Marielouise Wißmann fotografiert in ihrer Freizeit gern. Sie mag es, schöne Momente festzuhalten. © Felsch
Menschen und Hobbies

Hobbyfotografin im Rollstuhl will Vergänglichkeit des Lebens festhalten

Die Cappenbergerin Louise Wißmann ist Freizeitfotografin. Sie will schöne Momente des Lebens festhalten, denn sie weiß aus persönlicher Erfahrung, wie vergänglich das Leben ist.

Der Grund, weshalb Marielouise Wißmann zur Hobbyfotografie fand, ist intensiv. Sie will die schönen Momente des Lebens mit der Kamera festhalten. Genau so, wie sie die letzten Momente dokumentierte, die sie mit einem guten Freund verbringen konnte. Denn dieser litt an den Spätfolgen seiner Spina Bifida, dem so genannten offenen Rücken. „Damals wurde Spina Bifida noch anders behandelt. Die Konsequenz bei meinem Freund war, dass seine Wirbelsäule die Lunge eingequetscht hat“, sagt Wißmann.

Eine schwere Zeit für ihn – aber auch für Wißmann selbst. „Ich habe in dieser Zeit die Sterbebegleitung für ihn gemacht. Es ist krass, weil das etwas ist, worüber man sonst nicht spricht.“ Acht Wochen habe sie ihren Freund dabei begleitet – und es sei eine der wichtigsten Erfahrungen gewesen, die sie gemacht habe. Der prägendste Moment: „Bei seinem Tod hatte er ein Lächeln der Erleichterung auf den Lippen.“ Das war im August 2017. Viele schöne Momente hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt eingefangen. Danach entschied sich Wißmann dazu, öfter zur Kamera zu greifen.

Eigenes Instagram-Profil für Fotografie

Die gebürtige Cappenbergerin hat ein eigenes Instagram-Profil, auf dem sie ihre Impressionen veröffentlicht. Eines ihrer Lieblingsmotive sind Sonnenuntergänge. „Ich ziehe gern immer einfach mal los, wenn mir danach ist“, sagt Wißmann. „Nur größere Projekte muss ich vorab planen und mir eine Begleitung mitnehmen – damit jemand mir helfen kann, die Objektive der Kamera zu tragen und da zu sein, falls etwas ist.“ Sie ist eine junge Frau, die weiß, was sie will. Und dabei lässt sie sich vor allem nicht von ihrer Spina Bifida aufhalten, durch die sie im Rollstuhl sitzt. Was ihr wichtig ist: Ein selbstbestimmtes Leben.

Marielouise Wissmann fotografiert gern malerische Landschaften.
Marielouise Wissmann fotografiert gern malerische Landschaften. © Wissmann © Wissmann

Neben der Fotografie besucht Wißmann in ihrer Freizeit Konzerte, ist mit Freunden unterwegs und kocht in ihrer Wohnung. Einer Service-Wohnung der Caritas, bei der sie sich die Leistungen dazu buchen kann, die sie für ihre Pflege benötigt. Regelmäßig erhält Wißmann Besuch von einer Assistenz, die sie bei größeren Projekten unterstützt. „Dabei ist mir wichtig, dass es zwischen uns passt, aber es auch ein professionelles Verhältnis gibt.“ Das sei auch insofern wichtig, da Wißmann eigentlich so gut wie nie alleine ist.

Auch für die Zukunft hat Wißmann noch viel vor. „Derzeit arbeite ich am Empfang bei der Caritas in Brambauer, aber ich würde mich auch gern auf dem ersten Arbeitsmarkt bewegen.“ Sprich, sie will sich in Bereichen etablieren, die nicht im Zusammenhang mit einer Lebenshilfe-Werkstatt stehen. Berufliche und menschliche Erfahrungen hat sie bereits an ihrem ersten eigenen Wohnort gesammelt – einem Wohnprojekt in Troisdorf. Dort hat Wißmann für drei Jahre gelebt und gearbeitet, bevor es sie wieder zurück nach Lünen zog – wieder näher zu ihren Eltern, die sie in ihren Entscheidungen tatkräftig unterstützen.

Wichtig ist ein Leben auf Augenhöhe

Für die 27-Jährige ist es wichtig, mit den Menschen in ihrem Leben auf Augenhöhe zu sein. „Viele unterschätzen einen und betrachten einen von oben herab. Ich werde manchmal gar nicht angesprochen, obwohl es ja um mich geht. Man tut so, als sei ich gar nicht dabei.“ Das sei auch in Sachen Partnerschaft nicht immer einfach. Denn viele Leute denken automatisch, dass es ungewöhnlich sei, wenn bei einem Paar nur einer der beiden Partner im Rollstuhl sitzt.

Marielouise Wißmann ist gern aktiv - von ihrer Spina Bifida lässt sie sich nicht einschränken.
Marielouise ist gern aktiv – von ihrer Spina Bifida lässt sie sich nicht einschränken. © Wißmann © Wißmann

Wißmann unterstützt auch andere Menschen mit Spina Bifida. „Ich leiste Vorstandsarbeit im Verein und beteilige mich an der Planung von Freizeiten für Kinder und Jugendliche.“ Im Verein könne man Probleme besprechen und Erfahrungen austauschen. Und füreinander da sein, wenn es ernst wird. Genau so, wie sie in der schwersten Zeit für ihren Freund da war.

Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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