, die Kunden abzuschrecken.

Noch weitere Geschäfte in der Lippestadt, wie das „Schuhhaus Schlatholt“ zum Beispiel, „Liberty Woman“ oder „Sabba“ geben auf Nachfrage an, keine Lieferschwierigkeiten zu haben. Bei der Bekleidungsgeschäft Sabba heißt es von Mitarbeiterin Monica Alvaris: „Wir kaufen unsere Ware selber in Düsseldorf ein. Wenn es nicht das gibt, was wir uns vorgestellt haben, nehmen wir halt was anderes.“ Bei „Liberty Woman“ verweisen die Mitarbeiterinnen auf ein Label, das der Ware bescheinigen soll, ausschließlich in Europa produziert zu werden.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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